Im Frühjahr braucht der Bauer vor allem Geduld –Demeter-Bauern sorgen jetzt mit dem Hornmistpräparat für optimale Frühjahrsfruchtbarkeit

Im Frühjahr braucht der Bauer vor allem Geduld –Demeter-Bauern sorgen jetzt mit dem Hornmistpräparat für optimale Frühjahrsfruchtbarkeit

13.04.2006

Nach dem rekordverdächtig langem Winter wird die Geduld der Bauern immer weiter strapaziert. „Wer jetzt zu früh raus fährt und mit der Frühjahrsbestellung anfängt, obwohl der Boden noch nicht optimal abgetrocknet ist, wird diesen Fehler das ganze Jahr über bereuen,“ betonen die erfahrenen Landwirte des Demeter-Verbandes, der die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise vertritt. Der Acker wird zu stark verdichtet, die Fahrspur bleibt bis zur Ernte sichtbar, dort wächst dann alles gedrückter.
„Schon mein Vater hat immer gesagt, in dieser Zeit zwischen Winter und Frühling müsste der Bauer eigentlich wegfahren – aber wir wissen ja nie wann die Witterung sich ändert und dieser Zeitpunkt wirklich da ist um solch einen Kurzurlaub zu planen,“ lacht Thomas Scharmer von Hof Dannwisch in Schleswig Holstein nahe Elmshorn. Bei ihm warten zwölf Hektar Ackerland auf die Saat von Roggen, Lupinen und Sommerweizen. Auf die 34 Hektar Wintergetreide-Felder soll noch Kleegrasmischung als Untersaat kommen. Es dient dann nach der Ernte als Futter und bleibt zwei Jahre stehen – eine sinnvolle Fruchtfolge für den bio-dynamisch bestellten Boden. So kann die natürliche Fruchtbarkeit gesteigert werde – ganz ohne die Zufuhr synthetischer Dünger.
Im letzten Jahr war um diese Zeit längst alles erledigt, aber 2006 ist die Vegetationspause deutlich länger. Schließlich gab es spät im März noch mal 25 Zentimeter Schnee hoch im Norden. Kein Wunder, dass die Böden jetzt mehr als gesättigt sind mit Wasser. Also bleibt auch die Spritze noch unter Dach.
Demeter-Bauern sind unter den Bio-Bauern die einzigen, die auch mit diesem ansonsten verpönten Sprühgerät arbeiten. Sie setzen allerdings auf Biologisch-Dynamische Präparate, die sie selbst herstellen: Aus Baldrian, Kamille, Eichenrinde, fein zerriebenen Quarzkristallen, Schafgarbe oder einem Kuhhorn, das – mit Kuhdung gefüllt – im Frühherbst vergraben wird. Dieses Hornmist-Präparat wird im Frühjahr aus dem Horn geschabt und in einem bestimmten Verhältnis mit Wasser verrührt. Dynamisieren nennt Demeter das.
Denn auf diese Weise lassen sich die gesammelten kosmischen Kräfte des Präparats unmittelbar auf das Wasser übertragen. Und das bringen die Bauern als feinen Sprühregen auf die Nutzflächen aus. Es wirkt dann wie in der Homöopathie energetisch auf Boden und Pflanzen.
Das Ergebnis ist wissenschaftlich erforscht: Durch die Biologisch-Dynamischen Präparate wird der Boden immer lebendiger. Seine Humusschicht wächst, die Pflanzen wachsen harmonischer und werden kräftiger. „Wir Demeter-Landwirte geben so der Natur mehr zurück, als wir ihr nehmen. Der Boden wird fruchtbarer, wird gefördert und sogar geheilt. Damit er uns und die nachfolgenden Generationen auch in den nächsten Jahrhunderten richtig ernähren kann,“ weiß Thomas Scharmer. Vor und während des Säens wird auf Hof Dannwisch Hornmist gespritzt. Beim Wintergetreide steht als nächstes das Kieselpräparat an. Dannwisch wird seit fast 50 Jahren nach den bio-dynamischen Prinzipien bewirtschaftet. Fünf Familien sind hauptverantwortlich für den vielfältigen Hofes zuständig. Die Bauern und Gärtner leben mit ihren Familien und mit zu betreuenden Erwachsenen, mit Auszubildenden, Gehilfen und Praktikanten dort.
