Zum ersten Mal biodynamisch gezüchtete Sorten bei Gemüse und Getreide zertifiziert

Zum ersten Mal biodynamisch gezüchtete Sorten bei Gemüse und Getreide zertifiziert

27.08.2010

Demeter mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise ist Pionier in Sachen Pflanzenzüchtung. Schon seit über 20 Jahren entwickeln biodynamische Gärtner eigene Gemüsesorten im Einklang mit der Natur. Auch bei Getreide gibt es Züchtungen von neuen Sorten, die von Anfang an nach den Grundprinzipien dieses konsequenten ökologischen Landbaus kultiviert werden. So sind Züchter im ältesten ökologischen Anbauverband, der sich an Impulsen von Rudolf Steiner orientiert, bestrebt, mehr und mehr Unabhängigkeit von der Saatgutindustrie zu erreichen. Dort hat die kleine Gentechnik mit der so genannten Protoplasten-Fusion längst Einzug in die Labore gehalten hat. Als einziger Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Nun konnten die ersten biodynamisch gezüchtete Sorten zertifiziert werden: 25 Gemüsesorten, die auf den Verein Kultursaat e.V. in Bingenheim angemeldet sind, und zwei Getreidesorten des Züchters Dr. Karl-Josef Müller in Darzau.

Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Dazu gehört etwa die Transparenz der Sortenentwicklung. Für jede Sorte muss eine Werdegangbeschreibung veröffentlicht werden. Bei den jährlichen Kontrollen durch die unabhängigen, staatlich zugelassenen Kontrollstellen wird der Züchtungsprozess im Biodynamischen also mit überprüft. Die bereits vor Jahren gezüchteten Sorten, die auch beim Bundessortenamt zugelassen sind, konnten die Demeter-Anerkennung durch eine nachträgliche Überprüfung an Hand der ausführlichen Dokumentation erlangen.

Wenn nun Demeter-Lebensmittel wie Mehl, Brot, Müsli, Babynahrung, Säfte oder frisches Gemüse auf die Herkunft „aus biologisch-dynamischer Züchtung“ verweisen, wird die Art und Weise der Züchtung der verwendeten Sorten auch für Verbraucher nachvollziehbar. Die neuen Sorten werden auf Demeter-zertifizierten Feldern und Gärten gezüchtet. Dank der Biodynamischen Präparate aus Heilpflanzen und Quarz entwickeln sie sich harmonisch im Kräftefeld zwischen Erde und Kosmos. Bei der Selektion wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. So entsteht höchste Nahrungsqualität von Anfang an. Mehr und mehr Kunden kennen mittlerweile die biodynamischen Sorten mit so klangvollen Namen wie Goldblumenweizen oder Lichtkornroggen, Milan als Möhrensorte, Weißkohl Donator, Knoblauch Frolia, Salatgurke Helena oder Rote Bete Robuschka.

Sorten mit cytoplasmatischer männlicher Sterilität – CMS-Saatgut also – sind bei Demeter bereits seit 2005 für die Verwendung im Anbau ausgeschlossen. Diese spezielle Hybrid-Züchtung verbindet während eines wesentlichen Arbeitsschritts artübergreifend Zellen miteinander und gilt daher als kleine Gentechnik. Durch ihre Sterilität sind solche Produkte dann grundsätzlich nicht nachbaufähig. Übliche Hybridsorten entstehen bei der Kreuzung zweier Inzuchtlinien. Sie verlieren beim „Nachbau“, der Weiterverwendung ihrer Samen, ihre guten Eigenschaften. Also müssen diese Sorten jedes Jahr neu nachgekauft werden. Wird Hybrid-Züchtung mit der Zellfusionstechnik kombiniert, so entstehen cms-Hybriden. Dabei werden Arten, die normalerweise nicht kreuzbar sind, durch die Verschmelzung von Zellen und Zellkern, die Protoplastenfusion, zusammengeführt. Dafür werden Gifte und Elektroschocks eingesetzt. Molekularbiologen bezeichnen diese Methode als „kleine Gentechnik“. Kritiker sehen dadurch die Integrität der Pflanzen verletzt. Durch diese patentierte Technik kann etwa Radieschen-Zytoplasma in Blumenkohl gelangen. Pflanzen, die aus Hybriden entstehen, enthalten oft weniger Trockensubstanz, also mehr wässrige Anteile, und häufig auch ein geringeres Aroma. „Für eine ganzheitliche Ernährung, die Körper, Seele und Geist gleichermaßen aufbaut, sind solche Sorten nicht das richtige“, meint Demeter-Vorstand Stephan Illi.

Öko-Saatgut, das nach der EU-Bio-Verordnung auf Bio-Höfen eingesetzt werden soll, darf durchaus von Sorten aus konventioneller Züchtung stammen. Es muss lediglich ein Jahr lang ökologisch angebaut worden sein. „Das entspricht lediglich einer Vermehrung“, kritisiert Dr. Jochen Leopold, Richtlinienexperte bei Demeter. Der ganze Bereich der Züchtung eigener Sorten unter ganzheitlich-ökologischen Gesichtspunkten ist bislang in den europäischen Richtlinien zum Öko-Anbau nicht geregelt. So bleibt es überzeugten Gärtnern und Bauern wie den Biodynamikern überlassen, hier Pionierarbeit zu leisten und Qualitätsmaßstäbe zu setzen. „Bedauerlicher Weise wird die staatliche Förderung bei Forschung und Züchtung noch viel zu stark in Richtung Industrie und Gentechnik geleistet“, fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi mehr Unterstützung für die zukunftsfähigen biodynamischen Sorten, die bewusste Verbraucher bereits sehr zu schätzen wissen.

