Umstellen auf biodynamischen Weinbau - Weingut Odinstal

Ein Erfahrungsbericht

Umstellen auf biodynamischen Weinbau - Weingut Odinstal

30.01.2013
Richard Grosche

Vor der Umstellung auf biodynamischen Weinbau vergehen meistens ein paar Monate oder Jahre des vorsichtigen Betrachtens der biodynamischen Wirtschaftsweise. Was von den kursierenden Gerüchten über die Biodynamik stimmt wirklich– und welche Gerüchte müssen geprüft werden damit sie anschließend aus dem Weg geräumt werden können.

 

Schlüsselerlebnis Präparateeinsatz

Für Andreas Schumann, Betriebsleiter auf dem Weingut Odinstal, hat sich die intensive Auseinandersetzung mit der Biodynamik für ihn selbst aus einer Krise heraus ergeben. 2006 kam es zum Hagel auf dem Weingut Odinstal und fast die komplette Laubwand der Reben wurde zerstört. Auf Empfehlung von Georg Meißner brachte er das Hornmist-Präparat und Brennnesseljauche  direkt nach dem Hagel auf die zerfetzte Laubwand aus und konnte damit immerhin 30% des Ertrages sichern. Für Andreas Schumann war die Wirkung der Brennnessel nach dieser Auseinandersetzung klar: „So wie die Brennnessel auch auf uns wirkt, die Durchblutung fördert und das Wasser entzieht, so entzieht sie auch der Pflanze das überflüssige Wasser und ermöglichte in diesem Fall die schnelle Regeneration der Rebe und Laubwand“.
Nach diesem Erlebnis entstanden immer intensivere Auseinandersetzung mit den Wirkungsweisen und Zusammenhängen der Tees und Präparate im Weinbau. Das jährliche Fortbildungsseminar in St. Ullrich und Vorträge von Manfred Klett und Nikolai Fuchs gaben hier weitere Impulse und Anregungen in der Umstellungszeit, warfen aber gleichzeitig viele weitere Fragen und Anregungen, wie Beispielsweise das Bild des geschlossenen Betriebskreislaufes, auf.
 

Kompost und Kooperation beim Vieh

Im Jahr 2007/2008 startete das Weingut mit seinem eigenen Kompost. Um dem Bild des Betriebskreislaufs und der -entwicklung in der Monokultur Wein näher zu kommen entstand eine Kooperation mit einem ortsansässigen Landwirt. Fünf Charollais-Rindern, zum Teil trächtig und zusammen mit einem Bullen, mit ihren Kälbern, kommen seit dem über den Sommer auf die Weiden und beleben die 4ha Dauergründland in der arrondierten Fläche des Weingutes. Ergänzend zu den Rindern beleben 7 Bienenvölker diese ökologische Nische und bringen ein weiteres tierisches Element mit hinzu.       
Die Kooperation zwischen Landwirt und Winzer trägt heute schon Früchte. Für das Weingut, die Mitarbeiter und die Landschaft stellen die Kühe und Kälber eine Bereicherung dar – für den Landwirt ist die gemeinsame Vermarktung von Wein und Fleisch durch das Weingut eine gelungene Ergänzung. „Wir beliefern mit unseren Weinen auch die gehobene Gastronomie. Hier wird das Fleisch von den Rindern vom Weingut sehr gerne mit aufgenommen und den Gästen zusammen mit den eigenen Weinen präsentiert. Durch den eingeschränkten Verkauf von Rinderhälften oder ganzen Tieren animieren wir  die Gastronomen zur Ganztierverwertung und „Resteverwertung“ auch für Fonds“ so Thomas Hensel, Inhaber des Weingutes.

Durch die Begleitung der Tiere von der Geburt bis hin zur Schlachtung erweitert sich der Horizont unglaublich. Bisher wurden die Kompostpräparate über Christian von Wistinghausen bestellt: „Seit letztem Jahr stellen wir die Kompostpräparate selbst her und können dafür auch die eigenen Hüllen verwenden von den Tieren, welche auf dem Weingut groß geworden sind, wo das Organ die Landschaft und Umgebung kennt. Das möchten wir auch für die Hirschblase erreichen, welche ebenfalls hier aus der Region kommen könnte“ so Andreas Schumann.