Außerdem rund 100 Rinder, darunter 40 Milchkühe, der alten Nutzungsrichtung der “Rotbunten Schleswig-Holsteiner”. Mastschweine tummeln sich in einem gemütlich mit Stroh gepolsterten Schweinestall oder im Offenstall bei den Jungrindern. „Die sind froh über den Wetterwechsel,“ kommentiert Scharmer die übermütige Stimmung in der ersten lauen Frühlingsluft.
Auch Siegfried Meyer hat eine Nase voll genommen – gemeinsam mit seinen Kühen hat er den Frühling gerochen. Lang hat es gedauert in diesem Jahr, doch jetzt ist er sicher. „Die Kühe spüren das Gras wachsen, bevor wir das überhaupt sehen können,“ erzählt der bio-dynamische Landwirt aus Opfenried bei Dinkelsbühl in Franken. Der Milchviehbetrieb mit der imposanten Herde aus Schwarzbunten und Fleckvieh hat 20 Hektar Dauergrünland und 31 Hektar Ackerfläche. Im Außenklimastall bekommen die Tiere das Wetter immer hautnah mit, haben Bewegung und täglich Auslauf. Selbst auf die nahe Weide durften sie, so lange der Boden gefroren war. Jetzt allerdings müssen auch sie Geduld aufbringen. „Erst wenn ein bisschen Gras gewachsen und der Boden abgetrocknet ist kommen sie wieder raus,“ kündigt Meyer an. Dann heißt es die Weidezeit genau zu dosieren, denn zuviel junges frisches Gras bringt den empfindlichen Verdauungsapparat der Wiederkäuer schnell durcheinander. „Bei Laufstallkühen wie meinen reichen dann schon mal 20 Minuten Weidegang, denn die springen nicht erst noch lange durch die Gegend, sondern nehmen nach ein paar Hupfern den Kopf runter und fressen. Kühe aus der Anbindehaltung toben sich erst mal tagelang richtig aus bevor sie ans Gras denken.“ Für die Verbraucher bedeutet die Futterumstellung eine deutliche Geschmacksveränderung der Milch – und vor allem auch eine schöne gelbe Färbung der Butter. „Die Milchleistung unserer Demeter-Kühe geht im Winter immer deutlich zurück, das kann schon 30 Prozent ausmachen,“ weiß Siggi Meyer. „In der konventionellen Landwirtschaft wird häufig ganzjährig Kraftfutter und Silage gereicht, da merkt niemand einen Unterschied. Aber bei uns ist das anders, weil wir die Milch aus dem Grundfutter erwirtschaften wollen, was dem Wesen der Kuh als Raufutterfresser entspricht und wirkliche Qualität erzeugt.“
Deshalb baut Meyer neun Hektar Kleegras an, um neben dem täglichen Weidegang üppig Grünfutter vorlegen zu können. Seine Kühe danken es ihm mit rund 7000 Liter Milch pro Jahr und einem langen Leben bei guter Fruchtbarkeit in einer eingespielten Herdengemeinschaft. Die älteste im Verbund, Arve, wurde vor 14 Jahren auf dem Demeter-Hof geboren und hat inzwischen schon elf Kälber gebracht. Die Molkerei Hohenlohe-Franken in Schrozberg, an die Meyer seine Milch abgibt, weiß die bio-dynamische Qualität zu schätzen.  „Qualität von Anfang an“ ist Prinzip bei Karl-Josef Müller, dem bio-dynamischen Getreidezüchter in Darzau zwischen Lüneburg und Dannenberg. Die Anforderungen sind für ihn, der Saatgut züchtet, damit die Bio-Bauern eine gute Ernte einfahren können, im Frühjahr besonders hoch. „Wann ist der Boden am allerbesten fürs Säen?