Das Ja zum Tier - von der Haltung über die Schlachtung bis zum Essen

Kongress auf der BioFach 2015

Das Ja zum Tier - von der Haltung über die Schlachtung bis zum Essen

16.02.2015
Die Gesprächspartner des BioFach-Kongress "Das Ja zum Tier"
v.l.n.r.: Carsten Bauck, Karl-Heinz Grießhaber, Renée Herrnkind und Thomas Schumacher

Im Kongress der BioFach 2015 sagten Bauer, Metzger, Fleischverkäufer „Ja“ zum Tier. Demeter-Pressesprecherin Renée Herrnkind moderierte die Veranstaltung.

Demeter-Landwirte streben nach dem Ideal eines geschlossenen Kreislaufs auf dem eigenen Hof. Die Tierhaltung, idealerweise die Rinderhaltung, ist ein essentieller Bestandteil dieses Kreislaufs. Landwirte bauen das Futter für ihre Tiere selbst an und die Tiere liefern genügend Mist um die Felder des Hofes zu düngen. Der Boden bekommt so die Nährstoffe, die er benötigt. Doch mit der Tierhaltung übernimmt der Landwirt auch die große Verantwortung das Tier sein Leben lang zu begleiten und auch über den Zeitpunkt und die Art seines Todes zu entscheiden.

Demeter- und Bioland-Metzgermeister Karl-Heinz Grießhaber fühlt sich für die ihm anvertrauten Tiere verantwortlich. Für ihn kommt es nicht in Frage ein Kalb zu schlachten, das sein Leben noch nicht gelebt hat. Außerdem sieht er sich in der Pflicht den Kunden zur Ganztierverwertung zu erziehen. Ein Tier nur wegen zwei kleiner Stücke Fleisch zu schlachten, lehnt er ab. Das führt dazu, dass seine Kunden manchmal 14 Tage auf einen Rostbraten warten muss: „Der Verbraucher ist daran gewöhnt, dass er immer alles direkt konsumieren kann“, sagt Grießhaber. „Aber wenn man Bio ernst nimmt, ist nicht immer alles verfügbar. Und die Vorfreude ist doch wichtig, auch mal auf etwas zu warten.“

Demeter-Landwirt Thomas Schumacher vom Hättelihof in Konstanz verlangt Mut zu neuen Wegen. Er hat mit 12 anderen Demeter-Höfen am Bodensee eine Erzeugergemeinschaft gegründet, um Fleisch selbst vermarkten zu können. Mit ihnen ist er im Gespräch: welche Herausforderungen müssen noch gemeistert werden, wie können wir unserer Verantwortung gerecht werden? Leben und Tod gehören zum Hofleben, trotzdem empfindet auch er den letzten Tag eines Tieres häufig als belastend. Sein Fleisch vermarktet Schuhmacher nur direkt und ist so mit den Verbrauchern ständig im Gespräch. Das ist ihm sehr wichtig: „Allein das Bio-Etikett entlastet mich als Verbraucher nicht beim Erzeuger und Verarbeiter zu fragen: Wie machst du das denn?“

Demeter-Landwirt und -Fleischverkäufer Carsten Bauck vom Bauckhof in Klein Süstedt hat sich intensiv mit der Haltung von Tieren auseinandergesetzt. Um Missstände in der Geflügelhaltung aufzuheben, gründete er die Bruderhahn-Initiative. Die Kunden zahlen für die Eier 4 Cent mehr, dafür werden die männlichen Küken als Masttiere aufgezogen. Bauck hat gute Erfahrungen gemacht: „Richtig informiert sind die Kunden bereit für ethische Prozesse mehr Geld zu bezahlen.“ Doch vegetarische Ernährungsweise machen es für Bauck schwierig den landwirtschaftlichen Organismus aufrecht zu erhalten: Denn was passiert mit den Bullenkälbern und den Bruderhähnen seiner Tiere? Die vegane Lebensweise ist für die biodynamische Idee von Landwirtschaft noch schwieriger. Für Bauck sind Rinder essentiell. Er braucht ihren Mist um seine Flächen mit Nährstoffen zu versorgen. Ohne den Mist müsste er auf Produkte aus der  Petrochemie umsteigen, biodynamische Landwirtschaft wäre nicht mehr möglich.

