Neue Gesellschaftsformen in der Landwirtschaft und Verabschiedung der Gärtnerberater

Neue Gesellschaftsformen in der Landwirtschaft und Verabschiedung der Gärtnerberater

15.12.2009

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung von Demeter Baden-Württemberg wurden die langjährigen Gärtnerberater Flora und Gerhard Eisenkolb aus Ingersheim in ihren Ruhestand verabschiedet. Außerdem stellte im Handelskontor Willmann in Vaihingen-Enz Christian Hiß, Demeter-Gärtner und Gründer der badischen Regionalwert AG (RWAG,
www.regionalwert-ag.de ) aus Eichstetten, die Bürgeraktiengesellschaft als eine neue Gesellschaftsform in der Landwirtschaft vor. Er erhielt im November dafür den Sonderpreis "Social Entrepreneur der Nachhaltig-keit" des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Um die Zukunft des Bio-Marktes und des gerechten Wirtschaftens ging es beim Abschlussvortrag von Klemens Fischer, geschäftsführender Vorstand des Demeter e.V.
Vor fast zwanzig Jahren begann Gärtnermeister Gerhard Eisenkolb (65) seine Beratertätigkeit bei Demeter Baden-Württemberg. Seine Ehefrau Flora (65), ebenfalls Gärtnermeisterin, begleitete schon immer seine Arbeit. Vor sieben Jahren erhielt sie ebenfalls eine Anstellung. Demeter-Gärtner Gothart Willmann aus Ingersheim hob bei seiner Laudatio besonders die freundliche Art beider Berater und ihr großes Engagement, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, auf Messen, Hoffesten und Ausstellungen hervor. An unzähligen Wochenenden vermittelten sie Besuchern mit viel Freude die Biodynamische Wirtschaftsweise. Von Anfang an hätte Gerhard Eisenkolb seine fundierten Kenntnisse im Maschinenbau an die Gärtner weitergegeben. Er verhalf ihnen damit, ihre Arbeit deutlich zu vereinfachen und zu erleichtern.
Außerdem hätte sich der Berater zu einem Spezialist für Qualitätsfragen in der Demeter-Arbeit entwickelt: "Wie entsteht Qualität und was können wir in der praktischen Arbeit tun, um sie hervorzubringen?" Dazu gehörten Versuche zu einer effektiven Rührtechnik der Biodynamischen Heilkräuterpräparate und Qualität des Rühr-Wassers.
Als Schwerpunkt der Arbeit von Flora Eisenkolb nannte Gothart Willmann ihre unermüdliche Hilfestellung in den Betrieben mit gut organisierten Anbauplanungen. Sie reiste regelmäßig von Gärtnerei zu Gärtnerei, erstellte aufwendige Pläne, gab Tipps für eine sinnvolle Fruchtfolge und geeignetes Saatgut. Dazu war es der Beraterin sehr wichtig, mit anderen Öko-Gartenbauberatern zusammenzuarbeiten. So entstand ein vielfältiges Angebot mit gemeinsamen Veranstaltungen. Als Dankeschön für den Einsatz des Gärtner-Ehepaars überreichte Vorstand Alexander Thierfelder den Kulturliebhabern Konzertkarten und eine "Lichtwurzel", deren biodynamischer Anbau, Wirkung und Produkte Gerhard Eisenkolb schon immer fasziniert hatten.
Durch die Gründung der Regionalwert AG wird die Landwirtschaft und regionale Wirtschaft etwa hundert Kilometer um Freiburg sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig gestaltet. Christian Hiß erklärte das Prinzip und wie es dazu kam. Die RWAG erwirbt landwirtschaftliche Betriebe oder branchennahe Unternehmen und verpachtet sie an qualifizierte Unternehmer. Sie verpflichten sich im Gegenzug nachhaltig zu wirtschaften, zum Beispiel im Ökolandbau oder Artenschutz mit einem geringem Ressourcenverbrauch und bei gerechter Entlohnung. Die Aktionäre stellen den Unternehmen Kapital zur Verfügung und können sich gestalterisch an ihnen beteiligen.
Sie erhalten jährlich Berichte, in denen es nicht nur um wirtschaftliche Faktoren geht, sondern speziell um das sozialökologische Engagement der Betriebe. Zu den sozialen Faktoren gehören unter anderem Beschäftigtenstruktur, Entlohnung, Fluktuation der Arbeitskräfte und Qualität der Arbeitsplätze. Ökologische Kriterien sind zum Beispiel Biodiversität, Ressourcenverbrauch wie Strom oder Diesel, Saatgutfrage (samenfeste oder Hybridsorten) und Düngemitteleinkäufe. "Ich versuche damit den Konflikt Quantität und Qualität in den Betrieben aus den Familien in die Gesellschaft herauszutragen", erklärt Christian Hiß.
Der ideenreiche Demeter-Gärtner stellte den Mitgliedern ein weiteres, innovatives Projekt in Freiburg vor, bei dem die RWAG mit Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeitet. Sie wollen versuchen, zukünftig Wohnen mit Essen zu verbinden.
Das heißt, wer eine Wohnung kauft, erwirbt dazu eine landwirt-schaftliche Fläche im Umland, die ihn ernähren kann. Das sind nach einem wissenschaftlichen Projekt im Auftrag der RWAG eine Gesamtfläche pro Kopf von 25 Ar und ein Kapitalbedarf von etwa 7.000 Euro. 300 Menschen könnten so gemeinsam einen mittelgroßen Hof versorgen und erhalten. Wenn dazu 2.500 Euro pro Jahr und Mensch an diesen Öko-Betrieb gezahlt würden, bekäme der Anleger im Gegenzug alle Grund-Lebensmittel umsonst, frei Haus und regional geliefert.

