Vandana Shiva auf dem Dottenfelderhof

Vandana Shiva auf dem Dottenfelderhof

06.07.2011

Die indische Umweltaktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva besuchte den Dottenfelderhof in Bad Vilbel bei Frankfurt. Die Demeter-Hofgemeinschaft (120 ha) ist einer der ältesten und bekanntesten Züchtungsstandorte des Vereins Kultursaat für Züchtungsforschung und Kulturpflanzenerhaltung auf biologisch-dynamischer Grundlage. Während ihres kurzen Zwischenstopps auf dem Weg zurück nach Indien, ließ sich Vandana Shiva die vielfältigen Aktivitäten des Dottenfelderhofes in der Züchtung von Gemüse- und Getreidesorten zeigen und diskutierte mit Züchtern über eine stärkere Zusammenarbeit.

Die Gründerin der indischen Saatgutinitiative Navdanya ist seit September 2010 internationale Kultursaat-Botschafterin. Bei der Ankunft auf dem Dottenfelderhof betonte sie, dass sie dieses Amt mit Freude ausübe, da es genau ihrer Intention entspreche. Navdanya kämpft seit über 20 Jahren für Biodiversität und den freien Zugang zu den elementaren Allgemeingütern Boden, Wasser und Saatgut. „Die Menschen haben ein Recht auf diese Commons“, so Frau Shiva. Kultursaat-Vorstand Dietrich Bauer begrüßte den Gast: „Wir sind glücklich, sie als Symbol des weltweiten Kampfes gegen gentechnische Manipulation in der Züchtung und als international bekannte Vertreterin für das Recht auf freien Zugang zu nachbaufähigem Saatgut hier willkommen zu heißen“.

Mit dem Besuch auf dem Dottenfelderhof, wo Dietrich Bauer seit mehr als 40 Jahren arbeitet und bereits vor der Gründung des Vereins Kultursaat 1994, an Möhren und Kohl züchtete, sah die prominente Kultursaat-Botschafterin zum ersten Mal die On-Farm-Arbeit des Vereins Kultursaat.

Weitere 18 Standorte sind auf Demeter-Betrieben in ganz Deutschland, in den Niederlanden und in der Schweiz zu finden. Ergebnis der langjährigen Züchtungsarbeit, die geschmackvolle, samenfeste Gemüsesorten für den ökologischen Erwerbsgartenbau zum Ziel hat, sind über sechzig Sorten, die beim Bundessortenamt zugelassen sind, von Kultursaat-Züchtern betreut werden (Erhaltungszucht) oder sich in der Prüfung befinden.

Kultursaat-Sorten werden von dem gemeinnützigen Verein gepflegt und stehen - entgegen der gängigen Praxis in der konventionellen Züchtung – als Allgemeingut zur Verfügung. Die Sorten sind alle samenfest und können nachgebaut werden, was bei den heute üblichen Hybridsorten kaum möglich ist. „Sorten sind Kulturgut“ heißt die Maxime des Vereins, in dem mehr als 40 Züchter und Mitarbeiter sich der Entwicklung von Sorten für den ökologischen Anbau widmen und der von über 260 Mitgliedern und zahlreichen Spendern sowie Stiftungen und Vereinen finanziell unterstützt wird.

Während ihres Aufenthalts betonte Frau Shiva die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der ökologischen Züchtung: „Es ist an der Zeit, dass wir die Arbeit der Saatgut-Initiativen weltweit noch besser vernetzen, um Wissen sowie Erfahrungen auszutauschen und um auf politischer Ebene effektiver auf die Probleme im Saatgut-Sektor hinzuweisen. Gerade die Entwicklung neuer Sorten, als Beitrag zur Unabhängigkeit von Saatgut-Multis, muss stärker in den Fokus rücken“, erklärte sie. Denn zu den besonders drängenden Fragen gehöre die weltweit zunehmende Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die damit einhergehende Einengung des Sortenspektrums und des Angebots an nachbaufähigen Sorten sowie das Fortschreiten der Gentechnik.

