Marktversagen: Nutzung von Boden und Wasser muss ehrlichen Preis bekommen

BÖLW und Experten der Energie- und Wasserwirtschaft fordern Einführung einer Pestizid- und Stickstoffabgabe, um Marktversagen zu beheben

Marktversagen: Nutzung von Boden und Wasser muss ehrlichen Preis bekommen

26.01.2015
Peter Röhrig und Anselm Görres
Volkswirt Anselm Görres (rechts) mit BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig (Foto: BÖLW)

Am Tag des Ökologischen Landbaus des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zu dessen Gründungsmitgliedern Demeter zählt, auf der Grünen Woche zum Thema „Bio ist günstiger – für alle!“ diskutierten Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion.

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft schilderte den hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um das geförderte Grundwasser von Pestiziden und Nitrat zu reinigen. Laut Weyand wäre richtige Weg, dafür zu sorgen, dass schädliche Stoffe gar nicht erst in unser Wasser gelängen. Dafür müsse nicht nur das Verursacher- sondern auch das Vorsorgeprinzip angewendet werden – es brauche dringend eine Agrarwende.

In dieselbe Kerbe schlug Volkswirt Anselm Görres, Vorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Für Görres zeigt die Erfahrung aus 200 Jahren sozialer Marktwirtschaft, dass es Gesetze brauche, damit sie funktioniert. Diese Gesetze müssten dafür sorgen, dass Preise die Wahrheit sprechen – ökologisch und sozial. Sonst könnten sie ihre Steuerungswirkung nicht entfalten.

BÖLW-Vorstand Jan Plagge präzisierte: „Abgaben auf den Einsatz von Pestiziden und den umweltschädlichen Stickstoff-Überschuss sind Instrumente, mit denen einfach und wirksam das Marktversagen behoben werden kann, dass entsteht, wenn öffentliche Güter wie Boden, Artenvielfalt, Klima oder Grundwasser geschädigt werden können, ohne dass die dabei entstehenden Kosten sich im Preis der Produkte wiederfinden.“

Jenny Teufel vom Öko-Institut stellte die Ergebnisse der Studie „Ist gutes Essen wirklich teuer?“ vor, in der diese „externen Kosten“ am Beispiel der Lebensmittelproduktion detailliert hergeleitet und quantifiziert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Bio nicht teurer ist als der Kunde an der Kasse dafür bezahlt. Die Preise für konventionell produzierte Lebensmittel hingegen sprechen nicht die Wahrheit – wenn man die externen Kosten mit einrechnet. Gleichzeitig machte Teufel deutlich, dass eine an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientierte, fleischreduzierte Bio-Ernährung kaum mehr kostet als der übliche Lebensmitteleinkauf; pro Person und Jahr müsse der Kunde nur 81 Euro mehr für ökologisch produzierte Lebensmittel berappen.

Alexander Beck, Vorstand des BÖLW, brachte in seinem Schlusswort die politischen Forderungen der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft auf den Punkt: „Preise müssen die soziale und ökologische Wahrheit sagen, damit diese ihre wirtschaftliche Steuerungsfunktion erfüllen. Der BÖLW fordert deshalb ein ganzes Maßnahmenbündel: Fiskalische Instrumente wie etwa eine Pestizid und Stickstoffabgabe. Funktionale Gestaltung von Naturschutzrecht und Landwirtschaftlichem Fachrecht. Durchsetzung von Haftungsregeln, die Bevorzugung bei öffentlichen Aufträgen von Unternehmen mit Umweltbilanzierungssystemen sowie die ausschließliche Orientierung der Agrarförderung an ökologischen und sozialen Leistungen. Das sind taugliche Elemente, welche die Transformation des gesamten Agrar- und Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit einleiten.“

Im BÖLW-Papier „100% Bio – jetzt! 5 Thesen zur Ernährungswende“ sind diese und weitere notwendige Maßnahmen für eine Transformation ausführlich dargestellt, s. http://www.boelw.de/ernaehrungswende0.html