15.12.2009
Neue Gesellschaftsformen in der Landwirtschaft und Verabschiedung der Gärtnerberater

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung von Demeter Baden-Württemberg wurden die langjährigen Gärtnerberater Flora und Gerhard Eisenkolb aus Ingersheim in ihren Ruhestand verabschiedet. Außerdem stellte im Handelskontor Willmann in Vaihingen-Enz Christian Hiß, Demeter-Gärtner und Gründer der badischen Regionalwert AG (RWAG,
www.regionalwert-ag.de ) aus Eichstetten, die Bürgeraktiengesellschaft als eine neue Gesellschaftsform in der Landwirtschaft vor. Er erhielt im November dafür den Sonderpreis "Social Entrepreneur der Nachhaltig-keit" des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Um die Zukunft des Bio-Marktes und des gerechten Wirtschaftens ging es beim Abschlussvortrag von Klemens Fischer, geschäftsführender Vorstand des Demeter e.V.
Vor fast zwanzig Jahren begann Gärtnermeister Gerhard Eisenkolb (65) seine Beratertätigkeit bei Demeter Baden-Württemberg. Seine Ehefrau Flora (65), ebenfalls Gärtnermeisterin, begleitete schon immer seine Arbeit. Vor sieben Jahren erhielt sie ebenfalls eine Anstellung. Demeter-Gärtner Gothart Willmann aus Ingersheim hob bei seiner Laudatio besonders die freundliche Art beider Berater und ihr großes Engagement, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, auf Messen, Hoffesten und Ausstellungen hervor. An unzähligen Wochenenden vermittelten sie Besuchern mit viel Freude die Biodynamische Wirtschaftsweise. Von Anfang an hätte Gerhard Eisenkolb seine fundierten Kenntnisse im Maschinenbau an die Gärtner weitergegeben. Er verhalf ihnen damit, ihre Arbeit deutlich zu vereinfachen und zu erleichtern.
Außerdem hätte sich der Berater zu einem Spezialist für Qualitätsfragen in der Demeter-Arbeit entwickelt: "Wie entsteht Qualität und was können wir in der praktischen Arbeit tun, um sie hervorzubringen?" Dazu gehörten Versuche zu einer effektiven Rührtechnik der Biodynamischen Heilkräuterpräparate und Qualität des Rühr-Wassers.
Als Schwerpunkt der Arbeit von Flora Eisenkolb nannte Gothart Willmann ihre unermüdliche Hilfestellung in den Betrieben mit gut organisierten Anbauplanungen. Sie reiste regelmäßig von Gärtnerei zu Gärtnerei, erstellte aufwendige Pläne, gab Tipps für eine sinnvolle Fruchtfolge und geeignetes Saatgut. Dazu war es der Beraterin sehr wichtig, mit anderen Öko-Gartenbauberatern zusammenzuarbeiten. So entstand ein vielfältiges Angebot mit gemeinsamen Veranstaltungen. Als Dankeschön für den Einsatz des Gärtner-Ehepaars überreichte Vorstand Alexander Thierfelder den Kulturliebhabern Konzertkarten und eine "Lichtwurzel", deren biodynamischer Anbau, Wirkung und Produkte Gerhard Eisenkolb schon immer fasziniert hatten.
Durch die Gründung der Regionalwert AG wird die Landwirtschaft und regionale Wirtschaft etwa hundert Kilometer um Freiburg sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig gestaltet. Christian Hiß erklärte das Prinzip und wie es dazu kam. Die RWAG erwirbt landwirtschaftliche Betriebe oder branchennahe Unternehmen und verpachtet sie an qualifizierte Unternehmer. Sie verpflichten sich im Gegenzug nachhaltig zu wirtschaften, zum Beispiel im Ökolandbau oder Artenschutz mit einem geringem Ressourcenverbrauch und bei gerechter Entlohnung. Die Aktionäre stellen den Unternehmen Kapital zur Verfügung und können sich gestalterisch an ihnen beteiligen.
Sie erhalten jährlich Berichte, in denen es nicht nur um wirtschaftliche Faktoren geht, sondern speziell um das sozialökologische Engagement der Betriebe. Zu den sozialen Faktoren gehören unter anderem Beschäftigtenstruktur, Entlohnung, Fluktuation der Arbeitskräfte und Qualität der Arbeitsplätze. Ökologische Kriterien sind zum Beispiel Biodiversität, Ressourcenverbrauch wie Strom oder Diesel, Saatgutfrage (samenfeste oder Hybridsorten) und Düngemitteleinkäufe. "Ich versuche damit den Konflikt Quantität und Qualität in den Betrieben aus den Familien in die Gesellschaft herauszutragen", erklärt Christian Hiß.
Der ideenreiche Demeter-Gärtner stellte den Mitgliedern ein weiteres, innovatives Projekt in Freiburg vor, bei dem die RWAG mit Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeitet. Sie wollen versuchen, zukünftig Wohnen mit Essen zu verbinden.
Das heißt, wer eine Wohnung kauft, erwirbt dazu eine landwirt-schaftliche Fläche im Umland, die ihn ernähren kann. Das sind nach einem wissenschaftlichen Projekt im Auftrag der RWAG eine Gesamtfläche pro Kopf von 25 Ar und ein Kapitalbedarf von etwa 7.000 Euro. 300 Menschen könnten so gemeinsam einen mittelgroßen Hof versorgen und erhalten. Wenn dazu 2.500 Euro pro Jahr und Mensch an diesen Öko-Betrieb gezahlt würden, bekäme der Anleger im Gegenzug alle Grund-Lebensmittel umsonst, frei Haus und regional geliefert.