Der Schlüssel zu Rohstoffsicherheit sind langfristige Partnerschaften

Kongress auf der BioFach 2015

Der Schlüssel zu Rohstoffsicherheit sind langfristige Partnerschaften

16.02.2015

Beim Kongress auf der BioFach 2015 diskutierte Demeter-Vorstand Alexander Gerber mit Demeter-Händlern und -Verarbeitern zum Thema „Rohstoffsicherheit im Spannungsfeld zwischen Regionalität und Globalisierung“. Im Mittelpunkt der Diskussion stand, wie es möglich ist die Nachfrage nach Demeter-Produkten und -Rohstoffen zu stillen und dabei den eigenen und den biodynamischen Ansprüchen gerecht zu werden.

Im Zentrum der Diskussion standen langfristige Partnerschaften, die auf die Situation des Partners eingehen und bestrebt sind akzeptable Lösungen für alle Seiten zu finden.

Volkmar Spielberger vom Demeter-Betrieb Spielberger Mühle hat sich für eine Doppelstrategie entschieden: Kompetente Beratung für die Umstellung auf biodynamisch und langfristige Partnerschaften mit Erzeugergemeinschaften – regional und international.

Spielberg sieht günstige politische Rahmenbedingungen um Landwirte zu einer Umstellung auf ökologische oder biodynamische Landwirtschaft zu motivieren. Seine Aufgabe sei,  neuen Partnern fachliche Kompetenz zur Seite zu stellen und den Landwirten langfristige Abnahmen zu garantieren – und zwar für die gesamte Menge und alle Getreidearten des Hofes. „Ein wichtiger Schritt zur Umstellung ist es den Landwirten eine wirtschaftliche Sicherheit zu bieten“, so Spielberg. Deshalb vermittelt sein Unternehmen neuen Demeter-Betrieben, die in der Regel auch Rinder halten, den Kontakt zu Molkereien, die an biodynamischer Milch interessiert sind.

Georg Kaiser, Geschäftsführer der BIO COMPANY Berlin, setzt besonders auf Regionalität. Manchmal bleiben Regale deshalb auch leer, wenn ein Produkt ausverkauft ist. Aber ewig können die Plätze im Regal nicht für die vergriffenen Produkte freigehalten werden. Hier setzt Kaiser auf Marktmechanismen. Ist ein Produkt wegen einer schlechten Ernte rar, steigt der Preis und der Landwirt muss den Ernteausfall so nicht alleine kompensieren. Der Kunde muss über solche Probleme aber informiert werden – eine wichtige Möglichkeit, die der Fachhandel bietet.

Boris Voelkel, Einkauf bei Fruchtsaftkelterei Voelkel im Wendland, bezieht bewusst Rohstoffe aus verschiedenen Regionen um das Risiko von Ernteverlusten zu verringern – gerade bei Obst und Gemüse ein Muss. Voelkel fühlt sich dem Demeter-Gedanken verpflichtet. „Wir müssen viele Prozesse besser erklären, z.B. warum samenfestes Gemüse wichtig ist. Das Gros der Verbraucher kann zwischen EU-Bio beim Discounter und Verbandsbio nicht unterscheiden. Wir müssen erklären, worin der Unterschied besteht.“

Erfolgreich ist das Konzept der Landbautage direkt bei Voelkel, wo bisherige Partner unmittelbar mit umstellungsinteressierten potentiellen neuen Partnern – also Konkurrenten – ins Gespräch kommen und Begeisterung für Demeter wecken. Er sieht viel Potential, denn Menschen sehnen sich verstärkt nach Sinnhaftigkeit.

Demeter-Vorstand Alexander Gerber bedauert, dass Rohstoffe in der gesamten Biobranche knapp sind. Gebot der Stunde sei es, gemeinsam Umsteller und Flächen zu finden. Eine enge Beziehung und Partnerschaften zwischen Umstellern und Verarbeitern nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Auch politische Rahmenbedingungen sind wichtig, Kosten der industriellen Landwirtschaft müssen in die Preise für konventionelle Produkte einberechnet werden und dürfen nicht auf die Allgemeinheit umgelegt werden.

Demeter Produkte sind im Schnitt 30% teurer, damit fairere Preise für die Demeter-Partner erreicht werden und der Mehraufwand ausgeglichen wird. Schwankungen der Preise am Markt spüren Demeter-Landwirte weniger deutlich als andere. Die Umstellung auf Demeter ist deshalb attraktiv, aber noch sind es nicht genug Landwirte. Bei 15% Marktwachstum verzeichnet der Verband 5% Flächenwachstum. Gerber spürt den wind of change und meint: der Zeitpunkt zum Umstellen auf die Biodynamische Wirtschaftsweise ist günstig.

Die Aufgabe des Demeter e.V. ist es laut Gerber Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern der „Wertschätzungskette“ herzustellen, so dass tragfähige Projekte entstehen können. In Zukunft will der Verband weiter aktiv auf Betriebe zugehen und sie zum Umstellen motivieren.