“ fragt er sich jetzt tagein tagaus. Wenn dicke Klumpen an den Schuhen hängen bleiben ist es eindeutig noch zu nass. Ideal ist der feine, locker-krümelige Boden. Dann geht die Saat am besten auf und hat optimale Startbedingungen. „Der konventionelle Bauer gleicht solche Dinge mit mehr Mineraldünger aus, da spielt die Bodenbeschaffenheit keine so entscheidende Rolle,“ vergleicht Müller. Auch die Temperatur muss stimmen. Hafer und Roggen wachsen schon bei ein bis zwei Grad, Gerste hat´s gern zwei Grad wärmer und Mais und Hirse brauchen noch mehr Wärme. „Wenn dann noch ein Spätfrost rein fährt, gibt es oft Schäden in der Bestandsbildung.“ Müller kombiniert nach dem Pflügen das Säen mit einem Feinkrümler und fährt so einmal weniger über den Acker. Das bio-dynamische Hornmist-Präparat wird zum Teil vor Aussaat oder möglichst gleich nach dem Säen versprüht. Zehn Tage bis drei Wochen braucht das Getreide bis es keimt und austreibt. Dann folgt noch das Hornkiesel-Präparat, das fein versprüht die Beziehung der Pflanze zum Licht begünstigt. Die Wüchsigkeit wird vom Züchter sorgfältig beobachtet und dokumentiert. So kann er zu seinen Sorten genaue Eigenschaften beschreiben.
„Wenn eine Sorte in der Jugendentwicklung stark ist, dann kann sie besser mit Ackerwildkräutern konkurrieren,“ heißt es dann etwa unter den Experten. Die Bauern wählen unter den bio-dynamischen Sorten wie Goldblumenweizen oder Lichtkornroggen dann gezielt aus, was zu ihren Bedürfnissen und Standorten passt. Bis dahin ist es für den Züchter jedoch ein weiter Weg. Die Entwicklung einer neuen Sorte zieht sich über zehn bis 15 Jahre hin und bis eine neue Sorte offiziell zugelassen wird, kommen noch einmal weit über 10.000 Euro Prüfungskosten an das Bundessortenamt zusammen. In der praktischen Saatguterzeugung finden dann jedes Jahr Feldprüfungen mit Feldbesichtigungen statt, wird analysiert und alles bei den staatlichen Saatgutanerkennungsstellen registriert. Das kostet dann pro Saatgutpartie allein rund 100 Euro an Gebühren
– ganz abgesehen von den zusätzlichen Aufwendungen des Saatgut erzeugenden Landwirts, der Saatgutaufbereitung und dem Saatgutvertrieb, die über den Saatgutpreis mitfinanziert werden müssen. Kein Wunder, dass der Saatgutmarkt von Großkonzernen beherrscht wird, die ihre Sorten über große Flächen verbreitet sehen wollen.
In der Getreidezüchtungsforschung Darzau dagegen werden unter dem Dach der Gesellschaft für goetheanistische Forschung eV (GfgF) unter biologisch-dynamischen Anbaubedingungen Kriterien für die Züchtung von Getreide im Hinblick auf die besonderen Bedingungen des ökologischen Anbaus und für eine umfassende Ernährung des Menschen entwickelt und in neue, regional ausgerichtete Sorten umgesetzt. „Biologische Sorten sind für uns aber existentiell wichtig, denn nur wenn wir eigenes Saatgut für die speziellen Herausforderungen des ökologischen Landbaus haben, können wir unabhängig und qualitätsorientiert arbeiten,“ ist sich Müller mit den Demeter-Bauern einig.
Und viele Verbraucher wissen die Früchte dieser Arbeit zu schätzen. „Es gibt sogar erste Hinweise, dass einige Menschen, die auf herkömmlichen Weizen empfindlich reagieren, unseren biologisch-dynamisch angebauten Goldblumenweizen gut vertragen,“ weiß Müller.
