Bundesregierung muss Böden und Grundwasser besser schützen

Zu viel Nitrat aus der Landwirtschaft

Bundesregierung muss Böden und Grundwasser besser schützen

04.11.2013

Anlässlich der Weltbodenwoche kommentiert der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, die Ergebnisse des Berichts der EU-Kommission zur Umsetzung der Nitratrichtlinie:

„Deutschland ist laut Bericht der EU-Kommission zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie erneut trauriges Schlusslicht. Wirksame Maßnahmen für einen effektiven Boden- und Gewässerschutz sind seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden. Die künftige Bundesregierung muss Böden und Gewässer endlich besser vor Nitrat- und Phosphat-Einträgen aus der Landwirtschaft schützen.

Vor allem zu lasche gesetzliche Vorgaben und unzureichende Kontrollen haben – insbesondere in Regionen mit großen Tierbeständen – zu hohen Umweltbelastungen geführt. Damit sich die Landwirtschaft als Hauptverursacher der Nitrateinträge nicht weiter ihrer eigenen Ressourcen beraubt, muss die neue Bundesregierung dem Schutz der Böden und Gewässer erste Priorität einräumen. Die Düngeverordnung muss so novelliert werden, dass die bisherigen Nitratüberschüsse bundesweit maximal gesenkt werden.

Alle Förderprogramme des Bundes und der Länder sollten zukünftig darauf ausgerichtet werden, nur noch eine bodengebundene Tierhaltung zu fördern, die sich strikt an den zur Verfügung stehenden Flächen orientiert. Das Leitbild für solch ein ressourcenschonendes Produktionssystem ist der Ökologische Landbau, der mittelfristig auf 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgebaut werden muss.“

Hintergrund: Bericht zur Umsetzung der Nitratrichtlinie

Mitte Oktober hat die EU-Kommission ihren Bericht zur Umsetzung der Nitratrichtlinie vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Landwirtschaft weiterhin die wichtigste Quelle für Nitratfreisetzungen in die Umwelt ist. In Bezug auf mehrere Untersuchungsgegenstände zählt Deutschland zu den Schlusslichtern: Das Grundwasser der Bundesrepublik (und Malta) weist die höchsten Nitratkonzentrationen auf mit Messwerten >50 mg/L; Deutschland (und Finnland) verfügt über eine geringe Dichte an Nitratmessstationen; die Kommission stellt das bundesdeutsche Aktionsprogramm zur Nitratbegrenzung aufgrund „der zahlreichen Ausnahmen von Sperrfristen" infrage. Hauptursache für starke Belastungen von Böden und Grundwasser sind laut Kommission „große Viehbestände, die sich an einem Ort oder in einer Region konzentrieren“. Diese stellen „eine große Gefahr für die Umwelt dar“. Grund für die hohen Nitratbelastungen in viehreichen Regionen wie u.a. in Westniedersachsen ist das Ungleichgewicht zwischen Gülleerzeugung und verfügbaren Flächen.

Hintergrund: Weltbodenwoche

Weltweit werden alljährlich 24 Millionen Tonnen Boden durch falsche Bewirtschaftung, Erosion und Versiegelung vernichtet. Mit dem Boden geht die Grundlage für die Landwirtschaft und damit die Zukunft der Ernährungssouveränität der Menschen verloren. Auf der 2. Weltbodenwoche (Global Soil Week, vom 27.-31.10. in Berlin) diskutieren Vertreter aus Wissenschaft, Politik und der Zivilgesellschaft unter dem Motto „Losing Ground“ über konkrete Ansätze zu Bodenschutz, u.a. in der Landwirtschaft. Mehr Infos unter http://globalsoilweek.org/.

04.11.2013
Bundesregierung muss Böden und Grundwasser besser schützen
Zu viel Nitrat aus der Landwirtschaft

Anlässlich der Weltbodenwoche kommentiert der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, die Ergebnisse des Berichts der EU-Kommission zur Umsetzung der Nitratrichtlinie:

„Deutschland ist laut Bericht der EU-Kommission zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie erneut trauriges Schlusslicht. Wirksame Maßnahmen für einen effektiven Boden- und Gewässerschutz sind seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden. Die künftige Bundesregierung muss Böden und Gewässer endlich besser vor Nitrat- und Phosphat-Einträgen aus der Landwirtschaft schützen.

Vor allem zu lasche gesetzliche Vorgaben und unzureichende Kontrollen haben – insbesondere in Regionen mit großen Tierbeständen – zu hohen Umweltbelastungen geführt. Damit sich die Landwirtschaft als Hauptverursacher der Nitrateinträge nicht weiter ihrer eigenen Ressourcen beraubt, muss die neue Bundesregierung dem Schutz der Böden und Gewässer erste Priorität einräumen. Die Düngeverordnung muss so novelliert werden, dass die bisherigen Nitratüberschüsse bundesweit maximal gesenkt werden.

Alle Förderprogramme des Bundes und der Länder sollten zukünftig darauf ausgerichtet werden, nur noch eine bodengebundene Tierhaltung zu fördern, die sich strikt an den zur Verfügung stehenden Flächen orientiert. Das Leitbild für solch ein ressourcenschonendes Produktionssystem ist der Ökologische Landbau, der mittelfristig auf 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgebaut werden muss.“

Hintergrund: Bericht zur Umsetzung der Nitratrichtlinie

Mitte Oktober hat die EU-Kommission ihren Bericht zur Umsetzung der Nitratrichtlinie vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Landwirtschaft weiterhin die wichtigste Quelle für Nitratfreisetzungen in die Umwelt ist. In Bezug auf mehrere Untersuchungsgegenstände zählt Deutschland zu den Schlusslichtern: Das Grundwasser der Bundesrepublik (und Malta) weist die höchsten Nitratkonzentrationen auf mit Messwerten >50 mg/L; Deutschland (und Finnland) verfügt über eine geringe Dichte an Nitratmessstationen; die Kommission stellt das bundesdeutsche Aktionsprogramm zur Nitratbegrenzung aufgrund „der zahlreichen Ausnahmen von Sperrfristen" infrage. Hauptursache für starke Belastungen von Böden und Grundwasser sind laut Kommission „große Viehbestände, die sich an einem Ort oder in einer Region konzentrieren“. Diese stellen „eine große Gefahr für die Umwelt dar“. Grund für die hohen Nitratbelastungen in viehreichen Regionen wie u.a. in Westniedersachsen ist das Ungleichgewicht zwischen Gülleerzeugung und verfügbaren Flächen.

Hintergrund: Weltbodenwoche

Weltweit werden alljährlich 24 Millionen Tonnen Boden durch falsche Bewirtschaftung, Erosion und Versiegelung vernichtet. Mit dem Boden geht die Grundlage für die Landwirtschaft und damit die Zukunft der Ernährungssouveränität der Menschen verloren. Auf der 2. Weltbodenwoche (Global Soil Week, vom 27.-31.10. in Berlin) diskutieren Vertreter aus Wissenschaft, Politik und der Zivilgesellschaft unter dem Motto „Losing Ground“ über konkrete Ansätze zu Bodenschutz, u.a. in der Landwirtschaft. Mehr Infos unter http://globalsoilweek.org/.