Demeter-Agrarkultur als Mittlerin im Dialog der Kulturen

Helmy Abouleish von SEKEM zu Gast bei Demeter in Darmstadt

Demeter-Agrarkultur als Mittlerin im Dialog der Kulturen

10.02.2016
Alexander Gerber und Helmy Abouleish
Als Symbol für die Haltung der Demeter-Akteure weltweit kann das Kuhhorn bestens dienen. Das Tier wird nicht etwa den Erfordernissen einer geradezu industriell denkenden Landwirtschaft angepasst und enthornt, sondern darf seine ebenso wichtigen wie ausdrucksstarken Hörner mit Stolz tragen. Auch darin waren sich Helmy Abouleish (rechts) von der vorbildlichen ägyptischen Initiative SEKEM und Alexander Gerber (Vorstandssprecher von Demeter Deutschland und Vize-Präsident von Demeter International) einig.

Welche Antworten kann die biodynamische Agrarkultur auf aktuelle Fragen der Gesellschaft geben? Darüber haben sich Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative, die unter anderem biodynamische Landwirtschaft betreibt, und Alexander Gerber, Vorstandssprecher des Demeter e. V. Deutschland und Vize-Präsident von Demeter International, bei einem Treffen in der Deutschland-Zentrale von Demeter in Darmstadt ausgetauscht. Angesichts von Terror, religiös motivierten Auseinandersetzungen und dramatischen Flüchtlingsbewegungen ermutigt SEKEM, den Dialog der Kulturen mit Respekt und gewinnbringend für alle Seiten zu führen.

Wie kaum eine andere Persönlichkeit verkörpert Helmy Abouleish mit der SEKEM-Initiative, die die Wüste fruchtbar gemacht hat und 35 000 Menschen sinnvolle Arbeit bietet, eine gelungene Transformation zu nachhaltiger Entwicklung und Zukunftsfähigkeit. In der Analyse war er sich mit Dr. Alexander Gerber einig: Für unsere heutige Krise sind Energiepolitik und Klimawandel wirksame Faktoren. Hinzu kommen religiöse Identitäten als Vehikel für gewalttätige Auseinandersetzungen. Durch die Arbeit der Demeter-Bäuerinnen und -Bauern auf allen Kontinenten entstehen konkrete Lösungen für die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Krisen. Eine solarbasierte, ökologische Landwirtschaft als Antwort auf die Energie- und Klimafragen und das internationale Demeter-Netzwerk mit der gelungenen Kommunikation zwischen Kulturen und Religionen könnten zum Muster werden, meinten Abouleish und Gerber bei ihrem Austausch im Ökolandbauzentrum vor den Toren der Universitätsstadt Darmstadt. Helmy Abouleish verwies darauf, wie es in SEKEM gelungen ist, Brücken zu bauen: „Die SEKEM Gemeinschaft lebt bereits seit über 38 Jahren mit dem Geist, jedem Lebewesen denselben Respekt entgegen zu bringen, jedem Menschen den Raum für individuelle Entwicklung zu geben und die Bedeutung der Natur, als die Grundlage unseres Seins, zu erkennen und entsprechend sorgsam und verantwortungsvoll mit ihr zu interagieren. Mit der Vision nachhaltige Entwicklung zu fördern konnte SEKEM zu einer erfolgreichen Initiative wachsen, die in unterschiedlichen Bereichen tätig ist. Durch nachhaltige Landwirtschaft in Kombination mit kulturellem und sozialem Engagement und einem fairen wirtschaftlichen Ansatz wird die Zukunft hoffnungsvoll. Sie ermöglicht Menschen ein Leben in Sicherheit und Gesundheit, bekämpft Armut, schafft ein angemessenes Lebensumfeld und verhindert damit Migration. Gründe die Hass, Respektlosigkeit und Ungerechtigkeit verursachen können, werden verringert. So wird Frieden möglich.“ Voraussetzungen seien neben der Offenheit für das Andere und den Anderen ein liebevolles Verständnis für individuelle Fähigkeiten, die Geduld in der Überwindung von Dogmen und Ausdauer in der Schulung auf dem Weg zum Wandel. „Dafür liefern unzählige Demeter-Projekte in ihrer jeweiligen Akzent-Setzung gute Beispiele und beste Motivation.“

Alexander Gerber sieht in der Machtpolitik des Westens, die auf die Sicherung seiner Energiequellen ausgerichtet ist, eine der Ursachen für Terror und Flüchtlingsbewegungen. „Eine Wirtschaft auf Basis regenerativer Energiequellen und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen sind daher Schlüssel für ein sicheres Morgen. Miteinander reden, statt übereinander, respektvoller Austausch über Werte und Identitäten, faire Beziehungen gestalten – überall wo das gelingt, entstehen Keimzellen für Frieden und nachhaltige Entwicklung. In der internationalen Demeter-Gemeinschaft sind das keine hehren Worte, sondern gelebte Praxis“, betonte der Vize-Präsident von Demeter International.