Auf Dannwisch behält Thomas Scharmer immer Körner von der eigenen Ernte für die Aussaat zurück. „So haben wir über Jahre unsere eigenen Hofsorten entwickelt.“ 100 Kilo sind pro Hektar im Schnitt nötig, also lagern rund fünf Tonnen Saatgut in der Scheune und warten auf den richtigen Zeitpunkt.
Der ist für Franz Eitzinger eigentlich längst verstrichen. In Obing-Frabertsham im Chiemgau hat er Ende März nach vier Monaten zum ersten Mal wieder seine Erdbeerenpflanzen gesehen. So lange waren sie unter dicken Schneemassen versteckt. „Ich kann mich nicht erinnern jemals so viel und so lange durchgehend Schnee gehabt zu haben,“ meint der 59jährige Österreicher, der seit 1991 den Demeter-Beerenhof in Oberbayern betreibt. In seiner gemischten bio-dynamischen Landwirtschaft mit einer stattlichen Herde schottischer Hochlandrinder spielen die Beeren die größte Rolle. Normaler Weise hat er im Winter genug Zeit, seine Heidelbeerpflanzen auszuschneiden, zu düngen und zu mulchen. Diesmal muss er die Arbeit im Frühjahr machen, wenn ohnehin alles auf einmal ansteht. Auf den zwei Hektar stehen 6000 Heidelbeerpflanzen – mit ihrer stattlichen Höhe von bis zu zwei Metern haben die schon aus dem Schnee rausgeschaut. „40 Tage braucht es bis ich die alle einzeln ausgeschnitten habe,“ berichtet der Beeren-Franz, wie er im Chiemgau heißt. So viel Zeit ist jetzt nicht mehr und er wird Hilfe benötigen, um das Ganze im Schnellverfahren zu absolvieren, Denn gleichzeitig müssen wir mit Holz- und Rindenschnitzeln und Sägespanen mulchen, mit Hornmehl düngen und natürlich die bio-dynamischen
Präparate aus Hornmist und Hornkiesel spritzen,“ zählt er das anstehende Programm auf.
Gelassen hat er zur Kenntnis genommen, dass seine Pflanzen – neben den Heidelbeeren auch noch Erdbeeren und Himbeeren – zum größten Teil schwarz vor Pilzsporen aus dem Schnee aufgetaucht sind. „Da war der starke Regen, der gleich kam, ein richtiger Segen, denn der hat alles abgewaschen und so können die keinen Schaden mehr anrichten.“ Weniger glimpflich ging es beim Roggen aus. Auf 2,5 Hektar hatte Franz Eitzinger den im Spätherbst ausgesät. Weil seit Mitte November bis weit in den März hinein eine dicke Schneeschicht den Boden isolierte, konnten die Pflanzen unten drunter nicht abtrocknen und jetzt zeigt sich der gefürchtete Schneeschimmel. „Da werde ich wohl Leguminosen drauf säen, die ich beim ersten Schnitt als Futter für die Rinder nutzen kann und als zweiten Schnitt dann mulchen und als Gründüngung in den Boden einarbeiten werde,“ plant er. So kann er alles als Futter nutzen, denn ab Juli sind die Flächen bereits für die Erdbeeren reserviert, die dann neu gesetzt werden müssen. Reichlich zu tun also für den zugereisten Oberbayern, der seine Demeter-Beeren frisch auf den Märkten und in den Bioläden der Region anbietet. Seine vielen Stammkunden wissen es zu schätzen, dass die süßen Früchtchen als Marmelade oder Saft über das ganze Jahr zu haben sind. „Aber so wie es warm wird warten sie dann schon auf die neue Ernte,“ weiß Familie Eitzinger, für die die Saison schon begonnen hat. „Der Winter war lang genug, jetzt kann´s losgehen.“ Vor allem das Selberpflücken mit reichlich Naschen dabei ist dann in der Saison beliebt.