Die Betriebsfläche ist komplett arrondiert und außerhalb von Wachenheim auf bis zu 350m über N.N., was für Weinbau in dieser Region außergewöhnlich hoch ist. Während im Tal im Juni schon Sommer ist, stellt sich der Sommer im kühleren, spätreifen Standort erst im Juli ein. Bei starker Kälte im April hat sich die Ausbringung von Brennnesseltee – oder in kühleren Sommern vor der Ausbringung der Präparate der Einsatz von Löwenzahnblütentee und Schachtelhalm bewährt. Der Einsatz der Präparate führte über mehrere Jahre zu einem harmonischeren Wachstum, vitaleren Reben und hat das Ökosystem nachhaltig gestärkt. Die Ausbringung der Präparate erfolgt heute nicht mehr über einen Schmalspurtraktor, sondern wird komplett mit dem Quad und einer eigens gebauten Spritzanlage erledigt. Mit den 15km/h und jeder zweiten Reihe können die Rebflächen in zwei bis drei Stunden so gespritzt werden. „Mit diesem Einsatz kann ich regelmäßig die Gassen wechseln und bei so geringem Arbeitsaufwand auch öfters Tees zusätzlich vor den Präparaten mit ausbringen“ so Andreas Schumann.
 

Im Keller viel Zeit geben

Für die Winzer ist die Reife der Trauben sehr wichtig, damit sich das Fruchtaroma entwickeln kann und das braucht in der Regel Zeit. Hier ist die Herausforderung sich auf die natürlichen Rhythmen einzulassen, nicht nur im Weinberg sonder auch später im Keller. Das Weingut Odinstal arbeitet in der Vergärung mit eigenen Hefen aus dem Weinberg und Keller und lässt die Weine ungekühlt, um das Temperament bestmöglich zu erhalten. Auch bekommen die Weine viel Zeit und werden nur einmal schonend filtriert. Dieser Faktor Zeit wird am Ende ebenfalls für den Kunden spürbar – Weine von einem spätreifen Standort, welche die Zeit im Weinkeller bekommen haben, können nicht wie andere Weine schon zum Jahresbeginn im Januar, Februar oder März fertig sein. Hier ist ein Verständnis auch von Kundenseite gefordert.

Dieses wird dem Kunden und Weingut aber belohnt. Das Aroma der ausschließlichen Weißweinerzeugung auf dem Weingut hat sich aus der Richtung Äpfeln und Johannisbeeren  heute in Richtung reifer Zitrusfrüchte weiterentwickelt. „Hier hilft uns die biodynamische Wirtschaftsweise zu einer reiferen Aromatik zu kommen“, erläutert Andreas Schumann: „die Nachvollziehbarkeit vom Standort wird größer und prägnanter durch die Biodynamik“. In vielen Fällen haben die Weine ein größeres Bestreben nach Harmonie, weniger Alkoholbetone Weine wirken nicht mehr dünn und Weine mit viel Alkohol nicht mehr nur brandig. Um diesem Bestreben nach Harmonie nachzukommen gibt es im Weingut Odinstal die Weine der „Stufe 1“. Hier wurde der Weinberg 2008 das letzte Mal geschnitten. Die Reben können sich freier Entfalten, entwickeln sich mehr in Richtung von lianenartigem Wachstum und die Trauben werden kleiner, lockerbeeriger und aromatischer und verteilen sich über die gesamte Laubwand. Eine völlige Freiheit Rebe und höhere Biodiversität im Weinberg.

„Die Biodynamie verändert nicht nur den Weinberg und die Weine, sie macht auch etwas mit mir und bewegt mich innerlich“. Als Zielsetzung für das Weingut hat sich Andreas Schumann gesetzt, die Begrünung im Weinberg noch stärker mit der Verdauungskraft der Tiere zusammen zu bringen. Hierfür gibt es schon erste Gespräche mit einem Wanderschäfer für die Beweidung der Weingärten nach der Lese. 

Der Betrieb

Inhaber: Familie Hensel,
Betriebsleiter: Andreas Schumann.

