Demeter verleiht „Land Wirtschaft Kultur Preis“

Sannmann und Tennental ausgezeichnet

Demeter verleiht „Land Wirtschaft Kultur Preis“

26.06.2013
Aufsichtsrat C. Simpfendörfer übergibt Preis an A. Thierfelder anläßlich der Delegiertenversammlung 2013

Inzwischen ist es gute Tradition: Demeter, die Organisation der Biodynamischen Wirtschaftsweise, verleiht den „Land Wirtschaft Kultur Preis“. Wieder werden zwei herausragende landwirtschaftliche Betriebe geehrt: die Gärtnerei Sannmann vor den Toren Hamburgs und Tennental in Baden-Württemberg. Beide zeigen, dass es neben der Erzeugung von wertvollen Lebensmitteln freiwilliges, soziokulturelles, qualitatives und ökologisches Engagement gibt – und zwar in beeindruckender Vielfalt.

Sannmann: Gärtnerei mit eigener Rinderherde


Gemüse frisch aus der Gärtnerei bietet Thomas Sannmann
in seinem Hofladen am Ochsenwerder Norderdeich 50.

Als Thomas Sannmann (54) 1986 den Betrieb seines Vaters in neunter Generation übernahm, läutete er ebenso entschlossen wie behutsam eine neue Ära ein. Statt einiger weniger ertragreicher Gemüse wie Spinat und Rettich wollte der junge Familienvater viele verschiedene Gemüse in Demeter-Qualität erzeugen. Diese Umstellung der Gemüsegärtnerei auf biologisch-dynamischen Anbau nach Demeter-Richtlinien nahm einige Jahre in Anspruch. 27 Jahre nach der Initialzündung bewirtschaftet Sannmann mit 33 engagierten Mitarbeitern, davon drei Auszubildende, fast 50 Hektar Land, baut über 40 Gemüsearten, Kräuter- und Salatspezialitäten auf 21 Hektar Freiland und 35.000 Quadratmetern Gewächshausfläche aus Glas und Folie an. Um einen intakten Hoforganismus zu gestalten, hat sich die Gärtnerei Kühe angeschafft. Auf 25 Hektar Weideland fressen sich die 20 Hereford-Rinder durch den Betrieb und schenken dafür den Mist, der mit organischen Materialien wie Pflanzen- und Gemüseresten, Grünschnitt und Stroh nach dem CMC-Verfahren (Controlled Microbial Composting) kompostiert wird. Das Ergebnis ist ausgereifter, duftender Humus, frei von Krankheitserregern und Unkrautsamen, beste Grundlage für aromatische Gemüse, Salate und Kräuter. Besonderen Wert legt Thomas Sannmann auf den Erhalt alter, regionaler Sorten wie der Tomate „Vierländer Platte“. Die samenfeste Möhre „Mona“, die über Jahre dem Standort angepasst und in Geschmack und Wuchs verbessert wurde, ist ebenfalls eine Besonderheit der Gärtnerei. Vor sechs Jahren begann der Gemüsegärtner bis dahin noch unbekannte Wildsalat-Arten anzubauen. 80 Prozent der Erzeugnisse vermarktet Sannmann über den Naturkost-Großhandel, 20 Prozent gehen per Gemüse-Abo-Kiste direkt an den Kunden und natürlich wird im Hofladen besonders gern gekauft. Neben dem Genuss geht es Sannmann natürlich auch um die gesamtgesellschaftliche  Dimension, was sich unter anderem auch in seinem Engagement für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg zeigt. Schon 2004 gehörte der Gärtner mit Professor Dr. Dieter Beger vom Ökomarktverein Hamburg zu den Initiatoren.

Viele Initiativen des engagierten Gärtnermeisters konnten durch die Beteiligung von Kunden umgesetzt werden. Sie kaufen so genannte Genussscheine und finanzieren damit etwa den Bau neuer Betriebs- und Sozialräume für die Mitarbeiter oder eine Kompost-Extraktions-Anlage. Zum Konzept des Betriebes gehört die Einbindung der Menschen aus der Region, die viermal im Jahr zu Festen eingeladen werden oder schon als Dreikäsehoch im Gärtnerkinderprojekt säen und pflanzen, pflegen und ernten. Charakteristisch für Sannmanns ganzheitliches Denken ist auch das jüngste Projekt, die Überschussverarbeitung.  Während der Tomatensaison wird aus sonnenreifen Früchten einer Sorte wie Cherrystrauch oder Vierländer Platte die feine Suppe „Tomatentraum“. Dafür werden nicht-vermarktungsfähige Tomaten, die noch gut sind, aber den Absatzkriterien nicht entsprechen, sorgsam veredelt.

