Experteninterview zum Thema Agro-Gentechnik mit der Ärztin Angela von Beesten:

Agro-Gentechnik führt unkalkulierbare Risiken in die Ernährung ein

Experteninterview zum Thema Agro-Gentechnik mit der Ärztin Angela von Beesten:

09.10.2008

Das Thema Agro-Gentechnik polarisiert wie kaum ein anderes. Die Industrie propagiert die Labortechnik als Lösung für fast alle Probleme im Bereich Landwirtschaft und Ernährung, während über 70 Prozent der Bürger gentechnisch veränderte Lebensmittel und die Freisetzung von gentechnisch manipulierten Pflanzen ablehnen. Für das PresseForum BioBranche (PFBB) befragte Renée Herrnkind, Pressesprecherin von Demeter, die Ärztin Angela von Beesten zu den Risiken der Agro-Gentechnik.
Angela von Beesten (Foto) ist praktizierende Ärztin und Vorstands-mitglied im Ökologischen Ärztebund. Ihr Schwerpunktthema ist die Auseinandersetzung mit Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung.
Warum raten Sie von der Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen ab?
Ich lehne Agro-Gentechnik ab, weil sie überflüssig ist und bereits schlimme Folgen zeigt. Diese Risikotechnologie bietet keine Lösung für die Erfordernisse einer gesunden, artgerechten und umweltverträglichen Ernährung und Lebensmittelproduktion. Im Gegenteil führen die gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen neue, nicht einschätzbare Risiken in die Ernährung ein. Die Konzentration auf diese Technologie bindet Forschungsgelder, die dringend für Qualitätsforschung in biologischer Saatguterzeugung und Landwirtschaft sowie in Projekten zur Förderung der Ernährungs- und Esskultur gebraucht werden.
Die zehnjährige Anwendungsgeschichte der Agro-Gentechnik zeigt drastisch, dass sie nicht dem Wohl des Menschen und seiner Mit-Welt dient, sondern den Interessen von wenigen Chemie- und Saatgutmultis, die den Saatgut-markt kontrollieren wollen. Einige der bereits sichtbaren Folgen sind zum Beispiel die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft mit Massenselbstmorden von Bauern in Indien, die ihre Lizenzgebühr für das patentierte Saatgut nicht mehr bezahlen konnten; Regenwaldab-holzung für den Anbau von gv-Soja in Brasilien; totale gentechnische Verunreinigung des Rapsanbaus in Kanada.
Die Industrie verspricht besonders gesunde Nahrungspflanzen, das müsste Sie als Ärztin doch überzeugen?
Die Zukunftsvisionen von gentechnisch „verbesserten“ Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen zeigen nur, wie mit immer raffinierteren Methoden eine hightec-Ernährung konzipiert wird, die den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will. Gentechnik ist keine Lösung für die Folgekrankheiten der industriellen Fehlernährung. Im Gegenteil betrachte ich sie als dramatische Zuspitzung des technischen Eingriffs an Nahrungspflanzen und landwirtschaftlichen Nutztieren. Die Ernährung des Menschen im Industriezeitalter kann auch ohne Gentechnik oftmals schon als nicht mehr artgerecht angesehen werden. Die Über- und Fehlernährung mit Industriekost und zu viel tierischem Eiweiß, Zucker und Fett bei gleichzeitigem Bewegungsmangel hat chronische Krankheiten zur Folge, die in der reichen westlichen Welt zunehmen. Besonders jüngere Menschen leiden zunehmend an Diabetes oder Fettsucht. In armen Ländern entsteht die groteske Situation, dass einerseits Menschen am Hunger erkranken und sterben und anderer-seits zunehmend auch an den Folgen von Fehlernährung mit Industriekost leiden. Die Bestrebungen von Industrie, Wissenschaft und staatlichen Institutionen, viel Geld in die Entwicklung von gentechnisch verfremdeten „Functional Food“ zu stecken, gehen am Ziel der artgerechten menschlichen Ernährung erst recht vorbei, denn der Mensch ist evolutionär nicht darauf vorbereitet, diese Kunstprodukte zu verarbeiten.