13.04.2006
Im Frühjahr braucht der Bauer vor allem Geduld –Demeter-Bauern sorgen jetzt mit dem Hornmistpräparat für optimale Frühjahrsfruchtbarkeit

Nach dem rekordverdächtig langem Winter wird die Geduld der Bauern immer weiter strapaziert. „Wer jetzt zu früh raus fährt und mit der Frühjahrsbestellung anfängt, obwohl der Boden noch nicht optimal abgetrocknet ist, wird diesen Fehler das ganze Jahr über bereuen,“ betonen die erfahrenen Landwirte des Demeter-Verbandes, der die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise vertritt. Der Acker wird zu stark verdichtet, die Fahrspur bleibt bis zur Ernte sichtbar, dort wächst dann alles gedrückter.
„Schon mein Vater hat immer gesagt, in dieser Zeit zwischen Winter und Frühling müsste der Bauer eigentlich wegfahren – aber wir wissen ja nie wann die Witterung sich ändert und dieser Zeitpunkt wirklich da ist um solch einen Kurzurlaub zu planen,“ lacht Thomas Scharmer von Hof Dannwisch in Schleswig Holstein nahe Elmshorn. Bei ihm warten zwölf Hektar Ackerland auf die Saat von Roggen, Lupinen und Sommerweizen. Auf die 34 Hektar Wintergetreide-Felder soll noch Kleegrasmischung als Untersaat kommen. Es dient dann nach der Ernte als Futter und bleibt zwei Jahre stehen – eine sinnvolle Fruchtfolge für den bio-dynamisch bestellten Boden. So kann die natürliche Fruchtbarkeit gesteigert werde – ganz ohne die Zufuhr synthetischer Dünger.
Im letzten Jahr war um diese Zeit längst alles erledigt, aber 2006 ist die Vegetationspause deutlich länger. Schließlich gab es spät im März noch mal 25 Zentimeter Schnee hoch im Norden. Kein Wunder, dass die Böden jetzt mehr als gesättigt sind mit Wasser. Also bleibt auch die Spritze noch unter Dach.
Demeter-Bauern sind unter den Bio-Bauern die einzigen, die auch mit diesem ansonsten verpönten Sprühgerät arbeiten. Sie setzen allerdings auf Biologisch-Dynamische Präparate, die sie selbst herstellen: Aus Baldrian, Kamille, Eichenrinde, fein zerriebenen Quarzkristallen, Schafgarbe oder einem Kuhhorn, das – mit Kuhdung gefüllt – im Frühherbst vergraben wird. Dieses Hornmist-Präparat wird im Frühjahr aus dem Horn geschabt und in einem bestimmten Verhältnis mit Wasser verrührt. Dynamisieren nennt Demeter das.
Denn auf diese Weise lassen sich die gesammelten kosmischen Kräfte des Präparats unmittelbar auf das Wasser übertragen. Und das bringen die Bauern als feinen Sprühregen auf die Nutzflächen aus. Es wirkt dann wie in der Homöopathie energetisch auf Boden und Pflanzen.
Das Ergebnis ist wissenschaftlich erforscht: Durch die Biologisch-Dynamischen Präparate wird der Boden immer lebendiger. Seine Humusschicht wächst, die Pflanzen wachsen harmonischer und werden kräftiger. „Wir Demeter-Landwirte geben so der Natur mehr zurück, als wir ihr nehmen. Der Boden wird fruchtbarer, wird gefördert und sogar geheilt. Damit er uns und die nachfolgenden Generationen auch in den nächsten Jahrhunderten richtig ernähren kann,“ weiß Thomas Scharmer. Vor und während des Säens wird auf Hof Dannwisch Hornmist gespritzt. Beim Wintergetreide steht als nächstes das Kieselpräparat an. Dannwisch wird seit fast 50 Jahren nach den bio-dynamischen Prinzipien bewirtschaftet. Fünf Familien sind hauptverantwortlich für den vielfältigen Hofes zuständig. Die Bauern und Gärtner leben mit ihren Familien und mit zu betreuenden Erwachsenen, mit Auszubildenden, Gehilfen und Praktikanten dort.