Der entscheidende Faktor sei dabei, dass biodynamische Landwirtschaft nie nur Bearbeitung von Boden, Entwicklung von Pflanzen und wesensgemäßen Umgang mit den Tieren bedeutet, sondern als ganzheitliche Bewegung immer eine soziale, wirtschaftliche und kulturelle Dimension mitdenkt und gestaltet. „So wird Demeter bei aller Bescheidenheit zur Inspirationsquelle für Entwicklung zum Frieden“, lautete das Fazit.

Zu Demeter

Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise. Diese älteste ökologische Form der Landbewirtschaftung geht auf Impulse von Rudolf Steiner zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts auch Waldorfpädagogik und anthroposophische Heilweise initiierte. In Deutschland wirtschaften knapp 1 500 Landwirte mit über 73 300 Hektar Fläche biologisch-dynamisch. Als internationale Bio-Marke ist Demeter auf allen Kontinenten vertreten. Von Argentinien bis Ungarn wird in rund 60 Ländern von etwa 4 900 Bauern mit rund 160 000 Hektar Fläche nach den konsequenten Demeter-Richtlinien anerkannt biologisch-dynamisch gewirtschaftet. Der weltweite Umsatz mit Demeter-Produkten wird auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.

Zu SEKEM

Die SEKEM Initiative ist ein Modell für nachhaltige Entwicklung in Ägypten. Ende der 1970er Jahre begann Dr. Ibrahim Abouleish Wüstenboden zu kultivieren und SEKEM als ganzheitliche Initiative aufzubauen, die in vier Dimensionen tätig ist: Wirtschaft und Ökologie, sowie kulturelles und soziales Leben. Aus den landwirtschaftlichen Produkten, die SEKEM unter biologisch-dynamischen Richtlinien anbaut, produzieren die SEKEM-Firmen Lebensmittel, Gesundheitsprodukte und Textilien. Von einem Teil des Profits werden verschiedene Bildungseinrichtungen finanziert, die alle auf eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung des Menschen ausgerichtet sind. Außerdem unterstützt SEKEM die eigenen Mitarbeiter und Bewohner der umliegenden Dörfer mit einem medizinischen Zentrum und bietet ein umfangreiches Angebot an kulturellen Aktivitäten. SEKEM gilt als ägyptischer „Bio-Pionier“ und wurde 2003 mit dem „Right Livelihood Award“ ausgezeichnet, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.

10.02.2016
Demeter-Agrarkultur als Mittlerin im Dialog der Kulturen
Helmy Abouleish von SEKEM zu Gast bei Demeter in Darmstadt

Welche Antworten kann die biodynamische Agrarkultur auf aktuelle Fragen der Gesellschaft geben? Darüber haben sich Helmy Abouleish, Geschäftsführer der ägyptischen SEKEM Initiative, die unter anderem biodynamische Landwirtschaft betreibt, und Alexander Gerber, Vorstandssprecher des Demeter e. V. Deutschland und Vize-Präsident von Demeter International, bei einem Treffen in der Deutschland-Zentrale von Demeter in Darmstadt ausgetauscht. Angesichts von Terror, religiös motivierten Auseinandersetzungen und dramatischen Flüchtlingsbewegungen ermutigt SEKEM, den Dialog der Kulturen mit Respekt und gewinnbringend für alle Seiten zu führen.