So setzt leider auch die Fördermaßnahme ‚Funktionelle Ernährungs-
forschung’ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf das falsche Pferd. Hightec-Ernährung löst nicht die Ursachen von Fehlernährung, die in einem Überangebot ungesunder Produkte oder in einem Mangel an ausreichender Nahrung bestehen. Notwendig wäre es stattdessen, eine Ernährungskultur zu pflegen und wieder neu zu entwickeln, die eine möglichst Natur belassene, vitalstoffreiche Ernährung praktiziert.
Kennen Sie konkrete Risiken durch genveränderte Nahrung?
Der Verzehr von genveränderter Nahrung durch Millionen von Menschen ist ein weltweites, unkontrolliertes Experiment mit ungewissem Ausgang und ohne Nutzen für die Gesundheit.
Schon der gentechnische Eingriff selbst steht im Verdacht, unvorher-gesehene Ereignisse mit sich zu bringen. Der Eingriff in das Genom von Pflanzen und Tieren hat zelluläre Regulationsmechanismen zur Folge, deren Auswirkungen nicht vorhersehbar sind, da solche Gen-Konstrukte bisher in der Natur nicht vorkamen. Es könnte etwa sein, dass neue Proteine oder Toxine entstehen oder dass die gewünschte erzeugte Eigenschaft nicht stabil ist. Dieses Nicht-Wissen wird bei der Risikoabschätzung ausgeklammert.
Gv-Pflanzen sind überwiegend mit Antibiotika-Resistenz-Genen ausgestattet. Die Resistenz kann auf Darmbakterien übertragen werden. Auf diese Weise werden Resistenzen gegen Antibiotika gefördert, die in der Medizin noch gebräuchlich sind - ein völlig unakzeptables Risiko.
Es gibt bisher keine systematischen Untersuchungen am Menschen zu den Auswirkungen des Konsums gentechnisch veränderter Produkte und sie ließe sich aufgrund der Komplexität der Nahrungsmittel wohl auch kaum durchführen. Fütterungsstudien an Tieren liefern allerdings bereits deutliche Hinweise auf gesundheitliche Gefahren.
Bereits 1997/98 wurden am Rowett Institut (RRI) in Aberdeen/Schottland von Arpad Pusztai in Fütterungsstudien an Ratten veränderte Organgewichte und Anzeichen für eine Schädigung des Immunsystems nachgewiesen. Spektakulär an diesem Versuch war, dass diese Veränderungen nur bei jenen Ratten auftraten, die mit Kartoffeln gefüttert wurden, die durch gentechnische Veränderung ein Lektin aus Schneeglöckchen enthielten. Wurde das gleiche Lektin als Futterzusatz beigemischt, zeigten die Ratten keine Veränderungen. Die Schluss-folgerung des Wissenschaftlers war, dass nicht die Wirkung des angereicherten Lektin-Gens die Ursache für die Schädigung der Ratten war, sondern andere Teile der eingeschleusten Gensequenzen, die auf noch unbekannte Weise der Kartoffel eine neue Toxizität verleihen.
Ein weiteres Beispiel ist ein Versuch an Feldmäusen, der in Australien durchgeführt wurde. Die Tiere wurden mit Erbsen gefüttert, denen ein Bohnen-Gen eingepflanzt worden war. Die australische Regierung brach den Versuch im November 2005 aus Sicherheitsgründen ab, weil diese Erbsen bei den Feldmäusen Lungenentzündungen auslösten. Die Forscher standen vor der für sie vollkommen überraschenden Tatsache, dass die gleiche genetische Bauanweisung in Erbsen und Bohnen zu unterschiedlichen Produkten geführt hatte.
Die gv-Pflanzen, die bisher zur Marktreife gelangt sind, gehören fast ausschließlich zu den Pflanzen der so genannten ersten Generation. Der an ihnen vollzogene gentechnische Eingriff ist verhältnismäßig einfach im Vergleich zu den für die Zukunft geplanten gv-Pflanzen, in denen Impf-stoffe oder spezielle Enzyme und industriell verwertbare Rohstoffe erzeugt werden sollen. Mit dem Anbau dieser Pflanzen sind erhebliche Risiken verbunden.