27.08.2010
Zum ersten Mal biodynamisch gezüchtete Sorten bei Gemüse und Getreide zertifiziert

Demeter mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise ist Pionier in Sachen Pflanzenzüchtung. Schon seit über 20 Jahren entwickeln biodynamische Gärtner eigene Gemüsesorten im Einklang mit der Natur. Auch bei Getreide gibt es Züchtungen von neuen Sorten, die von Anfang an nach den Grundprinzipien dieses konsequenten ökologischen Landbaus kultiviert werden. So sind Züchter im ältesten ökologischen Anbauverband, der sich an Impulsen von Rudolf Steiner orientiert, bestrebt, mehr und mehr Unabhängigkeit von der Saatgutindustrie zu erreichen. Dort hat die kleine Gentechnik mit der so genannten Protoplasten-Fusion längst Einzug in die Labore gehalten hat. Als einziger Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Nun konnten die ersten biodynamisch gezüchtete Sorten zertifiziert werden: 25 Gemüsesorten, die auf den Verein Kultursaat e.V. in Bingenheim angemeldet sind, und zwei Getreidesorten des Züchters Dr. Karl-Josef Müller in Darzau.

Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Dazu gehört etwa die Transparenz der Sortenentwicklung. Für jede Sorte muss eine Werdegangbeschreibung veröffentlicht werden. Bei den jährlichen Kontrollen durch die unabhängigen, staatlich zugelassenen Kontrollstellen wird der Züchtungsprozess im Biodynamischen also mit überprüft. Die bereits vor Jahren gezüchteten Sorten, die auch beim Bundessortenamt zugelassen sind, konnten die Demeter-Anerkennung durch eine nachträgliche Überprüfung an Hand der ausführlichen Dokumentation erlangen.

Wenn nun Demeter-Lebensmittel wie Mehl, Brot, Müsli, Babynahrung, Säfte oder frisches Gemüse auf die Herkunft „aus biologisch-dynamischer Züchtung“ verweisen, wird die Art und Weise der Züchtung der verwendeten Sorten auch für Verbraucher nachvollziehbar. Die neuen Sorten werden auf Demeter-zertifizierten Feldern und Gärten gezüchtet. Dank der Biodynamischen Präparate aus Heilpflanzen und Quarz entwickeln sie sich harmonisch im Kräftefeld zwischen Erde und Kosmos. Bei der Selektion wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. So entsteht höchste Nahrungsqualität von Anfang an. Mehr und mehr Kunden kennen mittlerweile die biodynamischen Sorten mit so klangvollen Namen wie Goldblumenweizen oder Lichtkornroggen, Milan als Möhrensorte, Weißkohl Donator, Knoblauch Frolia, Salatgurke Helena oder Rote Bete Robuschka.

Sorten mit cytoplasmatischer männlicher Sterilität – CMS-Saatgut also – sind bei Demeter bereits seit 2005 für die Verwendung im Anbau ausgeschlossen. Diese spezielle Hybrid-Züchtung verbindet während eines wesentlichen Arbeitsschritts artübergreifend Zellen miteinander und gilt daher als kleine Gentechnik. Durch ihre Sterilität sind solche Produkte dann grundsätzlich nicht nachbaufähig. Übliche Hybridsorten entstehen bei der Kreuzung zweier Inzuchtlinien. Sie verlieren beim „Nachbau“, der Weiterverwendung ihrer Samen, ihre guten Eigenschaften. Also müssen diese Sorten jedes Jahr neu nachgekauft werden. Wird Hybrid-Züchtung mit der Zellfusionstechnik kombiniert, so entstehen cms-Hybriden. Dabei werden Arten, die normalerweise nicht kreuzbar sind, durch die Verschmelzung von Zellen und Zellkern, die Protoplastenfusion, zusammengeführt. Dafür werden Gifte und Elektroschocks eingesetzt. Molekularbiologen bezeichnen diese Methode als „kleine Gentechnik“. Kritiker sehen dadurch die Integrität der Pflanzen verletzt. Durch diese patentierte Technik kann etwa Radieschen-Zytoplasma in Blumenkohl gelangen. Pflanzen, die aus Hybriden entstehen, enthalten oft weniger Trockensubstanz, also mehr wässrige Anteile, und häufig auch ein geringeres Aroma. „Für eine ganzheitliche Ernährung, die Körper, Seele und Geist gleichermaßen aufbaut, sind solche Sorten nicht das richtige“, meint Demeter-Vorstand Stephan Illi.

Öko-Saatgut, das nach der EU-Bio-Verordnung auf Bio-Höfen eingesetzt werden soll, darf durchaus von Sorten aus konventioneller Züchtung stammen. Es muss lediglich ein Jahr lang ökologisch angebaut worden sein. „Das entspricht lediglich einer Vermehrung“, kritisiert Dr. Jochen Leopold, Richtlinienexperte bei Demeter. Der ganze Bereich der Züchtung eigener Sorten unter ganzheitlich-ökologischen Gesichtspunkten ist bislang in den europäischen Richtlinien zum Öko-Anbau nicht geregelt. So bleibt es überzeugten Gärtnern und Bauern wie den Biodynamikern überlassen, hier Pionierarbeit zu leisten und Qualitätsmaßstäbe zu setzen. „Bedauerlicher Weise wird die staatliche Förderung bei Forschung und Züchtung noch viel zu stark in Richtung Industrie und Gentechnik geleistet“, fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi mehr Unterstützung für die zukunftsfähigen biodynamischen Sorten, die bewusste Verbraucher bereits sehr zu schätzen wissen.