Praxisnahe Einsichten in biologisch-dynamische Gemüsezüchtung

Züchtungs- und Sortentag in Demeter Gärtnerei Piluweri

Praxisnahe Einsichten in biologisch-dynamische Gemüsezüchtung

10.09.2013

Etwa 80 Menschen - darunter auch Vertreter des Naturkostgroßhandels, der Ökogemüsebauberatung und der Lokalpresse - folgten der Einladung von Kultursaat und Bingenheimer Saatgut. Dieses Jahr fand der Züchtungs- und Sortentag bei Piluweri in Müllheim-Hügelheim (nahe Freiburg) statt. Bei bestem Sommerwetter konnten sich die Besucher ein umfassendes Bild von ökologischer Saatgutarbeit und biologisch-dynamischer Gemüsezüchtung machen. Das engagierte Gärtnerei-Team präsentierte professionell geführte Bestände in Freiland, Gewächshäusern und Folientunneln.

Im Unterglasanbau werden bei Piluweri seit 2006 sämtlich eigene Züchtungen angebaut; mittlerweile sind daraus die beiden behördlich zugelassenen Kultursaat-Sorten ‘Pilu‘ und ‘Tica‘ entstanden. „Während ‘Pilu‘ etwas weichere Früchte bringt, hat ‘Tica‘ eine festere Schale, ist auch für Ernte im Tross geeignet und kann notfalls auch mal etwas länger bis zur Ernte hängen bleiben, ohne zu platzen. Geschmacklich haben beide Sorten ihre Liebhaber“, berichtet Richard SPECHT, der den Tomatenanbau bei Piluweri verantwortet und die Sorten im langjährigen Prozess der on-farm Selektion entwickelt hat. Visuell und geschmacklich beeindruckend waren auch Gurke ‘Arola‘, Paprika ‘Pantos‘ und eine Auberginen-Neuzüchtung (KS-AUB-PLW-FLC 3), die sich aktuell in Registerprüfung befindet.

Wie im geschützten Anbau gab es auch im Freiland diverse „Highlights“. „Bei Salaten ist Falscher Mehltau seit vielen Jahren eine große Herausforderung, besonders im Spätsommer und Herbst. Dabei sind Vollresistenzen allerdings keine Garantie für Befallsfreiheit,“ weiß Matthias LUDWIG (Piluweri) zu berichten. „Die Resistenzen der von den konventionellen Züchterhäusern entwickelten Sorten werden meist nach etwa drei, vier Jahren wieder durchbrochen, und dann geht es wieder von vorne los“, so der Gärtnermeister weiter. Folgerichtig ist Piluweri an Forschungsprojekten des Julius-Kühn Instituts (JKI) zur Untersuchung des Erregers (Bremia lactucae) und Entwicklung von Lösungsstrategien beteiligt…

Die anwesenden Praktiker waren auch von der Zucchini-Neuzüchtung KS-HB-KUP-Z 1 (‘Zerafina‘) überzeugt: Offener Wuchs, schöne Fruchtform und –farbe, gute Brechbarkeit. Kaum eine andere Gemüseart ist derart von Hybriden dominiert wie die Zucchini. Entsprechend schwierig gestaltet sich die behördliche Seite bei der Einführung der Zucchini-Neuzüchtung. Christine NAGEL (Kultursaat) zu den Anmeldeschwierigkeiten: „Das Bundessortenamt und die Prüfstelle in Frankreich setzen für unsere Kandidaten die gleichen Maßstäbe wie für Hybridsorten. Das geht leider sogar soweit, dass die Einheitlichkeit der Größe der Punkte auf der Schale bewertet wird - als ob das für den Anbau relevant wäre!“

Beim ersten samenfesten extrasüßen Zuckermais meint Petra BOIE (Bingenheimer Saatgut): „Dieser Mais ist eine Sensation. Lange galt: süßer Mais muss Hybrid-Mais sein. Von wegen, die drei Kultursaat-Sorten ‘Damaun‘, ‘Mezdi‘ und ‘Tramunt‘ beweisen das Gegenteil!“