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Der Schlüssel zu Rohstoffsicherheit sind langfristige Partnerschaften
Kongress auf der BioFach 2015

Beim Kongress auf der BioFach 2015 diskutierte Demeter-Vorstand Alexander Gerber mit Demeter-Händlern und -Verarbeitern zum Thema „Rohstoffsicherheit im Spannungsfeld zwischen Regionalität und Globalisierung“. Im Mittelpunkt der Diskussion stand, wie es möglich ist die Nachfrage nach Demeter-Produkten und -Rohstoffen zu stillen und dabei den eigenen und den biodynamischen Ansprüchen gerecht zu werden.

Im Zentrum der Diskussion standen langfristige Partnerschaften, die auf die Situation des Partners eingehen und bestrebt sind akzeptable Lösungen für alle Seiten zu finden.

Volkmar Spielberger vom Demeter-Betrieb Spielberger Mühle hat sich für eine Doppelstrategie entschieden: Kompetente Beratung für die Umstellung auf biodynamisch und langfristige Partnerschaften mit Erzeugergemeinschaften – regional und international.

Spielberg sieht günstige politische Rahmenbedingungen um Landwirte zu einer Umstellung auf ökologische oder biodynamische Landwirtschaft zu motivieren. Seine Aufgabe sei,  neuen Partnern fachliche Kompetenz zur Seite zu stellen und den Landwirten langfristige Abnahmen zu garantieren – und zwar für die gesamte Menge und alle Getreidearten des Hofes. „Ein wichtiger Schritt zur Umstellung ist es den Landwirten eine wirtschaftliche Sicherheit zu bieten“, so Spielberg. Deshalb vermittelt sein Unternehmen neuen Demeter-Betrieben, die in der Regel auch Rinder halten, den Kontakt zu Molkereien, die an biodynamischer Milch interessiert sind.

Georg Kaiser, Geschäftsführer der BIO COMPANY Berlin, setzt besonders auf Regionalität. Manchmal bleiben Regale deshalb auch leer, wenn ein Produkt ausverkauft ist. Aber ewig können die Plätze im Regal nicht für die vergriffenen Produkte freigehalten werden. Hier setzt Kaiser auf Marktmechanismen. Ist ein Produkt wegen einer schlechten Ernte rar, steigt der Preis und der Landwirt muss den Ernteausfall so nicht alleine kompensieren. Der Kunde muss über solche Probleme aber informiert werden – eine wichtige Möglichkeit, die der Fachhandel bietet.

Boris Voelkel, Einkauf bei Fruchtsaftkelterei Voelkel im Wendland, bezieht bewusst Rohstoffe aus verschiedenen Regionen um das Risiko von Ernteverlusten zu verringern – gerade bei Obst und Gemüse ein Muss. Voelkel fühlt sich dem Demeter-Gedanken verpflichtet. „Wir müssen viele Prozesse besser erklären, z.B. warum samenfestes Gemüse wichtig ist. Das Gros der Verbraucher kann zwischen EU-Bio beim Discounter und Verbandsbio nicht unterscheiden. Wir müssen erklären, worin der Unterschied besteht.“

Erfolgreich ist das Konzept der Landbautage direkt bei Voelkel, wo bisherige Partner unmittelbar mit umstellungsinteressierten potentiellen neuen Partnern – also Konkurrenten – ins Gespräch kommen und Begeisterung für Demeter wecken. Er sieht viel Potential, denn Menschen sehnen sich verstärkt nach Sinnhaftigkeit.

Demeter-Vorstand Alexander Gerber bedauert, dass Rohstoffe in der gesamten Biobranche knapp sind. Gebot der Stunde sei es, gemeinsam Umsteller und Flächen zu finden. Eine enge Beziehung und Partnerschaften zwischen Umstellern und Verarbeitern nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Auch politische Rahmenbedingungen sind wichtig, Kosten der industriellen Landwirtschaft müssen in die Preise für konventionelle Produkte einberechnet werden und dürfen nicht auf die Allgemeinheit umgelegt werden.

Demeter Produkte sind im Schnitt 30% teurer, damit fairere Preise für die Demeter-Partner erreicht werden und der Mehraufwand ausgeglichen wird. Schwankungen der Preise am Markt spüren Demeter-Landwirte weniger deutlich als andere. Die Umstellung auf Demeter ist deshalb attraktiv, aber noch sind es nicht genug Landwirte. Bei 15% Marktwachstum verzeichnet der Verband 5% Flächenwachstum. Gerber spürt den wind of change und meint: der Zeitpunkt zum Umstellen auf die Biodynamische Wirtschaftsweise ist günstig.

Die Aufgabe des Demeter e.V. ist es laut Gerber Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern der „Wertschätzungskette“ herzustellen, so dass tragfähige Projekte entstehen können. In Zukunft will der Verband weiter aktiv auf Betriebe zugehen und sie zum Umstellen motivieren.