Landwirtschaftsminister Bonde besucht preisgekrönte Imkerei von Mellifera e. V.

Politik zeigt Interesse an an wesensgemäßer Imkerei

Landwirtschaftsminister Bonde besucht preisgekrönte Imkerei von Mellifera e. V.

13.06.2013
Ein Glas Demeter-Honig zum Abschied für den Landwirtschaftsminister. Das Foto zeigt (v. l. n. r.) Holger Loritz, Thomas Radetzki und Minister Bonde vor dem Imkereigebäude.
Ein Glas Demeter-Honig zum Abschied für den Landwirtschaftsminister. Das Foto zeigt (v. l. n. r.) Holger Loritz, Thomas Radetzki und Minister Bonde vor dem Imkereigebäude.

Hoher Besuch vergangenen Samstag bei der Imkerei Fischermühle des Imkerverbands Mellifera e. V.: Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Alexander Bonde war gekommen, um zum Förderpreis ökologischer Landbau zu gratulieren. Damit waren die Pioniere für wesensgemäße Bienenhaltung im Januar von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Internationalen Grünen Woche ausgezeichnet worden. Der Minister wollte sich nun auch persönlich darüber informieren, was denn an der wesensgemäßen Imkerei so besonders und preiswürdig ist.

„Über viele Millionen Jahre haben Bienen ihre Waben selbst gebaut, Honig und Pollen darin gelagert und ihre Brut in den Wabenzellen großgezogen“, erläuterte Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki dem interessierten Gast. „Vor etwa hundert Jahren wollte dann der Mensch den Honigertrag steigern. Seither werden die Naturwaben durch standardisierte Kunstwaben aus altem Wachs ersetzt, die Königin wird alle zwei Jahre ausgetauscht, und der Schwarmtrieb, mit dem sich Bienenvölker natürlicherweise vermehren, wird konsequent unterdrückt.“

Der Wunsch, eine andere Form der Bienenhaltung zu finden, die von Respekt vor dem Bienenvolk und seinen natürlichen Bedürfnissen geprägt ist, führte vor mittlerweile 28 Jahren zur Gründung von Mellifera e. V.

und der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle. Dabei wurde echte Pionierarbeit geleistet, denn es gab keinerlei Vorbilder und Erfahrungen. So mussten immer wieder auch Rückschläge hingenommen werden. Heute ist das Arbeiten mit Naturwabenbau in mobilen Rahmen für wesensgemäß arbeitende Imker selbstverständlich. Auch wurden Wege gefunden, wie man den Schwarmtrieb zur Völkervermehrung und züchterischen Selektion nutzen kann, ohne dass die Bienenschwärme auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Nach soviel, wenn auch spannender, Theorie folgte natürlich auch noch ein Praxisteil für den Minister, der vor allem über die frisch gebauten Naturwaben staunte. Die zeigten sich nämlich nicht wie erwartet gelb, sondern cremeweiß und so fein, dass das Licht durchgeschimmert hätte - wenn sich die Sonne hätte blicken lassen. Durch das schlechte Wetter in diesem Frühjahr seien die Bienen stark beeinträchtigt, erklärte Thomas Radetzki. „Die Völker sind in der Entwicklung ziemlich zurück.“ Und Remigius Binder, der eigens zum Ministerbesuch angereiste Bienenfachberater des Regierungspräsidiums Tübingen, ergänzte, die Frühtracht - also der Frühjahrshonig – falle wohl im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Am Wetter kann auch ein Landwirtschaftsminister nichts ändern. An anderen Problemen, mit denen Bienen heutzutage zu kämpfen haben, dagegen schon. Deshalb nutzte der Leiter des von Mellifera e. V. gegründeten „Netzwerks Blühende Landschaft“, Holger Loritz, die Gelegenheit, den Minister auch auf die Belastungen durch Blütenmangel, Monokulturen und Pestizide in der modernen Landwirtschaft anzusprechen.

Dabei stieß er auf offene Ohren. „Hier muss dringend gehandelt werden, um dem täglichen Verlust von Biodiversität Einhalt zu gebieten“, so der Politiker. Die aktuelle EU-Agrarreform müsse sich hieran orientieren.

Eine Frage hatte der Minister noch zum Schluss: „Wie weit verbreitet ist denn die wesensgemäße Imkerei inzwischen in Deutschland?“ Ganz genau konnte das auch Thomas Radetzki nicht beantworten. Es sei jedoch erfreulicherweise so, dass immer mehr Menschen im In- und Ausland das Bedürfnis hätten, etwas für die Bienen zu tun. Gerade für jüngere, ökologisch interessierte Menschen sei der Honigertrag dabei eher zweitrangig. Doch auch professionelle Imker würden zunehmend umdenken.

Das wachsende Interesse zeige sich u. a. daran, dass die von Mellifera e. V. bundesweit angebotenen Seminare regelmäßig ausgebucht seien. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir aufgrund unserer jahrzehntelangen Arbeit mit 150 Völkern verschiedene, in der Praxis erprobte Betriebsweisen anbieten können. So findet jeder etwas, das zu ihm passt – egal, ob Hobbyimker oder Erwerbsimker.“ Dass die spezielle Form der Bienenhaltung auch auf andere Imkereien übertragbar ist, sei im Übrigen auch eine wesentliche Voraussetzung für die Verleihung des Förderpreises gewesen.