Durch den Konsum gentechnisch veränderter Nahrung könnten im Organismus des Konsumenten auf die Dauer unvorhersehbare, unbeabsichtigte Effekte auftreten, die sich nicht im Voraus einschätzen lassen und möglicherweise gar nicht erkannt werden können, weil der Ursache-Wirkungsmechanismus und die Wechselwirkungen unter-schiedlicher gentechnischer Konstrukte nicht bekannt sind.
Sie arbeiten in Ihrer Praxis auch psychotherapeutisch. Wie beurteilen Sie die zum Teil sehr emotionale Diskussion zur Agro-Gentechnik?
Die Debatte um ein so existentielles Thema kann ja nicht emotionslos sein. Während die Befürworter der Gentechnik diese mit Macht auf dem Markt voranbringen wollen, lehnen ihre Gegner sie aus guten Gründen energisch ab.
In Deutschland befinden wir uns derzeit in einer scheinbar unlösbaren Zwickmühlensituation, denn per Gesetz wurde vorgeschrieben, was nicht gelingen kann: gv-Pflanzen sollen mit geringen „Sicherheitsabständen“ neben ihren nicht manipulierten Artgenossen wachsen. Die Interessen-konflikte liegen auf der Hand. Je mehr die Technologie mit Macht und Geld gegen den Willen der Menschen umgesetzt wird, je mehr sie die gentechnikfreie konventionelle und biologische Landwirtschaft verein-nahmt und deren Werte nicht respektiert, umso mehr wird sich Polarisierung und Machtkampf entwickeln. In dieser entscheidenden Phase der gesellschaftlichen Auseinandersetzung geht es zum Einen um sachliche Aufklärung, zum Anderen um das Aufzeigen von Handlungs-möglichkeiten zur Bewahrung der gentechnikfreien Landwirtschaft und Natur. Um uns weiter zu entwickeln müssen wir auch Gefühle wie Zorn, Angst und Ohnmacht durchleben. Sie sind manchmal notwendig, um zu Erkenntnissen und neuem Handeln zu kommen. Wenn wir nicht in ihnen verharren, haben wir es in der Hand, uns stark zu machen für eine Umwelt fördernde Landwirtschaft, eine vielfältige Ernährung und eine am Wohl von Menschen und Natur orientierte Wissenschaft und Wirtschaft.

09.10.2008
Experteninterview zum Thema Agro-Gentechnik mit der Ärztin Angela von Beesten:
Agro-Gentechnik führt unkalkulierbare Risiken in die Ernährung ein

Das Thema Agro-Gentechnik polarisiert wie kaum ein anderes. Die Industrie propagiert die Labortechnik als Lösung für fast alle Probleme im Bereich Landwirtschaft und Ernährung, während über 70 Prozent der Bürger gentechnisch veränderte Lebensmittel und die Freisetzung von gentechnisch manipulierten Pflanzen ablehnen. Für das PresseForum BioBranche (PFBB) befragte Renée Herrnkind, Pressesprecherin von Demeter, die Ärztin Angela von Beesten zu den Risiken der Agro-Gentechnik.
Angela von Beesten (Foto) ist praktizierende Ärztin und Vorstands-mitglied im Ökologischen Ärztebund. Ihr Schwerpunktthema ist die Auseinandersetzung mit Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung.
Warum raten Sie von der Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen ab?
Ich lehne Agro-Gentechnik ab, weil sie überflüssig ist und bereits schlimme Folgen zeigt. Diese Risikotechnologie bietet keine Lösung für die Erfordernisse einer gesunden, artgerechten und umweltverträglichen Ernährung und Lebensmittelproduktion. Im Gegenteil führen die gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen neue, nicht einschätzbare Risiken in die Ernährung ein. Die Konzentration auf diese Technologie bindet Forschungsgelder, die dringend für Qualitätsforschung in biologischer Saatguterzeugung und Landwirtschaft sowie in Projekten zur Förderung der Ernährungs- und Esskultur gebraucht werden.
Die zehnjährige Anwendungsgeschichte der Agro-Gentechnik zeigt drastisch, dass sie nicht dem Wohl des Menschen und seiner Mit-Welt dient, sondern den Interessen von wenigen Chemie- und Saatgutmultis, die den Saatgut-markt kontrollieren wollen. Einige der bereits sichtbaren Folgen sind zum Beispiel die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft mit Massenselbstmorden von Bauern in Indien, die ihre Lizenzgebühr für das patentierte Saatgut nicht mehr bezahlen konnten; Regenwaldab-holzung für den Anbau von gv-Soja in Brasilien; totale gentechnische Verunreinigung des Rapsanbaus in Kanada.