Tags: 
BÖLW
Kosten
Lebensmittelproduktion
Marktversagen: Nutzung von Boden und Wasser muss ehrlichen Preis bekommen
BÖLW und Experten der Energie- und Wasserwirtschaft fordern Einführung einer Pestizid- und Stickstoffabgabe, um Marktversagen zu beheben

Am Tag des Ökologischen Landbaus des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zu dessen Gründungsmitgliedern Demeter zählt, auf der Grünen Woche zum Thema „Bio ist günstiger – für alle!“ diskutierten Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion.

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft schilderte den hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um das geförderte Grundwasser von Pestiziden und Nitrat zu reinigen. Laut Weyand wäre richtige Weg, dafür zu sorgen, dass schädliche Stoffe gar nicht erst in unser Wasser gelängen. Dafür müsse nicht nur das Verursacher- sondern auch das Vorsorgeprinzip angewendet werden – es brauche dringend eine Agrarwende.

In dieselbe Kerbe schlug Volkswirt Anselm Görres, Vorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Für Görres zeigt die Erfahrung aus 200 Jahren sozialer Marktwirtschaft, dass es Gesetze brauche, damit sie funktioniert. Diese Gesetze müssten dafür sorgen, dass Preise die Wahrheit sprechen – ökologisch und sozial. Sonst könnten sie ihre Steuerungswirkung nicht entfalten.

BÖLW-Vorstand Jan Plagge präzisierte: „Abgaben auf den Einsatz von Pestiziden und den umweltschädlichen Stickstoff-Überschuss sind Instrumente, mit denen einfach und wirksam das Marktversagen behoben werden kann, dass entsteht, wenn öffentliche Güter wie Boden, Artenvielfalt, Klima oder Grundwasser geschädigt werden können, ohne dass die dabei entstehenden Kosten sich im Preis der Produkte wiederfinden.“

Jenny Teufel vom Öko-Institut stellte die Ergebnisse der Studie „Ist gutes Essen wirklich teuer?“ vor, in der diese „externen Kosten“ am Beispiel der Lebensmittelproduktion detailliert hergeleitet und quantifiziert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Bio nicht teurer ist als der Kunde an der Kasse dafür bezahlt. Die Preise für konventionell produzierte Lebensmittel hingegen sprechen nicht die Wahrheit – wenn man die externen Kosten mit einrechnet. Gleichzeitig machte Teufel deutlich, dass eine an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientierte, fleischreduzierte Bio-Ernährung kaum mehr kostet als der übliche Lebensmitteleinkauf; pro Person und Jahr müsse der Kunde nur 81 Euro mehr für ökologisch produzierte Lebensmittel berappen.

Alexander Beck, Vorstand des BÖLW, brachte in seinem Schlusswort die politischen Forderungen der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft auf den Punkt: „Preise müssen die soziale und ökologische Wahrheit sagen, damit diese ihre wirtschaftliche Steuerungsfunktion erfüllen. Der BÖLW fordert deshalb ein ganzes Maßnahmenbündel: Fiskalische Instrumente wie etwa eine Pestizid und Stickstoffabgabe. Funktionale Gestaltung von Naturschutzrecht und Landwirtschaftlichem Fachrecht. Durchsetzung von Haftungsregeln, die Bevorzugung bei öffentlichen Aufträgen von Unternehmen mit Umweltbilanzierungssystemen sowie die ausschließliche Orientierung der Agrarförderung an ökologischen und sozialen Leistungen. Das sind taugliche Elemente, welche die Transformation des gesamten Agrar- und Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit einleiten.“

Im BÖLW-Papier „100% Bio – jetzt! 5 Thesen zur Ernährungswende“ sind diese und weitere notwendige Maßnahmen für eine Transformation ausführlich dargestellt, s. http://www.boelw.de/ernaehrungswende0.html