Rebsorten: Ausschließlich Weißweine:Riesling, Weißburgunder, Auxerrois, Silvaner und Gewürztraminer

Weingut: 17ha hat das Weingut als arrondierte Fläche oberhalb von Wachenheim in der Hanglage.  Davon sind 5ha Weinbau, 4ha sind Dauergrünflächen, hauptsächlich Magerrasen und 8ha Wald

 

 

Umstellen auf biodynamischen Weinbau - Weingut Odinstal
Ein Erfahrungsbericht

Vor der Umstellung auf biodynamischen Weinbau vergehen meistens ein paar Monate oder Jahre des vorsichtigen Betrachtens der biodynamischen Wirtschaftsweise. Was von den kursierenden Gerüchten über die Biodynamik stimmt wirklich– und welche Gerüchte müssen geprüft werden damit sie anschließend aus dem Weg geräumt werden können.

 

Schlüsselerlebnis Präparateeinsatz

Für Andreas Schumann, Betriebsleiter auf dem Weingut Odinstal, hat sich die intensive Auseinandersetzung mit der Biodynamik für ihn selbst aus einer Krise heraus ergeben. 2006 kam es zum Hagel auf dem Weingut Odinstal und fast die komplette Laubwand der Reben wurde zerstört. Auf Empfehlung von Georg Meißner brachte er das Hornmist-Präparat und Brennnesseljauche  direkt nach dem Hagel auf die zerfetzte Laubwand aus und konnte damit immerhin 30% des Ertrages sichern. Für Andreas Schumann war die Wirkung der Brennnessel nach dieser Auseinandersetzung klar: „So wie die Brennnessel auch auf uns wirkt, die Durchblutung fördert und das Wasser entzieht, so entzieht sie auch der Pflanze das überflüssige Wasser und ermöglichte in diesem Fall die schnelle Regeneration der Rebe und Laubwand“.
Nach diesem Erlebnis entstanden immer intensivere Auseinandersetzung mit den Wirkungsweisen und Zusammenhängen der Tees und Präparate im Weinbau. Das jährliche Fortbildungsseminar in St. Ullrich und Vorträge von Manfred Klett und Nikolai Fuchs gaben hier weitere Impulse und Anregungen in der Umstellungszeit, warfen aber gleichzeitig viele weitere Fragen und Anregungen, wie Beispielsweise das Bild des geschlossenen Betriebskreislaufes, auf.
 

Kompost und Kooperation beim Vieh

Im Jahr 2007/2008 startete das Weingut mit seinem eigenen Kompost. Um dem Bild des Betriebskreislaufs und der -entwicklung in der Monokultur Wein näher zu kommen entstand eine Kooperation mit einem ortsansässigen Landwirt. Fünf Charollais-Rindern, zum Teil trächtig und zusammen mit einem Bullen, mit ihren Kälbern, kommen seit dem über den Sommer auf die Weiden und beleben die 4ha Dauergründland in der arrondierten Fläche des Weingutes. Ergänzend zu den Rindern beleben 7 Bienenvölker diese ökologische Nische und bringen ein weiteres tierisches Element mit hinzu.       
Die Kooperation zwischen Landwirt und Winzer trägt heute schon Früchte. Für das Weingut, die Mitarbeiter und die Landschaft stellen die Kühe und Kälber eine Bereicherung dar – für den Landwirt ist die gemeinsame Vermarktung von Wein und Fleisch durch das Weingut eine gelungene Ergänzung. „Wir beliefern mit unseren Weinen auch die gehobene Gastronomie. Hier wird das Fleisch von den Rindern vom Weingut sehr gerne mit aufgenommen und den Gästen zusammen mit den eigenen Weinen präsentiert. Durch den eingeschränkten Verkauf von Rinderhälften oder ganzen Tieren animieren wir  die Gastronomen zur Ganztierverwertung und „Resteverwertung“ auch für Fonds“ so Thomas Hensel, Inhaber des Weingutes.

Durch die Begleitung der Tiere von der Geburt bis hin zur Schlachtung erweitert sich der Horizont unglaublich. Bisher wurden die Kompostpräparate über Christian von Wistinghausen bestellt: „Seit letztem Jahr stellen wir die Kompostpräparate selbst her und können dafür auch die eigenen Hüllen verwenden von den Tieren, welche auf dem Weingut groß geworden sind, wo das Organ die Landschaft und Umgebung kennt. Das möchten wir auch für die Hirschblase erreichen, welche ebenfalls hier aus der Region kommen könnte“ so Andreas Schumann.