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Das Ja zum Tier - von der Haltung über die Schlachtung bis zum Essen
Kongress auf der BioFach 2015

Im Kongress der BioFach 2015 sagten Bauer, Metzger, Fleischverkäufer „Ja“ zum Tier. Demeter-Pressesprecherin Renée Herrnkind moderierte die Veranstaltung.

Demeter-Landwirte streben nach dem Ideal eines geschlossenen Kreislaufs auf dem eigenen Hof. Die Tierhaltung, idealerweise die Rinderhaltung, ist ein essentieller Bestandteil dieses Kreislaufs. Landwirte bauen das Futter für ihre Tiere selbst an und die Tiere liefern genügend Mist um die Felder des Hofes zu düngen. Der Boden bekommt so die Nährstoffe, die er benötigt. Doch mit der Tierhaltung übernimmt der Landwirt auch die große Verantwortung das Tier sein Leben lang zu begleiten und auch über den Zeitpunkt und die Art seines Todes zu entscheiden.

Demeter- und Bioland-Metzgermeister Karl-Heinz Grießhaber fühlt sich für die ihm anvertrauten Tiere verantwortlich. Für ihn kommt es nicht in Frage ein Kalb zu schlachten, das sein Leben noch nicht gelebt hat. Außerdem sieht er sich in der Pflicht den Kunden zur Ganztierverwertung zu erziehen. Ein Tier nur wegen zwei kleiner Stücke Fleisch zu schlachten, lehnt er ab. Das führt dazu, dass seine Kunden manchmal 14 Tage auf einen Rostbraten warten muss: „Der Verbraucher ist daran gewöhnt, dass er immer alles direkt konsumieren kann“, sagt Grießhaber. „Aber wenn man Bio ernst nimmt, ist nicht immer alles verfügbar. Und die Vorfreude ist doch wichtig, auch mal auf etwas zu warten.“

Demeter-Landwirt Thomas Schumacher vom Hättelihof in Konstanz verlangt Mut zu neuen Wegen. Er hat mit 12 anderen Demeter-Höfen am Bodensee eine Erzeugergemeinschaft gegründet, um Fleisch selbst vermarkten zu können. Mit ihnen ist er im Gespräch: welche Herausforderungen müssen noch gemeistert werden, wie können wir unserer Verantwortung gerecht werden? Leben und Tod gehören zum Hofleben, trotzdem empfindet auch er den letzten Tag eines Tieres häufig als belastend. Sein Fleisch vermarktet Schuhmacher nur direkt und ist so mit den Verbrauchern ständig im Gespräch. Das ist ihm sehr wichtig: „Allein das Bio-Etikett entlastet mich als Verbraucher nicht beim Erzeuger und Verarbeiter zu fragen: Wie machst du das denn?“

Demeter-Landwirt und -Fleischverkäufer Carsten Bauck vom Bauckhof in Klein Süstedt hat sich intensiv mit der Haltung von Tieren auseinandergesetzt. Um Missstände in der Geflügelhaltung aufzuheben, gründete er die Bruderhahn-Initiative. Die Kunden zahlen für die Eier 4 Cent mehr, dafür werden die männlichen Küken als Masttiere aufgezogen. Bauck hat gute Erfahrungen gemacht: „Richtig informiert sind die Kunden bereit für ethische Prozesse mehr Geld zu bezahlen.“ Doch vegetarische Ernährungsweise machen es für Bauck schwierig den landwirtschaftlichen Organismus aufrecht zu erhalten: Denn was passiert mit den Bullenkälbern und den Bruderhähnen seiner Tiere? Die vegane Lebensweise ist für die biodynamische Idee von Landwirtschaft noch schwieriger. Für Bauck sind Rinder essentiell. Er braucht ihren Mist um seine Flächen mit Nährstoffen zu versorgen. Ohne den Mist müsste er auf Produkte aus der  Petrochemie umsteigen, biodynamische Landwirtschaft wäre nicht mehr möglich.