Sozialtherapie in Tennental

Im Tennental in Deckenpfronn hat sich die Dorfgemeinschaft in der Trägerschaft des  gemeinnützigen Vereins für die sozial-therapeutischen Einrichtung mit Wohnbereich und Werkstätten für Menschen mit besonderem Hilfebedarf organisiert. Mittelpunkt dabei ist der Martinshof. Auf dem biodynamischen Betrieb arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Sie erzeugen seit 1990 gesunde und kraftvolle Demeter-Lebensmittel für die Tennentaler und die Menschen in der Umgebung. Hier fließen anthroposophisch inspiriert Heilpädagogik und Agrarkultur zusammen. Für Betriebsleiter Alexander Tierfelder, der auch  als Vorstand bei Demeter Baden-Württemberg und Delegierter im Demeter e. V. engagiert ist, zählt ganz besonders die Vielfalt des individuellen Hoforganismus. Auf den Feldern wächst das Getreide für die Tennentaler Bäckerei, die Kartoffeln und das Viehfutter. Von den Köchen sehr geliebt,  ist seit einigen Jahren die außergewöhnliche Belugalinse im Anbau eine große Herausforderung. Das Zentrum des Ganzen ist jedoch die Milchviehherde, deren Milch in der Hofkäserei zu leckeren Käse und Quark verarbeitet wird. In der hofeigenen Bäckerei entstehen Holzofenbrot, Kekse und Kleingebäck. Auch die Einmachküche bietet sinnvolle Arbeitsplätze und leckere Produkte. Alle selbst produzierten Waren werden durch den eigenen Vertrieb vermarktet – Erfolg eines außergewöhnlichen Modells.

Rund 70 Hektar Ackerbau sowie fast 40 Hektar Wiesen und Weiden bieten den 25 Rindern,  20 Schweinen und Pferden, die in der Gärtnerei eingesetzt werden sowie den Bienen und mancherlei Kleinvieh beste Voraussetzungen. Dazu kommt die liebevolle Betreuung durch die beteiligten Menschen und die Aufmerksamkeit des Umfeldes. Führungen und pädagogische Veranstaltungen, Ausbildungen, Praktika und natürlich viele Feste prägen das Miteinander des Demonstrationsbetriebes im Förderprogramm ökologischer Landbau. Ein Highlight ist zu Mittsommer die Open-Air-Aufführung des integrativen Theaters. Genau so wichtig und ein stetiges Entwicklungsprojekt ist das Thema gerechtes Wirtschaften. „Unsere Mitarbeiter haben garantiert tarifliche Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Wir bieten Teilzeitangebote und wir beschäftigen ältere Mitarbeiter sowie Menschen mit Handicap“, erzählt Alexander Thierfelder nicht ohne Stolz.

Auch das hat die Jury überzeugt, denn der „Land Wirtschaft Kultur-Preis“ des Demeter e. V. soll Vorbildwirkung für andere erzeugen, die in der biodynamischen Gemeinschaft aktiv sind. www.sannmann.com, www.tennental.de

26.06.2013
Demeter verleiht „Land Wirtschaft Kultur Preis“
Sannmann und Tennental ausgezeichnet

Inzwischen ist es gute Tradition: Demeter, die Organisation der Biodynamischen Wirtschaftsweise, verleiht den „Land Wirtschaft Kultur Preis“. Wieder werden zwei herausragende landwirtschaftliche Betriebe geehrt: die Gärtnerei Sannmann vor den Toren Hamburgs und Tennental in Baden-Württemberg. Beide zeigen, dass es neben der Erzeugung von wertvollen Lebensmitteln freiwilliges, soziokulturelles, qualitatives und ökologisches Engagement gibt – und zwar in beeindruckender Vielfalt.

Sannmann: Gärtnerei mit eigener Rinderherde


Gemüse frisch aus der Gärtnerei bietet Thomas Sannmann
in seinem Hofladen am Ochsenwerder Norderdeich 50.

Als Thomas Sannmann (54) 1986 den Betrieb seines Vaters in neunter Generation übernahm, läutete er ebenso entschlossen wie behutsam eine neue Ära ein. Statt einiger weniger ertragreicher Gemüse wie Spinat und Rettich wollte der junge Familienvater viele verschiedene Gemüse in Demeter-Qualität erzeugen. Diese Umstellung der Gemüsegärtnerei auf biologisch-dynamischen Anbau nach Demeter-Richtlinien nahm einige Jahre in Anspruch. 27 Jahre nach der Initialzündung bewirtschaftet Sannmann mit 33 engagierten Mitarbeitern, davon drei Auszubildende, fast 50 Hektar Land, baut über 40 Gemüsearten, Kräuter- und Salatspezialitäten auf 21 Hektar Freiland und 35.000 Quadratmetern Gewächshausfläche aus Glas und Folie an. Um einen intakten Hoforganismus zu gestalten, hat sich die Gärtnerei Kühe angeschafft. Auf 25 Hektar Weideland fressen sich die 20 Hereford-Rinder durch den Betrieb und schenken dafür den Mist, der mit organischen Materialien wie Pflanzen- und Gemüseresten, Grünschnitt und Stroh nach dem CMC-Verfahren (Controlled Microbial Composting) kompostiert wird. Das Ergebnis ist ausgereifter, duftender Humus, frei von Krankheitserregern und Unkrautsamen, beste Grundlage für aromatische Gemüse, Salate und Kräuter. Besonderen Wert legt Thomas Sannmann auf den Erhalt alter, regionaler Sorten wie der Tomate „Vierländer Platte“. Die samenfeste Möhre „Mona“, die über Jahre dem Standort angepasst und in Geschmack und Wuchs verbessert wurde, ist ebenfalls eine Besonderheit der Gärtnerei. Vor sechs Jahren begann der Gemüsegärtner bis dahin noch unbekannte Wildsalat-Arten anzubauen. 80 Prozent der Erzeugnisse vermarktet Sannmann über den Naturkost-Großhandel, 20 Prozent gehen per Gemüse-Abo-Kiste direkt an den Kunden und natürlich wird im Hofladen besonders gern gekauft. Neben dem Genuss geht es Sannmann natürlich auch um die gesamtgesellschaftliche  Dimension, was sich unter anderem auch in seinem Engagement für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg zeigt. Schon 2004 gehörte der Gärtner mit Professor Dr. Dieter Beger vom Ökomarktverein Hamburg zu den Initiatoren.