Der ganzheitliche Ansatz von Navdanya und Kultursaat steht dem diametral gegenüber: Das Wesen der Pflanze, die Wirkung der Umwelteinflüsse und Ernährungsbedürfnisse werden in die Pflanzenentwicklung einbezogen. Besonders interessiert zeigte sich Shiva an den Ausführungen von Ute Kirchgaesser, Zuchtleiterin am Standort Bingenheim (ebenfalls im Rhein-Main-Gebiet), die von spannenden Forschungsergebnissen berichtete. Beispielsweise haben Behandlungen mit Tönen eine außerordentliche Empfänglichkeit von Samen dafür aufgezeigt und zu interessanten Erkenntnissen geführt. Diese könnten zukünftig zu ganz neuen Züchtungsmethoden führen. Die Revision des EU-Saatgutrechtes wurde von Frau Shiva kritisch hinterfragt. Schließlich zeigt die Vergangenheit, dass dieses Recht auch Einfluss auf die Länder des Südens hat. Tendenzen, z. B. genetische Codes als Grundlage der Sortenregistrierung im Recht zu verankern, werden von Kultursaat wie von Frau Shiva und Initiativen wie Navdanya abgelehnt. Auch in diesem Feld der politischen Arbeit will man zukünftig stärker kooperieren.

„Trotz der Kürze des Besuchs nehme ich einen bunten Strauß an Impressionen, Anregungen und Inspiration mit nach Indien“, erklärte die Kultursaat-Botschafterin zum Schluss und plante gleich einen neuen gemeinsamen Auftritt. Auf der BioFach im Februar 2012 steht Indien als Land des Jahres im Mittelpunkt. „Eine gute Gelegenheit, um das internationale Fachpublikum für das Thema ökologische Züchtung und die Saatgutfrage in einem Workshop zu sensibilisieren und zu interessieren“, so Petra Boie von der Bingenheimer Saatgut AG, die Saatgut von Kultursaat-Sorten vertreibt.

06.07.2011
Vandana Shiva auf dem Dottenfelderhof

Die indische Umweltaktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva besuchte den Dottenfelderhof in Bad Vilbel bei Frankfurt. Die Demeter-Hofgemeinschaft (120 ha) ist einer der ältesten und bekanntesten Züchtungsstandorte des Vereins Kultursaat für Züchtungsforschung und Kulturpflanzenerhaltung auf biologisch-dynamischer Grundlage. Während ihres kurzen Zwischenstopps auf dem Weg zurück nach Indien, ließ sich Vandana Shiva die vielfältigen Aktivitäten des Dottenfelderhofes in der Züchtung von Gemüse- und Getreidesorten zeigen und diskutierte mit Züchtern über eine stärkere Zusammenarbeit.

Die Gründerin der indischen Saatgutinitiative Navdanya ist seit September 2010 internationale Kultursaat-Botschafterin. Bei der Ankunft auf dem Dottenfelderhof betonte sie, dass sie dieses Amt mit Freude ausübe, da es genau ihrer Intention entspreche. Navdanya kämpft seit über 20 Jahren für Biodiversität und den freien Zugang zu den elementaren Allgemeingütern Boden, Wasser und Saatgut. „Die Menschen haben ein Recht auf diese Commons“, so Frau Shiva. Kultursaat-Vorstand Dietrich Bauer begrüßte den Gast: „Wir sind glücklich, sie als Symbol des weltweiten Kampfes gegen gentechnische Manipulation in der Züchtung und als international bekannte Vertreterin für das Recht auf freien Zugang zu nachbaufähigem Saatgut hier willkommen zu heißen“.

Mit dem Besuch auf dem Dottenfelderhof, wo Dietrich Bauer seit mehr als 40 Jahren arbeitet und bereits vor der Gründung des Vereins Kultursaat 1994, an Möhren und Kohl züchtete, sah die prominente Kultursaat-Botschafterin zum ersten Mal die On-Farm-Arbeit des Vereins Kultursaat.