10.09.2013
Praxisnahe Einsichten in biologisch-dynamische Gemüsezüchtung
Züchtungs- und Sortentag in Demeter Gärtnerei Piluweri

Etwa 80 Menschen - darunter auch Vertreter des Naturkostgroßhandels, der Ökogemüsebauberatung und der Lokalpresse - folgten der Einladung von Kultursaat und Bingenheimer Saatgut. Dieses Jahr fand der Züchtungs- und Sortentag bei Piluweri in Müllheim-Hügelheim (nahe Freiburg) statt. Bei bestem Sommerwetter konnten sich die Besucher ein umfassendes Bild von ökologischer Saatgutarbeit und biologisch-dynamischer Gemüsezüchtung machen. Das engagierte Gärtnerei-Team präsentierte professionell geführte Bestände in Freiland, Gewächshäusern und Folientunneln.

Im Unterglasanbau werden bei Piluweri seit 2006 sämtlich eigene Züchtungen angebaut; mittlerweile sind daraus die beiden behördlich zugelassenen Kultursaat-Sorten ‘Pilu‘ und ‘Tica‘ entstanden. „Während ‘Pilu‘ etwas weichere Früchte bringt, hat ‘Tica‘ eine festere Schale, ist auch für Ernte im Tross geeignet und kann notfalls auch mal etwas länger bis zur Ernte hängen bleiben, ohne zu platzen. Geschmacklich haben beide Sorten ihre Liebhaber“, berichtet Richard SPECHT, der den Tomatenanbau bei Piluweri verantwortet und die Sorten im langjährigen Prozess der on-farm Selektion entwickelt hat. Visuell und geschmacklich beeindruckend waren auch Gurke ‘Arola‘, Paprika ‘Pantos‘ und eine Auberginen-Neuzüchtung (KS-AUB-PLW-FLC 3), die sich aktuell in Registerprüfung befindet.

Wie im geschützten Anbau gab es auch im Freiland diverse „Highlights“. „Bei Salaten ist Falscher Mehltau seit vielen Jahren eine große Herausforderung, besonders im Spätsommer und Herbst. Dabei sind Vollresistenzen allerdings keine Garantie für Befallsfreiheit,“ weiß Matthias LUDWIG (Piluweri) zu berichten. „Die Resistenzen der von den konventionellen Züchterhäusern entwickelten Sorten werden meist nach etwa drei, vier Jahren wieder durchbrochen, und dann geht es wieder von vorne los“, so der Gärtnermeister weiter. Folgerichtig ist Piluweri an Forschungsprojekten des Julius-Kühn Instituts (JKI) zur Untersuchung des Erregers (Bremia lactucae) und Entwicklung von Lösungsstrategien beteiligt…

Die anwesenden Praktiker waren auch von der Zucchini-Neuzüchtung KS-HB-KUP-Z 1 (‘Zerafina‘) überzeugt: Offener Wuchs, schöne Fruchtform und –farbe, gute Brechbarkeit. Kaum eine andere Gemüseart ist derart von Hybriden dominiert wie die Zucchini. Entsprechend schwierig gestaltet sich die behördliche Seite bei der Einführung der Zucchini-Neuzüchtung. Christine NAGEL (Kultursaat) zu den Anmeldeschwierigkeiten: „Das Bundessortenamt und die Prüfstelle in Frankreich setzen für unsere Kandidaten die gleichen Maßstäbe wie für Hybridsorten. Das geht leider sogar soweit, dass die Einheitlichkeit der Größe der Punkte auf der Schale bewertet wird - als ob das für den Anbau relevant wäre!“

Beim ersten samenfesten extrasüßen Zuckermais meint Petra BOIE (Bingenheimer Saatgut): „Dieser Mais ist eine Sensation. Lange galt: süßer Mais muss Hybrid-Mais sein. Von wegen, die drei Kultursaat-Sorten ‘Damaun‘, ‘Mezdi‘ und ‘Tramunt‘ beweisen das Gegenteil!“