Impuls für den modernen ökologischen Landbau und die zukunftsfähige Ernährungskultur

90 Jahre biodynamisch:

Impuls für den modernen ökologischen Landbau und die zukunftsfähige Ernährungskultur

15.01.2014

Demeter-Vorstand Alexander Gerber erinnerte in der Pressekonferenz des ökologischen Dachverbandes BÖLW zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin an die Ursprünge der modernen biologischen Agrar- und Ernährungskultur: „Pfingsten 1924 hält Rudolf Steiner seine Vorträge zum Gedeihen der Landwirtschaft. Heute wissen wir: das war die Geburtsstunde des modernen, ökologischen Landbaus.“

Steiners Impuls für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungskultur fiel auf fruchtbaren Boden. Das biodynamische Prinzip, den landwirtschaftlichen Betrieb als möglichst geschlossenen Organismus zu betrachten, ist zum Fundament der gesamten ökologischen Landwirtschaft geworden: Auf dem Bauernhof werden nur so viele Tiere gehalten, wie sich  mit eigenem Futter ernähren lassen. Dadurch wiederum liefern die Tiere ausreichend Dung, um die Pflanzen zu ernähren. Mit diesem Grundsatz geht der ökologische Landbau über das schlichte Weglassen von chemischen Dünge- und Spritzmitteln hinaus. 

Der promovierte Agrarwissenschaftler untermauerte die Zukunftsfähigkeit des ökologischen Landbaus mit wissenschaftlichen Studien und betonte: „Das Prinzip eines vielfältigen Betriebsorganismus mit Wiederkäuern ist der Königsweg für den Aufbau der Boden-Fruchtbarkeit.“ Nur tierischer Dung sichere dauerhaft stabile Erträge in einem System, das bewusst auf mineralischen Dünger verzichtet. Zurückgehende Erntemengen auf Bio-Marktfruchtbetrieben ohne Tierhaltung verdeutlichten diesen Zusammenhang.

Gerber widerlegte auch die These, Kühe seien Klimakiller. „Gerade die Milchvieh haltenden Betriebe sind besonders klimafreundlich, weil sie Humus im Boden aufbauen und damit über 200 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar und Jahr anreichern. Im Mittel der ökologischen Marktfruchtbetriebe ist hingegen von gleich bleibenden Humusgehalten auszugehen. Konventionelle Marktfruchtbetriebe weisen sogar deutliche negative Humussalden von minus 150 kg Kohlenstoff je Hektar und Jahr aus. Das sind die aktuellsten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Klimawirkungen des Bio-Landbaus unter Leitung von Professor Hülsbergen von der TU München.“

Immer wichtiger werde zudem, was Tiere in der Landwirtschaft den Menschen des 21. Jahrhunderts schenken. Sie brächten eine seelische Qualität in den landwirtschaftlichen Betrieb und damit  in die Landschaft.  Eindringlich verwies der Sprecher der biodynamischen Gemeinschaft auf die damit verbundenen Pflichten: „Der Mensch trägt hohe ethische Verantwortung. Deshalb legen wir Bio-Bauern höchste Maßstäbe an eine artgerechte,  wesensgemäße Tierhaltung.“ Gerber beklagte, dass die notwendige Tierethik in der Gesellschaft verloren gegangen sei. Er forderte die Verwandlung der Wertschöpfungskette in eine Wertschätzungskette und nannte dafür Transparenz  auf jeder Stufe und Teilhabe bis hin zum Konsumenten als Voraussetzungen.

Das Prinzip des standortangepassten, individuellen Betriebsorganismus denke Demeter jedoch nicht nur in Richtung Tierhaltung konsequent weiter. Nicht zuletzt angesichts der weltweiten Monopolisierung der Agrarindustrie mit teilweise zweifelhaften Techniken rücke immer stärker der Ursprung allen pflanzlichen Lebens, das Saatgut, in den Focus.

Eigene biodynamische Pflanzenzüchtung sorge für das passende Saatgut, durch eine gezielte Sortenentwicklung für besonders bekömmliche, wohlschmeckende Lebensmittel und für die Sicherung fruchtbarer Pflanzen als Kulturgut. Demeter-Vorstand Alexander Gerber kritisierte jedoch, dass die politischen Rahmenbedingungen genau diese Ansätze nicht ausreichend fördere. Er verlangte von der neuen Bundesregierung, das Erneuerbare Energien-Gesetz EEG so zu ändern, dass Vieh haltende Ökobetriebe wieder konkurrenzfähig werden.