Viele Initiativen des engagierten Gärtnermeisters konnten durch die Beteiligung von Kunden umgesetzt werden. Sie kaufen so genannte Genussscheine und finanzieren damit etwa den Bau neuer Betriebs- und Sozialräume für die Mitarbeiter oder eine Kompost-Extraktions-Anlage. Zum Konzept des Betriebes gehört die Einbindung der Menschen aus der Region, die viermal im Jahr zu Festen eingeladen werden oder schon als Dreikäsehoch im Gärtnerkinderprojekt säen und pflanzen, pflegen und ernten. Charakteristisch für Sannmanns ganzheitliches Denken ist auch das jüngste Projekt, die Überschussverarbeitung.  Während der Tomatensaison wird aus sonnenreifen Früchten einer Sorte wie Cherrystrauch oder Vierländer Platte die feine Suppe „Tomatentraum“. Dafür werden nicht-vermarktungsfähige Tomaten, die noch gut sind, aber den Absatzkriterien nicht entsprechen, sorgsam veredelt.

Sozialtherapie in Tennental

Im Tennental in Deckenpfronn hat sich die Dorfgemeinschaft in der Trägerschaft des  gemeinnützigen Vereins für die sozial-therapeutischen Einrichtung mit Wohnbereich und Werkstätten für Menschen mit besonderem Hilfebedarf organisiert. Mittelpunkt dabei ist der Martinshof. Auf dem biodynamischen Betrieb arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Sie erzeugen seit 1990 gesunde und kraftvolle Demeter-Lebensmittel für die Tennentaler und die Menschen in der Umgebung. Hier fließen anthroposophisch inspiriert Heilpädagogik und Agrarkultur zusammen. Für Betriebsleiter Alexander Tierfelder, der auch  als Vorstand bei Demeter Baden-Württemberg und Delegierter im Demeter e. V. engagiert ist, zählt ganz besonders die Vielfalt des individuellen Hoforganismus. Auf den Feldern wächst das Getreide für die Tennentaler Bäckerei, die Kartoffeln und das Viehfutter. Von den Köchen sehr geliebt,  ist seit einigen Jahren die außergewöhnliche Belugalinse im Anbau eine große Herausforderung. Das Zentrum des Ganzen ist jedoch die Milchviehherde, deren Milch in der Hofkäserei zu leckeren Käse und Quark verarbeitet wird. In der hofeigenen Bäckerei entstehen Holzofenbrot, Kekse und Kleingebäck. Auch die Einmachküche bietet sinnvolle Arbeitsplätze und leckere Produkte. Alle selbst produzierten Waren werden durch den eigenen Vertrieb vermarktet – Erfolg eines außergewöhnlichen Modells.

Rund 70 Hektar Ackerbau sowie fast 40 Hektar Wiesen und Weiden bieten den 25 Rindern,  20 Schweinen und Pferden, die in der Gärtnerei eingesetzt werden sowie den Bienen und mancherlei Kleinvieh beste Voraussetzungen. Dazu kommt die liebevolle Betreuung durch die beteiligten Menschen und die Aufmerksamkeit des Umfeldes. Führungen und pädagogische Veranstaltungen, Ausbildungen, Praktika und natürlich viele Feste prägen das Miteinander des Demonstrationsbetriebes im Förderprogramm ökologischer Landbau. Ein Highlight ist zu Mittsommer die Open-Air-Aufführung des integrativen Theaters. Genau so wichtig und ein stetiges Entwicklungsprojekt ist das Thema gerechtes Wirtschaften. „Unsere Mitarbeiter haben garantiert tarifliche Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Wir bieten Teilzeitangebote und wir beschäftigen ältere Mitarbeiter sowie Menschen mit Handicap“, erzählt Alexander Thierfelder nicht ohne Stolz.

Auch das hat die Jury überzeugt, denn der „Land Wirtschaft Kultur-Preis“ des Demeter e. V. soll Vorbildwirkung für andere erzeugen, die in der biodynamischen Gemeinschaft aktiv sind. www.sannmann.com, www.tennental.de