Außerdem rund 100 Rinder, darunter 40 Milchkühe, der alten Nutzungsrichtung der “Rotbunten Schleswig-Holsteiner”. Mastschweine tummeln sich in einem gemütlich mit Stroh gepolsterten Schweinestall oder im Offenstall bei den Jungrindern. „Die sind froh über den Wetterwechsel,“ kommentiert Scharmer die übermütige Stimmung in der ersten lauen Frühlingsluft.
Auch Siegfried Meyer hat eine Nase voll genommen – gemeinsam mit seinen Kühen hat er den Frühling gerochen. Lang hat es gedauert in diesem Jahr, doch jetzt ist er sicher. „Die Kühe spüren das Gras wachsen, bevor wir das überhaupt sehen können,“ erzählt der bio-dynamische Landwirt aus Opfenried bei Dinkelsbühl in Franken. Der Milchviehbetrieb mit der imposanten Herde aus Schwarzbunten und Fleckvieh hat 20 Hektar Dauergrünland und 31 Hektar Ackerfläche. Im Außenklimastall bekommen die Tiere das Wetter immer hautnah mit, haben Bewegung und täglich Auslauf. Selbst auf die nahe Weide durften sie, so lange der Boden gefroren war. Jetzt allerdings müssen auch sie Geduld aufbringen. „Erst wenn ein bisschen Gras gewachsen und der Boden abgetrocknet ist kommen sie wieder raus,“ kündigt Meyer an. Dann heißt es die Weidezeit genau zu dosieren, denn zuviel junges frisches Gras bringt den empfindlichen Verdauungsapparat der Wiederkäuer schnell durcheinander. „Bei Laufstallkühen wie meinen reichen dann schon mal 20 Minuten Weidegang, denn die springen nicht erst noch lange durch die Gegend, sondern nehmen nach ein paar Hupfern den Kopf runter und fressen. Kühe aus der Anbindehaltung toben sich erst mal tagelang richtig aus bevor sie ans Gras denken.“ Für die Verbraucher bedeutet die Futterumstellung eine deutliche Geschmacksveränderung der Milch – und vor allem auch eine schöne gelbe Färbung der Butter. „Die Milchleistung unserer Demeter-Kühe geht im Winter immer deutlich zurück, das kann schon 30 Prozent ausmachen,“ weiß Siggi Meyer. „In der konventionellen Landwirtschaft wird häufig ganzjährig Kraftfutter und Silage gereicht, da merkt niemand einen Unterschied. Aber bei uns ist das anders, weil wir die Milch aus dem Grundfutter erwirtschaften wollen, was dem Wesen der Kuh als Raufutterfresser entspricht und wirkliche Qualität erzeugt.“
Deshalb baut Meyer neun Hektar Kleegras an, um neben dem täglichen Weidegang üppig Grünfutter vorlegen zu können. Seine Kühe danken es ihm mit rund 7000 Liter Milch pro Jahr und einem langen Leben bei guter Fruchtbarkeit in einer eingespielten Herdengemeinschaft. Die älteste im Verbund, Arve, wurde vor 14 Jahren auf dem Demeter-Hof geboren und hat inzwischen schon elf Kälber gebracht. Die Molkerei Hohenlohe-Franken in Schrozberg, an die Meyer seine Milch abgibt, weiß die bio-dynamische Qualität zu schätzen.  „Qualität von Anfang an“ ist Prinzip bei Karl-Josef Müller, dem bio-dynamischen Getreidezüchter in Darzau zwischen Lüneburg und Dannenberg. Die Anforderungen sind für ihn, der Saatgut züchtet, damit die Bio-Bauern eine gute Ernte einfahren können, im Frühjahr besonders hoch. „Wann ist der Boden am allerbesten fürs Säen?