15.01.2014
Impuls für den modernen ökologischen Landbau und die zukunftsfähige Ernährungskultur
90 Jahre biodynamisch:

Demeter-Vorstand Alexander Gerber erinnerte in der Pressekonferenz des ökologischen Dachverbandes BÖLW zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin an die Ursprünge der modernen biologischen Agrar- und Ernährungskultur: „Pfingsten 1924 hält Rudolf Steiner seine Vorträge zum Gedeihen der Landwirtschaft. Heute wissen wir: das war die Geburtsstunde des modernen, ökologischen Landbaus.“

Steiners Impuls für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungskultur fiel auf fruchtbaren Boden. Das biodynamische Prinzip, den landwirtschaftlichen Betrieb als möglichst geschlossenen Organismus zu betrachten, ist zum Fundament der gesamten ökologischen Landwirtschaft geworden: Auf dem Bauernhof werden nur so viele Tiere gehalten, wie sich  mit eigenem Futter ernähren lassen. Dadurch wiederum liefern die Tiere ausreichend Dung, um die Pflanzen zu ernähren. Mit diesem Grundsatz geht der ökologische Landbau über das schlichte Weglassen von chemischen Dünge- und Spritzmitteln hinaus. 

Der promovierte Agrarwissenschaftler untermauerte die Zukunftsfähigkeit des ökologischen Landbaus mit wissenschaftlichen Studien und betonte: „Das Prinzip eines vielfältigen Betriebsorganismus mit Wiederkäuern ist der Königsweg für den Aufbau der Boden-Fruchtbarkeit.“ Nur tierischer Dung sichere dauerhaft stabile Erträge in einem System, das bewusst auf mineralischen Dünger verzichtet. Zurückgehende Erntemengen auf Bio-Marktfruchtbetrieben ohne Tierhaltung verdeutlichten diesen Zusammenhang.

Gerber widerlegte auch die These, Kühe seien Klimakiller. „Gerade die Milchvieh haltenden Betriebe sind besonders klimafreundlich, weil sie Humus im Boden aufbauen und damit über 200 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar und Jahr anreichern. Im Mittel der ökologischen Marktfruchtbetriebe ist hingegen von gleich bleibenden Humusgehalten auszugehen. Konventionelle Marktfruchtbetriebe weisen sogar deutliche negative Humussalden von minus 150 kg Kohlenstoff je Hektar und Jahr aus. Das sind die aktuellsten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Klimawirkungen des Bio-Landbaus unter Leitung von Professor Hülsbergen von der TU München.“

Immer wichtiger werde zudem, was Tiere in der Landwirtschaft den Menschen des 21. Jahrhunderts schenken. Sie brächten eine seelische Qualität in den landwirtschaftlichen Betrieb und damit  in die Landschaft.  Eindringlich verwies der Sprecher der biodynamischen Gemeinschaft auf die damit verbundenen Pflichten: „Der Mensch trägt hohe ethische Verantwortung. Deshalb legen wir Bio-Bauern höchste Maßstäbe an eine artgerechte,  wesensgemäße Tierhaltung.“ Gerber beklagte, dass die notwendige Tierethik in der Gesellschaft verloren gegangen sei. Er forderte die Verwandlung der Wertschöpfungskette in eine Wertschätzungskette und nannte dafür Transparenz  auf jeder Stufe und Teilhabe bis hin zum Konsumenten als Voraussetzungen.

Das Prinzip des standortangepassten, individuellen Betriebsorganismus denke Demeter jedoch nicht nur in Richtung Tierhaltung konsequent weiter. Nicht zuletzt angesichts der weltweiten Monopolisierung der Agrarindustrie mit teilweise zweifelhaften Techniken rücke immer stärker der Ursprung allen pflanzlichen Lebens, das Saatgut, in den Focus.

Eigene biodynamische Pflanzenzüchtung sorge für das passende Saatgut, durch eine gezielte Sortenentwicklung für besonders bekömmliche, wohlschmeckende Lebensmittel und für die Sicherung fruchtbarer Pflanzen als Kulturgut. Demeter-Vorstand Alexander Gerber kritisierte jedoch, dass die politischen Rahmenbedingungen genau diese Ansätze nicht ausreichend fördere. Er verlangte von der neuen Bundesregierung, das Erneuerbare Energien-Gesetz EEG so zu ändern, dass Vieh haltende Ökobetriebe wieder konkurrenzfähig werden.