Weitere 18 Standorte sind auf Demeter-Betrieben in ganz Deutschland, in den Niederlanden und in der Schweiz zu finden. Ergebnis der langjährigen Züchtungsarbeit, die geschmackvolle, samenfeste Gemüsesorten für den ökologischen Erwerbsgartenbau zum Ziel hat, sind über sechzig Sorten, die beim Bundessortenamt zugelassen sind, von Kultursaat-Züchtern betreut werden (Erhaltungszucht) oder sich in der Prüfung befinden.

Kultursaat-Sorten werden von dem gemeinnützigen Verein gepflegt und stehen - entgegen der gängigen Praxis in der konventionellen Züchtung – als Allgemeingut zur Verfügung. Die Sorten sind alle samenfest und können nachgebaut werden, was bei den heute üblichen Hybridsorten kaum möglich ist. „Sorten sind Kulturgut“ heißt die Maxime des Vereins, in dem mehr als 40 Züchter und Mitarbeiter sich der Entwicklung von Sorten für den ökologischen Anbau widmen und der von über 260 Mitgliedern und zahlreichen Spendern sowie Stiftungen und Vereinen finanziell unterstützt wird.

Während ihres Aufenthalts betonte Frau Shiva die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der ökologischen Züchtung: „Es ist an der Zeit, dass wir die Arbeit der Saatgut-Initiativen weltweit noch besser vernetzen, um Wissen sowie Erfahrungen auszutauschen und um auf politischer Ebene effektiver auf die Probleme im Saatgut-Sektor hinzuweisen. Gerade die Entwicklung neuer Sorten, als Beitrag zur Unabhängigkeit von Saatgut-Multis, muss stärker in den Fokus rücken“, erklärte sie. Denn zu den besonders drängenden Fragen gehöre die weltweit zunehmende Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die damit einhergehende Einengung des Sortenspektrums und des Angebots an nachbaufähigen Sorten sowie das Fortschreiten der Gentechnik.

Der ganzheitliche Ansatz von Navdanya und Kultursaat steht dem diametral gegenüber: Das Wesen der Pflanze, die Wirkung der Umwelteinflüsse und Ernährungsbedürfnisse werden in die Pflanzenentwicklung einbezogen. Besonders interessiert zeigte sich Shiva an den Ausführungen von Ute Kirchgaesser, Zuchtleiterin am Standort Bingenheim (ebenfalls im Rhein-Main-Gebiet), die von spannenden Forschungsergebnissen berichtete. Beispielsweise haben Behandlungen mit Tönen eine außerordentliche Empfänglichkeit von Samen dafür aufgezeigt und zu interessanten Erkenntnissen geführt. Diese könnten zukünftig zu ganz neuen Züchtungsmethoden führen. Die Revision des EU-Saatgutrechtes wurde von Frau Shiva kritisch hinterfragt. Schließlich zeigt die Vergangenheit, dass dieses Recht auch Einfluss auf die Länder des Südens hat. Tendenzen, z. B. genetische Codes als Grundlage der Sortenregistrierung im Recht zu verankern, werden von Kultursaat wie von Frau Shiva und Initiativen wie Navdanya abgelehnt. Auch in diesem Feld der politischen Arbeit will man zukünftig stärker kooperieren.

„Trotz der Kürze des Besuchs nehme ich einen bunten Strauß an Impressionen, Anregungen und Inspiration mit nach Indien“, erklärte die Kultursaat-Botschafterin zum Schluss und plante gleich einen neuen gemeinsamen Auftritt. Auf der BioFach im Februar 2012 steht Indien als Land des Jahres im Mittelpunkt. „Eine gute Gelegenheit, um das internationale Fachpublikum für das Thema ökologische Züchtung und die Saatgutfrage in einem Workshop zu sensibilisieren und zu interessieren“, so Petra Boie von der Bingenheimer Saatgut AG, die Saatgut von Kultursaat-Sorten vertreibt.