Ein Ausblick auf die Agrarkultur der Zukunft

Demeter International

Ein Ausblick auf die Agrarkultur der Zukunft

24.06.2016
Exkursion

Mitgliederversammlung in Finnland verabschiedet Leitbild für zukünftige Arbeit

Existenzbedrohende Milchpreise in der konventionellen Landwirtschaft, extreme Wetterverhältnissen als Folge des Klimawandels, landwirtschaftliche Flächen als finanzielles Spekulationsobjekt: Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit wird es immer offensichtlicher, dass in der Landwirtschaft ein Paradigmenwechsel gebraucht wird. Darüber bestand in der Mitgliederversammlung von Demeter International in Finnland Einigkeit. Und gleichzeitig sehen die Demeter-Akteure aus allen Regionen der Welt in der Biodynamischen Wirtschaftsweise das ganzheitliche Modell für gesellschaftlichen Wandel. Vertreter*innen von Demeter und biodynamischen Verbänden aus 23 Ländern auf fünf Kontinenten haben sich vom 13. bis zum 18. Juni in Finnland getroffen, um Strategien für die Weiterentwicklung der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu diskutieren und zu verabschieden.

Demeter steht gemeinsam mit den Ökolandbau- und Umweltbewegungen für landwirtschaftliche Prinzipien, die Lösungen für die heutigen Umweltprobleme bieten, Ökosysteme respektieren und natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen. Demeter engagiert sich zudem für einen kulturellen Wandel. Dazu gehört ein Bewusstseinswandel, verbunden  mit neuen Formen sozialer und wirtschaftlicher Kooperationen, die zu einer wirklich nachhaltigen Agrarkultur führen können, die der Menschheit dient. Als gemeinsame Basis für diese Aufgabe hat die Mitgliederversammlung ihre „Vision, Mission und Prinzipien“ verabschiedet. Das Papier beschreibt, wie Demeter-Akteure zu einer Agrarkultur beitragen wollen, die die Menschen dazu befähigt, ihr persönliches Potential und Bewusstsein voll zu entwickeln.

Die Mitglieder von Demeter International fanden zudem übereinstimmend, dass neue Gentechnologien wie CRISPR-Cas, Cisgenetics oder TALEN als Gentechnik reguliert werden müssen, da sie technische Eingriffe in Zelle und Genom sind. Diese Techniken werden seit wenigen Jahren in Bereichen der Tier- und Pflanzenzüchtung erforscht. Züchtungskonzerne wollen nun einige damit erstellte Pflanzensorten auf den Markt bringen. Organismen, die mit diesen Techniken hergestellt wurden, müssen - wie im EU-Gentechnikrecht festgelegt - einer Risikoabschätzung, Risikomanagement und Kennzeichnungspflicht unterliegen, fordert Demeter International. Auch die Rückholbarkeit aus der Umwelt müsse durch den Gesetzgeber geregelt sein. Im biologischen Anbau sind diese gentechnisch veränderten Organismen damit ausgeschlossen.

Technologien wie die neuen Gentechnikverfahren führten zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft auf Grundlage von hohem Aufwand an Chemie und Energie. Die biodynamische und ökologische Landwirtschaft und die biodynamische Pflanzenzüchtung hingegen zeichnen sich durch eine ganzheitliche Sicht auf Landwirtschaft und ihren kulturellen Kontext aus. Sie sind also wahre “Agrarkultur” im besten Sinne des Worten. Sie bieten demnach bessere Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Zukunft als vereinfachte Modelle und rein technische Ansätze. Deshalb rufen die Biodynamiker die Politiker auf, sich für Forschung und Züchtung an ganzheitlichen, nachhaltigen Agrarsystemen einzusetzen, in ökologische Pflanzenzüchtung sowie eine Ausweitung des Ökolandbaus zu investieren.

Die finnischen Kolleg*innen haben den Besucher*innen aus aller Welt bei Exkursionen vorbildliche Beispiele für biodynamische Agrarkultur präsentiert. Ari und Ira Hellstén, Gründer des Ökodorfs Kurjentila, erklärten zwischen traditionellen finnischen Rindern und jungen Gemüsepflanzen, wie ihr wachsendes Projekt Zusammenarbeit, internationalen Austausch, Stadt-Land-Beziehungen und Umweltbewusstsein in der Praxis fördert. Auch der Demeter-Hof Rekola, der bereits in den 70er Jahren von Kalervo Rekola auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umgestellt wurde, war ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung biodynamischer Prinzipien. Heutzutage kümmert sich Joona Rekola um Ackerbau und Mutterkühe, die den Sommer auf Weide und teilweise im schattigen Wald verbringen. Sein Kompagnon Henri Murto bewirtschaftet und gestaltet zwei Hektar Garten – für ihn ein Platz, um nicht nur eine breite Gemüsevielfalt anzubauen, sondern auch einen Raum für Austausch, Inspiration und Bildung zu schaffen.

Demeter International sieht optimistisch in die Zukunft. Die biodynamisch bewirtschaftete Fläche wächst weltweit. Zurzeit sind 164.000 Hektar in 52 Ländern durch Demeter zertifiziert. Die positiven Auswirkungen für die Erde, das Klima und die Ernährung der Menschheit ermutigen, weiter auf eine dynamische Entwicklung zu setzen.