Es könnte sein, dass dem Minister nach dem Besuch der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle der Kopf ähnlich gebrummt hat wie ein Bienenschwarm. Aber er zeigte sich erfreut, einen so tiefen und informativen Einblick in die Welt der Bienen bekommen zu haben. „Bienen sind für die Landwirtschaft unverzichtbar, und deshalb hat eine besonders nachhaltige Form der Bienenhaltung einen so hohen Stellenwert“, meinte er. „Wir sollten viel mehr über sie erfahren!“

 

13.06.2013
Landwirtschaftsminister Bonde besucht preisgekrönte Imkerei von Mellifera e. V.
Politik zeigt Interesse an an wesensgemäßer Imkerei

Hoher Besuch vergangenen Samstag bei der Imkerei Fischermühle des Imkerverbands Mellifera e. V.: Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Alexander Bonde war gekommen, um zum Förderpreis ökologischer Landbau zu gratulieren. Damit waren die Pioniere für wesensgemäße Bienenhaltung im Januar von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Internationalen Grünen Woche ausgezeichnet worden. Der Minister wollte sich nun auch persönlich darüber informieren, was denn an der wesensgemäßen Imkerei so besonders und preiswürdig ist.

„Über viele Millionen Jahre haben Bienen ihre Waben selbst gebaut, Honig und Pollen darin gelagert und ihre Brut in den Wabenzellen großgezogen“, erläuterte Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki dem interessierten Gast. „Vor etwa hundert Jahren wollte dann der Mensch den Honigertrag steigern. Seither werden die Naturwaben durch standardisierte Kunstwaben aus altem Wachs ersetzt, die Königin wird alle zwei Jahre ausgetauscht, und der Schwarmtrieb, mit dem sich Bienenvölker natürlicherweise vermehren, wird konsequent unterdrückt.“

Der Wunsch, eine andere Form der Bienenhaltung zu finden, die von Respekt vor dem Bienenvolk und seinen natürlichen Bedürfnissen geprägt ist, führte vor mittlerweile 28 Jahren zur Gründung von Mellifera e. V.

und der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle. Dabei wurde echte Pionierarbeit geleistet, denn es gab keinerlei Vorbilder und Erfahrungen. So mussten immer wieder auch Rückschläge hingenommen werden. Heute ist das Arbeiten mit Naturwabenbau in mobilen Rahmen für wesensgemäß arbeitende Imker selbstverständlich. Auch wurden Wege gefunden, wie man den Schwarmtrieb zur Völkervermehrung und züchterischen Selektion nutzen kann, ohne dass die Bienenschwärme auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Nach soviel, wenn auch spannender, Theorie folgte natürlich auch noch ein Praxisteil für den Minister, der vor allem über die frisch gebauten Naturwaben staunte. Die zeigten sich nämlich nicht wie erwartet gelb, sondern cremeweiß und so fein, dass das Licht durchgeschimmert hätte - wenn sich die Sonne hätte blicken lassen. Durch das schlechte Wetter in diesem Frühjahr seien die Bienen stark beeinträchtigt, erklärte Thomas Radetzki. „Die Völker sind in der Entwicklung ziemlich zurück.“ Und Remigius Binder, der eigens zum Ministerbesuch angereiste Bienenfachberater des Regierungspräsidiums Tübingen, ergänzte, die Frühtracht - also der Frühjahrshonig – falle wohl im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Am Wetter kann auch ein Landwirtschaftsminister nichts ändern. An anderen Problemen, mit denen Bienen heutzutage zu kämpfen haben, dagegen schon. Deshalb nutzte der Leiter des von Mellifera e. V. gegründeten „Netzwerks Blühende Landschaft“, Holger Loritz, die Gelegenheit, den Minister auch auf die Belastungen durch Blütenmangel, Monokulturen und Pestizide in der modernen Landwirtschaft anzusprechen.

Dabei stieß er auf offene Ohren. „Hier muss dringend gehandelt werden, um dem täglichen Verlust von Biodiversität Einhalt zu gebieten“, so der Politiker. Die aktuelle EU-Agrarreform müsse sich hieran orientieren.

Eine Frage hatte der Minister noch zum Schluss: „Wie weit verbreitet ist denn die wesensgemäße Imkerei inzwischen in Deutschland?“ Ganz genau konnte das auch Thomas Radetzki nicht beantworten. Es sei jedoch erfreulicherweise so, dass immer mehr Menschen im In- und Ausland das Bedürfnis hätten, etwas für die Bienen zu tun. Gerade für jüngere, ökologisch interessierte Menschen sei der Honigertrag dabei eher zweitrangig. Doch auch professionelle Imker würden zunehmend umdenken.

Das wachsende Interesse zeige sich u. a. daran, dass die von Mellifera e. V. bundesweit angebotenen Seminare regelmäßig ausgebucht seien. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir aufgrund unserer jahrzehntelangen Arbeit mit 150 Völkern verschiedene, in der Praxis erprobte Betriebsweisen anbieten können. So findet jeder etwas, das zu ihm passt – egal, ob Hobbyimker oder Erwerbsimker.“ Dass die spezielle Form der Bienenhaltung auch auf andere Imkereien übertragbar ist, sei im Übrigen auch eine wesentliche Voraussetzung für die Verleihung des Förderpreises gewesen.

Es könnte sein, dass dem Minister nach dem Besuch der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle der Kopf ähnlich gebrummt hat wie ein Bienenschwarm. Aber er zeigte sich erfreut, einen so tiefen und informativen Einblick in die Welt der Bienen bekommen zu haben. „Bienen sind für die Landwirtschaft unverzichtbar, und deshalb hat eine besonders nachhaltige Form der Bienenhaltung einen so hohen Stellenwert“, meinte er. „Wir sollten viel mehr über sie erfahren!“