Die Industrie verspricht besonders gesunde Nahrungspflanzen, das müsste Sie als Ärztin doch überzeugen?
Die Zukunftsvisionen von gentechnisch „verbesserten“ Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen zeigen nur, wie mit immer raffinierteren Methoden eine hightec-Ernährung konzipiert wird, die den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will. Gentechnik ist keine Lösung für die Folgekrankheiten der industriellen Fehlernährung. Im Gegenteil betrachte ich sie als dramatische Zuspitzung des technischen Eingriffs an Nahrungspflanzen und landwirtschaftlichen Nutztieren. Die Ernährung des Menschen im Industriezeitalter kann auch ohne Gentechnik oftmals schon als nicht mehr artgerecht angesehen werden. Die Über- und Fehlernährung mit Industriekost und zu viel tierischem Eiweiß, Zucker und Fett bei gleichzeitigem Bewegungsmangel hat chronische Krankheiten zur Folge, die in der reichen westlichen Welt zunehmen. Besonders jüngere Menschen leiden zunehmend an Diabetes oder Fettsucht. In armen Ländern entsteht die groteske Situation, dass einerseits Menschen am Hunger erkranken und sterben und anderer-seits zunehmend auch an den Folgen von Fehlernährung mit Industriekost leiden. Die Bestrebungen von Industrie, Wissenschaft und staatlichen Institutionen, viel Geld in die Entwicklung von gentechnisch verfremdeten „Functional Food“ zu stecken, gehen am Ziel der artgerechten menschlichen Ernährung erst recht vorbei, denn der Mensch ist evolutionär nicht darauf vorbereitet, diese Kunstprodukte zu verarbeiten.
So setzt leider auch die Fördermaßnahme ‚Funktionelle Ernährungs-
forschung’ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf das falsche Pferd. Hightec-Ernährung löst nicht die Ursachen von Fehlernährung, die in einem Überangebot ungesunder Produkte oder in einem Mangel an ausreichender Nahrung bestehen. Notwendig wäre es stattdessen, eine Ernährungskultur zu pflegen und wieder neu zu entwickeln, die eine möglichst Natur belassene, vitalstoffreiche Ernährung praktiziert.
Kennen Sie konkrete Risiken durch genveränderte Nahrung?
Der Verzehr von genveränderter Nahrung durch Millionen von Menschen ist ein weltweites, unkontrolliertes Experiment mit ungewissem Ausgang und ohne Nutzen für die Gesundheit.
Schon der gentechnische Eingriff selbst steht im Verdacht, unvorher-gesehene Ereignisse mit sich zu bringen. Der Eingriff in das Genom von Pflanzen und Tieren hat zelluläre Regulationsmechanismen zur Folge, deren Auswirkungen nicht vorhersehbar sind, da solche Gen-Konstrukte bisher in der Natur nicht vorkamen. Es könnte etwa sein, dass neue Proteine oder Toxine entstehen oder dass die gewünschte erzeugte Eigenschaft nicht stabil ist. Dieses Nicht-Wissen wird bei der Risikoabschätzung ausgeklammert.
Gv-Pflanzen sind überwiegend mit Antibiotika-Resistenz-Genen ausgestattet. Die Resistenz kann auf Darmbakterien übertragen werden. Auf diese Weise werden Resistenzen gegen Antibiotika gefördert, die in der Medizin noch gebräuchlich sind - ein völlig unakzeptables Risiko.
Es gibt bisher keine systematischen Untersuchungen am Menschen zu den Auswirkungen des Konsums gentechnisch veränderter Produkte und sie ließe sich aufgrund der Komplexität der Nahrungsmittel wohl auch kaum durchführen. Fütterungsstudien an Tieren liefern allerdings bereits deutliche Hinweise auf gesundheitliche Gefahren.