“ fragt er sich jetzt tagein tagaus. Wenn dicke Klumpen an den Schuhen hängen bleiben ist es eindeutig noch zu nass. Ideal ist der feine, locker-krümelige Boden. Dann geht die Saat am besten auf und hat optimale Startbedingungen. „Der konventionelle Bauer gleicht solche Dinge mit mehr Mineraldünger aus, da spielt die Bodenbeschaffenheit keine so entscheidende Rolle,“ vergleicht Müller. Auch die Temperatur muss stimmen. Hafer und Roggen wachsen schon bei ein bis zwei Grad, Gerste hat´s gern zwei Grad wärmer und Mais und Hirse brauchen noch mehr Wärme. „Wenn dann noch ein Spätfrost rein fährt, gibt es oft Schäden in der Bestandsbildung.“ Müller kombiniert nach dem Pflügen das Säen mit einem Feinkrümler und fährt so einmal weniger über den Acker. Das bio-dynamische Hornmist-Präparat wird zum Teil vor Aussaat oder möglichst gleich nach dem Säen versprüht. Zehn Tage bis drei Wochen braucht das Getreide bis es keimt und austreibt. Dann folgt noch das Hornkiesel-Präparat, das fein versprüht die Beziehung der Pflanze zum Licht begünstigt. Die Wüchsigkeit wird vom Züchter sorgfältig beobachtet und dokumentiert. So kann er zu seinen Sorten genaue Eigenschaften beschreiben.
„Wenn eine Sorte in der Jugendentwicklung stark ist, dann kann sie besser mit Ackerwildkräutern konkurrieren,“ heißt es dann etwa unter den Experten. Die Bauern wählen unter den bio-dynamischen Sorten wie Goldblumenweizen oder Lichtkornroggen dann gezielt aus, was zu ihren Bedürfnissen und Standorten passt. Bis dahin ist es für den Züchter jedoch ein weiter Weg. Die Entwicklung einer neuen Sorte zieht sich über zehn bis 15 Jahre hin und bis eine neue Sorte offiziell zugelassen wird, kommen noch einmal weit über 10.000 Euro Prüfungskosten an das Bundessortenamt zusammen. In der praktischen Saatguterzeugung finden dann jedes Jahr Feldprüfungen mit Feldbesichtigungen statt, wird analysiert und alles bei den staatlichen Saatgutanerkennungsstellen registriert. Das kostet dann pro Saatgutpartie allein rund 100 Euro an Gebühren
– ganz abgesehen von den zusätzlichen Aufwendungen des Saatgut erzeugenden Landwirts, der Saatgutaufbereitung und dem Saatgutvertrieb, die über den Saatgutpreis mitfinanziert werden müssen. Kein Wunder, dass der Saatgutmarkt von Großkonzernen beherrscht wird, die ihre Sorten über große Flächen verbreitet sehen wollen.
In der Getreidezüchtungsforschung Darzau dagegen werden unter dem Dach der Gesellschaft für goetheanistische Forschung eV (GfgF) unter biologisch-dynamischen Anbaubedingungen Kriterien für die Züchtung von Getreide im Hinblick auf die besonderen Bedingungen des ökologischen Anbaus und für eine umfassende Ernährung des Menschen entwickelt und in neue, regional ausgerichtete Sorten umgesetzt. „Biologische Sorten sind für uns aber existentiell wichtig, denn nur wenn wir eigenes Saatgut für die speziellen Herausforderungen des ökologischen Landbaus haben, können wir unabhängig und qualitätsorientiert arbeiten,“ ist sich Müller mit den Demeter-Bauern einig.
Und viele Verbraucher wissen die Früchte dieser Arbeit zu schätzen. „Es gibt sogar erste Hinweise, dass einige Menschen, die auf herkömmlichen Weizen empfindlich reagieren, unseren biologisch-dynamisch angebauten Goldblumenweizen gut vertragen,“ weiß Müller.