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Mitgliederversammlung in Finnland verabschiedet Leitbild für zukünftige Arbeit

Existenzbedrohende Milchpreise in der konventionellen Landwirtschaft, extreme Wetterverhältnissen als Folge des Klimawandels, landwirtschaftliche Flächen als finanzielles Spekulationsobjekt: Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit wird es immer offensichtlicher, dass in der Landwirtschaft ein Paradigmenwechsel gebraucht wird. Darüber bestand in der Mitgliederversammlung von Demeter International in Finnland Einigkeit. Und gleichzeitig sehen die Demeter-Akteure aus allen Regionen der Welt in der Biodynamischen Wirtschaftsweise das ganzheitliche Modell für gesellschaftlichen Wandel. Vertreter*innen von Demeter und biodynamischen Verbänden aus 23 Ländern auf fünf Kontinenten haben sich vom 13. bis zum 18. Juni in Finnland getroffen, um Strategien für die Weiterentwicklung der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu diskutieren und zu verabschieden.

Demeter steht gemeinsam mit den Ökolandbau- und Umweltbewegungen für landwirtschaftliche Prinzipien, die Lösungen für die heutigen Umweltprobleme bieten, Ökosysteme respektieren und natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen. Demeter engagiert sich zudem für einen kulturellen Wandel. Dazu gehört ein Bewusstseinswandel, verbunden  mit neuen Formen sozialer und wirtschaftlicher Kooperationen, die zu einer wirklich nachhaltigen Agrarkultur führen können, die der Menschheit dient. Als gemeinsame Basis für diese Aufgabe hat die Mitgliederversammlung ihre „Vision, Mission und Prinzipien“ verabschiedet. Das Papier beschreibt, wie Demeter-Akteure zu einer Agrarkultur beitragen wollen, die die Menschen dazu befähigt, ihr persönliches Potential und Bewusstsein voll zu entwickeln.

Die Mitglieder von Demeter International fanden zudem übereinstimmend, dass neue Gentechnologien wie CRISPR-Cas, Cisgenetics oder TALEN als Gentechnik reguliert werden müssen, da sie technische Eingriffe in Zelle und Genom sind. Diese Techniken werden seit wenigen Jahren in Bereichen der Tier- und Pflanzenzüchtung erforscht. Züchtungskonzerne wollen nun einige damit erstellte Pflanzensorten auf den Markt bringen. Organismen, die mit diesen Techniken hergestellt wurden, müssen - wie im EU-Gentechnikrecht festgelegt - einer Risikoabschätzung, Risikomanagement und Kennzeichnungspflicht unterliegen, fordert Demeter International. Auch die Rückholbarkeit aus der Umwelt müsse durch den Gesetzgeber geregelt sein. Im biologischen Anbau sind diese gentechnisch veränderten Organismen damit ausgeschlossen.

Technologien wie die neuen Gentechnikverfahren führten zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft auf Grundlage von hohem Aufwand an Chemie und Energie. Die biodynamische und ökologische Landwirtschaft und die biodynamische Pflanzenzüchtung hingegen zeichnen sich durch eine ganzheitliche Sicht auf Landwirtschaft und ihren kulturellen Kontext aus. Sie sind also wahre “Agrarkultur” im besten Sinne des Worten. Sie bieten demnach bessere Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Zukunft als vereinfachte Modelle und rein technische Ansätze. Deshalb rufen die Biodynamiker die Politiker auf, sich für Forschung und Züchtung an ganzheitlichen, nachhaltigen Agrarsystemen einzusetzen, in ökologische Pflanzenzüchtung sowie eine Ausweitung des Ökolandbaus zu investieren.

Die finnischen Kolleg*innen haben den Besucher*innen aus aller Welt bei Exkursionen vorbildliche Beispiele für biodynamische Agrarkultur präsentiert. Ari und Ira Hellstén, Gründer des Ökodorfs Kurjentila, erklärten zwischen traditionellen finnischen Rindern und jungen Gemüsepflanzen, wie ihr wachsendes Projekt Zusammenarbeit, internationalen Austausch, Stadt-Land-Beziehungen und Umweltbewusstsein in der Praxis fördert. Auch der Demeter-Hof Rekola, der bereits in den 70er Jahren von Kalervo Rekola auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umgestellt wurde, war ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung biodynamischer Prinzipien. Heutzutage kümmert sich Joona Rekola um Ackerbau und Mutterkühe, die den Sommer auf Weide und teilweise im schattigen Wald verbringen. Sein Kompagnon Henri Murto bewirtschaftet und gestaltet zwei Hektar Garten – für ihn ein Platz, um nicht nur eine breite Gemüsevielfalt anzubauen, sondern auch einen Raum für Austausch, Inspiration und Bildung zu schaffen.

Demeter International sieht optimistisch in die Zukunft. Die biodynamisch bewirtschaftete Fläche wächst weltweit. Zurzeit sind 164.000 Hektar in 52 Ländern durch Demeter zertifiziert. Die positiven Auswirkungen für die Erde, das Klima und die Ernährung der Menschheit ermutigen, weiter auf eine dynamische Entwicklung zu setzen.