Wie kaum eine andere Persönlichkeit verkörpert Helmy Abouleish mit der SEKEM-Initiative, die die Wüste fruchtbar gemacht hat und 35 000 Menschen sinnvolle Arbeit bietet, eine gelungene Transformation zu nachhaltiger Entwicklung und Zukunftsfähigkeit. In der Analyse war er sich mit Dr. Alexander Gerber einig: Für unsere heutige Krise sind Energiepolitik und Klimawandel wirksame Faktoren. Hinzu kommen religiöse Identitäten als Vehikel für gewalttätige Auseinandersetzungen. Durch die Arbeit der Demeter-Bäuerinnen und -Bauern auf allen Kontinenten entstehen konkrete Lösungen für die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Krisen. Eine solarbasierte, ökologische Landwirtschaft als Antwort auf die Energie- und Klimafragen und das internationale Demeter-Netzwerk mit der gelungenen Kommunikation zwischen Kulturen und Religionen könnten zum Muster werden, meinten Abouleish und Gerber bei ihrem Austausch im Ökolandbauzentrum vor den Toren der Universitätsstadt Darmstadt. Helmy Abouleish verwies darauf, wie es in SEKEM gelungen ist, Brücken zu bauen: „Die SEKEM Gemeinschaft lebt bereits seit über 38 Jahren mit dem Geist, jedem Lebewesen denselben Respekt entgegen zu bringen, jedem Menschen den Raum für individuelle Entwicklung zu geben und die Bedeutung der Natur, als die Grundlage unseres Seins, zu erkennen und entsprechend sorgsam und verantwortungsvoll mit ihr zu interagieren. Mit der Vision nachhaltige Entwicklung zu fördern konnte SEKEM zu einer erfolgreichen Initiative wachsen, die in unterschiedlichen Bereichen tätig ist. Durch nachhaltige Landwirtschaft in Kombination mit kulturellem und sozialem Engagement und einem fairen wirtschaftlichen Ansatz wird die Zukunft hoffnungsvoll. Sie ermöglicht Menschen ein Leben in Sicherheit und Gesundheit, bekämpft Armut, schafft ein angemessenes Lebensumfeld und verhindert damit Migration. Gründe die Hass, Respektlosigkeit und Ungerechtigkeit verursachen können, werden verringert. So wird Frieden möglich.“ Voraussetzungen seien neben der Offenheit für das Andere und den Anderen ein liebevolles Verständnis für individuelle Fähigkeiten, die Geduld in der Überwindung von Dogmen und Ausdauer in der Schulung auf dem Weg zum Wandel. „Dafür liefern unzählige Demeter-Projekte in ihrer jeweiligen Akzent-Setzung gute Beispiele und beste Motivation.“

Alexander Gerber sieht in der Machtpolitik des Westens, die auf die Sicherung seiner Energiequellen ausgerichtet ist, eine der Ursachen für Terror und Flüchtlingsbewegungen. „Eine Wirtschaft auf Basis regenerativer Energiequellen und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen sind daher Schlüssel für ein sicheres Morgen. Miteinander reden, statt übereinander, respektvoller Austausch über Werte und Identitäten, faire Beziehungen gestalten – überall wo das gelingt, entstehen Keimzellen für Frieden und nachhaltige Entwicklung. In der internationalen Demeter-Gemeinschaft sind das keine hehren Worte, sondern gelebte Praxis“, betonte der Vize-Präsident von Demeter International.

Der entscheidende Faktor sei dabei, dass biodynamische Landwirtschaft nie nur Bearbeitung von Boden, Entwicklung von Pflanzen und wesensgemäßen Umgang mit den Tieren bedeutet, sondern als ganzheitliche Bewegung immer eine soziale, wirtschaftliche und kulturelle Dimension mitdenkt und gestaltet. „So wird Demeter bei aller Bescheidenheit zur Inspirationsquelle für Entwicklung zum Frieden“, lautete das Fazit.

Zu Demeter

Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise. Diese älteste ökologische Form der Landbewirtschaftung geht auf Impulse von Rudolf Steiner zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts auch Waldorfpädagogik und anthroposophische Heilweise initiierte. In Deutschland wirtschaften knapp 1 500 Landwirte mit über 73 300 Hektar Fläche biologisch-dynamisch. Als internationale Bio-Marke ist Demeter auf allen Kontinenten vertreten. Von Argentinien bis Ungarn wird in rund 60 Ländern von etwa 4 900 Bauern mit rund 160 000 Hektar Fläche nach den konsequenten Demeter-Richtlinien anerkannt biologisch-dynamisch gewirtschaftet. Der weltweite Umsatz mit Demeter-Produkten wird auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.

Zu SEKEM

Die SEKEM Initiative ist ein Modell für nachhaltige Entwicklung in Ägypten. Ende der 1970er Jahre begann Dr. Ibrahim Abouleish Wüstenboden zu kultivieren und SEKEM als ganzheitliche Initiative aufzubauen, die in vier Dimensionen tätig ist: Wirtschaft und Ökologie, sowie kulturelles und soziales Leben. Aus den landwirtschaftlichen Produkten, die SEKEM unter biologisch-dynamischen Richtlinien anbaut, produzieren die SEKEM-Firmen Lebensmittel, Gesundheitsprodukte und Textilien. Von einem Teil des Profits werden verschiedene Bildungseinrichtungen finanziert, die alle auf eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung des Menschen ausgerichtet sind. Außerdem unterstützt SEKEM die eigenen Mitarbeiter und Bewohner der umliegenden Dörfer mit einem medizinischen Zentrum und bietet ein umfangreiches Angebot an kulturellen Aktivitäten. SEKEM gilt als ägyptischer „Bio-Pionier“ und wurde 2003 mit dem „Right Livelihood Award“ ausgezeichnet, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.