Auf Dannwisch behält Thomas Scharmer immer Körner von der eigenen Ernte für die Aussaat zurück. „So haben wir über Jahre unsere eigenen Hofsorten entwickelt.“ 100 Kilo sind pro Hektar im Schnitt nötig, also lagern rund fünf Tonnen Saatgut in der Scheune und warten auf den richtigen Zeitpunkt.
Der ist für Franz Eitzinger eigentlich längst verstrichen. In Obing-Frabertsham im Chiemgau hat er Ende März nach vier Monaten zum ersten Mal wieder seine Erdbeerenpflanzen gesehen. So lange waren sie unter dicken Schneemassen versteckt. „Ich kann mich nicht erinnern jemals so viel und so lange durchgehend Schnee gehabt zu haben,“ meint der 59jährige Österreicher, der seit 1991 den Demeter-Beerenhof in Oberbayern betreibt. In seiner gemischten bio-dynamischen Landwirtschaft mit einer stattlichen Herde schottischer Hochlandrinder spielen die Beeren die größte Rolle. Normaler Weise hat er im Winter genug Zeit, seine Heidelbeerpflanzen auszuschneiden, zu düngen und zu mulchen. Diesmal muss er die Arbeit im Frühjahr machen, wenn ohnehin alles auf einmal ansteht. Auf den zwei Hektar stehen 6000 Heidelbeerpflanzen – mit ihrer stattlichen Höhe von bis zu zwei Metern haben die schon aus dem Schnee rausgeschaut. „40 Tage braucht es bis ich die alle einzeln ausgeschnitten habe,“ berichtet der Beeren-Franz, wie er im Chiemgau heißt. So viel Zeit ist jetzt nicht mehr und er wird Hilfe benötigen, um das Ganze im Schnellverfahren zu absolvieren, Denn gleichzeitig müssen wir mit Holz- und Rindenschnitzeln und Sägespanen mulchen, mit Hornmehl düngen und natürlich die bio-dynamischen
Präparate aus Hornmist und Hornkiesel spritzen,“ zählt er das anstehende Programm auf.
Gelassen hat er zur Kenntnis genommen, dass seine Pflanzen – neben den Heidelbeeren auch noch Erdbeeren und Himbeeren – zum größten Teil schwarz vor Pilzsporen aus dem Schnee aufgetaucht sind. „Da war der starke Regen, der gleich kam, ein richtiger Segen, denn der hat alles abgewaschen und so können die keinen Schaden mehr anrichten.“ Weniger glimpflich ging es beim Roggen aus. Auf 2,5 Hektar hatte Franz Eitzinger den im Spätherbst ausgesät. Weil seit Mitte November bis weit in den März hinein eine dicke Schneeschicht den Boden isolierte, konnten die Pflanzen unten drunter nicht abtrocknen und jetzt zeigt sich der gefürchtete Schneeschimmel. „Da werde ich wohl Leguminosen drauf säen, die ich beim ersten Schnitt als Futter für die Rinder nutzen kann und als zweiten Schnitt dann mulchen und als Gründüngung in den Boden einarbeiten werde,“ plant er. So kann er alles als Futter nutzen, denn ab Juli sind die Flächen bereits für die Erdbeeren reserviert, die dann neu gesetzt werden müssen. Reichlich zu tun also für den zugereisten Oberbayern, der seine Demeter-Beeren frisch auf den Märkten und in den Bioläden der Region anbietet. Seine vielen Stammkunden wissen es zu schätzen, dass die süßen Früchtchen als Marmelade oder Saft über das ganze Jahr zu haben sind. „Aber so wie es warm wird warten sie dann schon auf die neue Ernte,“ weiß Familie Eitzinger, für die die Saison schon begonnen hat. „Der Winter war lang genug, jetzt kann´s losgehen.“ Vor allem das Selberpflücken mit reichlich Naschen dabei ist dann in der Saison beliebt.