Kehrtwende statt Verlängerung der Sackgasse

Demeter zur Milchpreiskrise

Kehrtwende statt Verlängerung der Sackgasse

14.07.2016
Kühe auf der Weide

„Liquiditätsbeihilfen helfen den konventionellen Berufskollegen nicht aus ihrem Teufelskreis, denn diese Mittel lösen das Problem nicht“, so Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber zu den morgigen Gesprächen der Landwirtschaftsminister der Bundesländer. Sie beraten am Freitag in Brüssel in einer Sondersitzung zur Milchpreiskrise mit hochrangingen Vertretern der EU. Auch EU-Landwirtschaftskommissar Hogan wird bei dem Treffen dabei sein.

Der Preis für konventionelle Milch befindet sich im freien Fall. Bauern bekommen für den Liter Milch inzwischen weniger als 20 Cent. Kostendeckende Produktion ist damit längst nicht mehr möglich. Aus einzelbetrieblicher Sicht macht es durchaus Sinn, darauf mit Rationalisierung und Intensivierung zu reagieren, die Folgen jedoch sind dramatisch: Insgesamt noch mehr Milch und weiter fallende Preise. Die Milchproduktion droht damit völlig aus dem Ruder zu laufen. Vor allem aber greifen so hier allein die marktwirtschaftlichen Mechanismen und zwingen zahlreiche Milchvieh-Betriebe zur Aufgabe.

„Wie also das Problem lösen, wenn Liquiditätsbeihilfen die Sackgasse nur verlängern und staatliche Mengenregulierung mehr Plan- als Marktwirtschaft ist“, fragt Gerber? Seine Forderung zur Lösung des Dilemmas: „Der Staat muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Kühe wieder in einer Art  gehalten werden, wie es  ihnen wirklich entspricht. Dann passt auch die Milchmenge“, ist Gerber sicher. „Wenn Kühe hauptsächlich Gras, Heu und Silage statt großer Mengen Kraftfutter fressen, wenn das Futter weitgehend vom eigenen Betrieb stammt anstatt in großen Mengen als gentechnisch veränderte Soja aus Südamerika importiert wird, wenn artgerecht Weidegang zum Kuhleben gehört, dann bringen die Wiederkäuer optimale statt maximale Leistung. Die Milchmenge geht dabei zurück, die Preise steigen und ermöglichen Landwirte zukunftsfähiges Wirtschaften“, konkretisiert der Demeter-Sprecher. 

Im ökologischen Landbau und insbesondere bei Demeter mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise sind diese Prinzipien an eine standortgebundene, artgerechte Milchviehhaltung seit über 90 Jahren umgesetzt. Wer zu Demeter-Milchprodukten greift und bereit ist, angemessene, faire Preise zu bezahlen, sichert nicht nur die Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch eine artgerechte Milcherzeugung und eine von Weideland geprägte Kulturlandschaft. Für diese Agrarkultur-Leistung bekommen die biodynamischen Landwirte von den Demeter-Molkereien einen Auszahlungspreis von im Schnitt knapp unter 50 Cent für den Liter Milch. Damit ist die ökologische und biodynamische Milcherzeugung eine Alternative für die konventionelle Landwirtschaft. „Jedoch nur, wenn der Verbraucher auch vermehrt zu Bio-Produkten greift. Sonst haben wir im Bio-Bereich bald denselben Effekt mit zu großen Mengen und fallenden Preise“, warnt Gerber.

Kohärente Politik bedeute daher, auch in der Verbraucherkommunikation entsprechende Akzente zu setzen. „Wenn Bundesminister Schmidt eine Zukunftsstrategie Ökolandbau plant, ohne diese mit Finanzmitteln auszustatten, ist das ein unzulängliches, falsches Vorgehen“, so Gerber.

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Demeter zur Milchpreiskrise

„Liquiditätsbeihilfen helfen den konventionellen Berufskollegen nicht aus ihrem Teufelskreis, denn diese Mittel lösen das Problem nicht“, so Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber zu den morgigen Gesprächen der Landwirtschaftsminister der Bundesländer. Sie beraten am Freitag in Brüssel in einer Sondersitzung zur Milchpreiskrise mit hochrangingen Vertretern der EU. Auch EU-Landwirtschaftskommissar Hogan wird bei dem Treffen dabei sein.

Der Preis für konventionelle Milch befindet sich im freien Fall. Bauern bekommen für den Liter Milch inzwischen weniger als 20 Cent. Kostendeckende Produktion ist damit längst nicht mehr möglich. Aus einzelbetrieblicher Sicht macht es durchaus Sinn, darauf mit Rationalisierung und Intensivierung zu reagieren, die Folgen jedoch sind dramatisch: Insgesamt noch mehr Milch und weiter fallende Preise. Die Milchproduktion droht damit völlig aus dem Ruder zu laufen. Vor allem aber greifen so hier allein die marktwirtschaftlichen Mechanismen und zwingen zahlreiche Milchvieh-Betriebe zur Aufgabe.

„Wie also das Problem lösen, wenn Liquiditätsbeihilfen die Sackgasse nur verlängern und staatliche Mengenregulierung mehr Plan- als Marktwirtschaft ist“, fragt Gerber? Seine Forderung zur Lösung des Dilemmas: „Der Staat muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Kühe wieder in einer Art  gehalten werden, wie es  ihnen wirklich entspricht. Dann passt auch die Milchmenge“, ist Gerber sicher. „Wenn Kühe hauptsächlich Gras, Heu und Silage statt großer Mengen Kraftfutter fressen, wenn das Futter weitgehend vom eigenen Betrieb stammt anstatt in großen Mengen als gentechnisch veränderte Soja aus Südamerika importiert wird, wenn artgerecht Weidegang zum Kuhleben gehört, dann bringen die Wiederkäuer optimale statt maximale Leistung. Die Milchmenge geht dabei zurück, die Preise steigen und ermöglichen Landwirte zukunftsfähiges Wirtschaften“, konkretisiert der Demeter-Sprecher. 

Im ökologischen Landbau und insbesondere bei Demeter mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise sind diese Prinzipien an eine standortgebundene, artgerechte Milchviehhaltung seit über 90 Jahren umgesetzt. Wer zu Demeter-Milchprodukten greift und bereit ist, angemessene, faire Preise zu bezahlen, sichert nicht nur die Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch eine artgerechte Milcherzeugung und eine von Weideland geprägte Kulturlandschaft. Für diese Agrarkultur-Leistung bekommen die biodynamischen Landwirte von den Demeter-Molkereien einen Auszahlungspreis von im Schnitt knapp unter 50 Cent für den Liter Milch. Damit ist die ökologische und biodynamische Milcherzeugung eine Alternative für die konventionelle Landwirtschaft. „Jedoch nur, wenn der Verbraucher auch vermehrt zu Bio-Produkten greift. Sonst haben wir im Bio-Bereich bald denselben Effekt mit zu großen Mengen und fallenden Preise“, warnt Gerber.

Kohärente Politik bedeute daher, auch in der Verbraucherkommunikation entsprechende Akzente zu setzen. „Wenn Bundesminister Schmidt eine Zukunftsstrategie Ökolandbau plant, ohne diese mit Finanzmitteln auszustatten, ist das ein unzulängliches, falsches Vorgehen“, so Gerber.