Die Betriebsfläche ist komplett arrondiert und außerhalb von Wachenheim auf bis zu 350m über N.N., was für Weinbau in dieser Region außergewöhnlich hoch ist. Während im Tal im Juni schon Sommer ist, stellt sich der Sommer im kühleren, spätreifen Standort erst im Juli ein. Bei starker Kälte im April hat sich die Ausbringung von Brennnesseltee – oder in kühleren Sommern vor der Ausbringung der Präparate der Einsatz von Löwenzahnblütentee und Schachtelhalm bewährt. Der Einsatz der Präparate führte über mehrere Jahre zu einem harmonischeren Wachstum, vitaleren Reben und hat das Ökosystem nachhaltig gestärkt. Die Ausbringung der Präparate erfolgt heute nicht mehr über einen Schmalspurtraktor, sondern wird komplett mit dem Quad und einer eigens gebauten Spritzanlage erledigt. Mit den 15km/h und jeder zweiten Reihe können die Rebflächen in zwei bis drei Stunden so gespritzt werden. „Mit diesem Einsatz kann ich regelmäßig die Gassen wechseln und bei so geringem Arbeitsaufwand auch öfters Tees zusätzlich vor den Präparaten mit ausbringen“ so Andreas Schumann.
 

Im Keller viel Zeit geben

Für die Winzer ist die Reife der Trauben sehr wichtig, damit sich das Fruchtaroma entwickeln kann und das braucht in der Regel Zeit. Hier ist die Herausforderung sich auf die natürlichen Rhythmen einzulassen, nicht nur im Weinberg sonder auch später im Keller. Das Weingut Odinstal arbeitet in der Vergärung mit eigenen Hefen aus dem Weinberg und Keller und lässt die Weine ungekühlt, um das Temperament bestmöglich zu erhalten. Auch bekommen die Weine viel Zeit und werden nur einmal schonend filtriert. Dieser Faktor Zeit wird am Ende ebenfalls für den Kunden spürbar – Weine von einem spätreifen Standort, welche die Zeit im Weinkeller bekommen haben, können nicht wie andere Weine schon zum Jahresbeginn im Januar, Februar oder März fertig sein. Hier ist ein Verständnis auch von Kundenseite gefordert.

Dieses wird dem Kunden und Weingut aber belohnt. Das Aroma der ausschließlichen Weißweinerzeugung auf dem Weingut hat sich aus der Richtung Äpfeln und Johannisbeeren  heute in Richtung reifer Zitrusfrüchte weiterentwickelt. „Hier hilft uns die biodynamische Wirtschaftsweise zu einer reiferen Aromatik zu kommen“, erläutert Andreas Schumann: „die Nachvollziehbarkeit vom Standort wird größer und prägnanter durch die Biodynamik“. In vielen Fällen haben die Weine ein größeres Bestreben nach Harmonie, weniger Alkoholbetone Weine wirken nicht mehr dünn und Weine mit viel Alkohol nicht mehr nur brandig. Um diesem Bestreben nach Harmonie nachzukommen gibt es im Weingut Odinstal die Weine der „Stufe 1“. Hier wurde der Weinberg 2008 das letzte Mal geschnitten. Die Reben können sich freier Entfalten, entwickeln sich mehr in Richtung von lianenartigem Wachstum und die Trauben werden kleiner, lockerbeeriger und aromatischer und verteilen sich über die gesamte Laubwand. Eine völlige Freiheit Rebe und höhere Biodiversität im Weinberg.

„Die Biodynamie verändert nicht nur den Weinberg und die Weine, sie macht auch etwas mit mir und bewegt mich innerlich“. Als Zielsetzung für das Weingut hat sich Andreas Schumann gesetzt, die Begrünung im Weinberg noch stärker mit der Verdauungskraft der Tiere zusammen zu bringen. Hierfür gibt es schon erste Gespräche mit einem Wanderschäfer für die Beweidung der Weingärten nach der Lese. 

Der Betrieb

Inhaber: Familie Hensel,
Betriebsleiter: Andreas Schumann.

Rebsorten: Ausschließlich Weißweine:Riesling, Weißburgunder, Auxerrois, Silvaner und Gewürztraminer

Weingut: 17ha hat das Weingut als arrondierte Fläche oberhalb von Wachenheim in der Hanglage.  Davon sind 5ha Weinbau, 4ha sind Dauergrünflächen, hauptsächlich Magerrasen und 8ha Wald