Bereits 1997/98 wurden am Rowett Institut (RRI) in Aberdeen/Schottland von Arpad Pusztai in Fütterungsstudien an Ratten veränderte Organgewichte und Anzeichen für eine Schädigung des Immunsystems nachgewiesen. Spektakulär an diesem Versuch war, dass diese Veränderungen nur bei jenen Ratten auftraten, die mit Kartoffeln gefüttert wurden, die durch gentechnische Veränderung ein Lektin aus Schneeglöckchen enthielten. Wurde das gleiche Lektin als Futterzusatz beigemischt, zeigten die Ratten keine Veränderungen. Die Schluss-folgerung des Wissenschaftlers war, dass nicht die Wirkung des angereicherten Lektin-Gens die Ursache für die Schädigung der Ratten war, sondern andere Teile der eingeschleusten Gensequenzen, die auf noch unbekannte Weise der Kartoffel eine neue Toxizität verleihen.
Ein weiteres Beispiel ist ein Versuch an Feldmäusen, der in Australien durchgeführt wurde. Die Tiere wurden mit Erbsen gefüttert, denen ein Bohnen-Gen eingepflanzt worden war. Die australische Regierung brach den Versuch im November 2005 aus Sicherheitsgründen ab, weil diese Erbsen bei den Feldmäusen Lungenentzündungen auslösten. Die Forscher standen vor der für sie vollkommen überraschenden Tatsache, dass die gleiche genetische Bauanweisung in Erbsen und Bohnen zu unterschiedlichen Produkten geführt hatte.
Die gv-Pflanzen, die bisher zur Marktreife gelangt sind, gehören fast ausschließlich zu den Pflanzen der so genannten ersten Generation. Der an ihnen vollzogene gentechnische Eingriff ist verhältnismäßig einfach im Vergleich zu den für die Zukunft geplanten gv-Pflanzen, in denen Impf-stoffe oder spezielle Enzyme und industriell verwertbare Rohstoffe erzeugt werden sollen. Mit dem Anbau dieser Pflanzen sind erhebliche Risiken verbunden.
Durch den Konsum gentechnisch veränderter Nahrung könnten im Organismus des Konsumenten auf die Dauer unvorhersehbare, unbeabsichtigte Effekte auftreten, die sich nicht im Voraus einschätzen lassen und möglicherweise gar nicht erkannt werden können, weil der Ursache-Wirkungsmechanismus und die Wechselwirkungen unter-schiedlicher gentechnischer Konstrukte nicht bekannt sind.
Sie arbeiten in Ihrer Praxis auch psychotherapeutisch. Wie beurteilen Sie die zum Teil sehr emotionale Diskussion zur Agro-Gentechnik?
Die Debatte um ein so existentielles Thema kann ja nicht emotionslos sein. Während die Befürworter der Gentechnik diese mit Macht auf dem Markt voranbringen wollen, lehnen ihre Gegner sie aus guten Gründen energisch ab.
In Deutschland befinden wir uns derzeit in einer scheinbar unlösbaren Zwickmühlensituation, denn per Gesetz wurde vorgeschrieben, was nicht gelingen kann: gv-Pflanzen sollen mit geringen „Sicherheitsabständen“ neben ihren nicht manipulierten Artgenossen wachsen. Die Interessen-konflikte liegen auf der Hand. Je mehr die Technologie mit Macht und Geld gegen den Willen der Menschen umgesetzt wird, je mehr sie die gentechnikfreie konventionelle und biologische Landwirtschaft verein-nahmt und deren Werte nicht respektiert, umso mehr wird sich Polarisierung und Machtkampf entwickeln. In dieser entscheidenden Phase der gesellschaftlichen Auseinandersetzung geht es zum Einen um sachliche Aufklärung, zum Anderen um das Aufzeigen von Handlungs-möglichkeiten zur Bewahrung der gentechnikfreien Landwirtschaft und Natur. Um uns weiter zu entwickeln müssen wir auch Gefühle wie Zorn, Angst und Ohnmacht durchleben. Sie sind manchmal notwendig, um zu Erkenntnissen und neuem Handeln zu kommen. Wenn wir nicht in ihnen verharren, haben wir es in der Hand, uns stark zu machen für eine Umwelt fördernde Landwirtschaft, eine vielfältige Ernährung und eine am Wohl von Menschen und Natur orientierte Wissenschaft und Wirtschaft.