Die EU hält den Schlüssel zum Klimaschutz in der Tasche“

Die EU hält den Schlüssel zum Klimaschutz in der Tasche“

20.10.2011

Demeter International und FUBA (Fördergemeinschaft für Umwelt, Bildung, Arbeit e. V.) veranstalteten mit den Grünen im Europäischen Parlament eine Konferenz zum Thema „Landwirtschaft, Futtermittel und Rinderhaltung – Klimakiller oder Klimaschutz?“ Ein Ergebnis: Die Landwirtschaft in der Europäischen Union könnte einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Damit dieser Wirklichkeit wird, müssen in der anstehenden EU-Agrarreform allerdings entscheidende Weichen richtig gestellt werden. Die Fachkonferenz zur Rinderhaltung, die im Brüsseler Parlament stattfand, bot Experten aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz Raum für Diskussionen über die Wechselwirkungen zwischen Tierhaltung und Klima.

 

Im Mittelpunkt der Debatte stand das derzeitige Eiweißdefizit in der EU. Jedes Jahr importiert die EU mehr als 40 Millionen Tonnen Eiweißfuttermittel. Dabei handelt es sich überwiegend um Soja aus Brasilien und Argentinien. „Dieser Import von Futtermitteln bedeutet eine Fremdflächennutzung für Europas Fleischproduktion und

-konsum, der enorme Treibhausgasemissionen mit sich bringt - sowohl in Europa als auch in den Ländern der südlichen Hemisphäre“ konstatierte Martin Häusling, Agrarexperte der Grünen im Europaparlament. Auch in der EU gäbe es negative Auswirkungen durch Sojaimporte. Sie ermöglichten die Massentierhaltung von Hühnern, Schweinen und zunehmend auch Kühen. Dabei entstehe viel mehr Gülle als benötigt werde, um das Ackerland zu düngen. In der Folge seien in vielen Gebieten die Böden überdüngt und die Gewässer mit Nitrat belastet. "Statt Wiederkäuer in Europa mit einheimischen Leguminosen zu füttern und die Weidehaltung zu fördern, wird Regenwald in Südamerika gerodet und anschließend unter Düngemittel- und Pestizideinsatz Soja für Europas Rinder angebaut", kritisierte Häusling.

 

Georg Häusler, Kabinettschef von EU-Agrarkommissar Cioloş, erläuterte die von der Europäischen Kommission vorgestellte Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013.  Einer der 10 Kernpunkte der Reform ist ein „Ökologisierungszuschlag“ für langfristige Produktivität und die Erhaltung von Ökosystemen. 30 % der Direktzahlungen für Landwirte sollen für Produktionsverfahren bereitgestellt werden, die eine optimale Nutzung der natürlichen Ressourcen ermöglichen. Dadurch soll die ökologische Nachhaltigkeit der Landwirtschaft gestärkt und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

 

Andreas Biesantz, Repräsentant von Demeter International in Brüssel, wies darauf hin, dass biologisch-dynamische Betriebe seit Jahrzehnten eine artgerechte Rinderhaltung mit einem hohen Anteil an eigener Futtererzeugung praktizieren und diese Betriebe ein Vorbild für die EU-Agrarpolitik sein könnten. Unter diesen Voraussetzungen überwiege der Nutzen des Rindes für die Betriebe, das Weideland und die Bodenfruchtbarkeit bei weitem den negativen Faktor seiner Gasemissionen.

 

Tobias Reichert von der deutschen Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch kritisiert die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU: „Leguminosen wurden anders als Fleisch, Milch oder Getreide nie gegen Importe geschützt und weniger oder gar nicht gefördert. Auch Grünland als Futter- und Eiweißquelle für Wiederkäuer wurde lange völlig ignoriert.“ Aus Reicherts Sicht muss die reformierte GAP Anreize für die Landwirte schaffen, Leguminosen als Teil der Fruchtfolge anzubauen und Wiesen und Weiden nachhaltig zu nutzen. "Soja und andere Futtermittel sollen nur noch aus Ländern importiert werden, die Landnutzungsänderungen effektiv kontrollieren.“, fordert der Germanwatch-Sprecher.

 

Im Gegensatz zur industrialisierten Landwirtschaft könne eine extensive Viehhaltung, bei der die Tiere mit betriebseigenem Raufutter versorgt werden, zu einer Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen. Tobias Bandel von der niederländischen Firma Soil & More ging sogar einen Schritt weiter. Er verwies auf eine kürzlich von Soil & More durchgeführte Studie. Sie ergab, dass in landwirtschaftlichen Betrieben mit Grünlandwirtschaft die CO2-Bilanz bis zu 60 Prozent geringer ausfällt als in Betrieben, in denen Kraftfutter zugefüttert wird. Hier wirkt die Fähigkeit des Dauergrünlandes, klimaschädliches CO2 in Form von Bodenkohlenstoff zu speichern. Bodenkohlenstoffanreicherung ist jedoch nicht nur unter dem Klimaaspekt sinnvoll für den landwirtschaftlichen Betrieb, sondern auch die Produktivität der Flächen, die Wasserhaltekapazität und die Mikrobiodiversität wird durch höhere Kohlenstoffwerte im Boden gesteigert. „In Zeiten von zunehmender Wasser- und Bodenfruchtbarkeitsknappheit, Klimasteuern und Umweltzahlungen sind dies Parameter, die die nachhaltige Konkurrenzfähigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben sichern“, so Bandel.

 

Florian Leiber vom Institut für Tierernährung an der ETH Zürich stellte das Wiederkäuer-Methan-Problem aus wissenschaftlicher Sicht dar. Neue Erkenntnisse über die Wiederkäuerverdauung und die daraus resultierende Fütterung könnten von großem Interesse für eine nachhaltige Tierhaltung sein. Er hob besonders die Auswirkungen der Biodiversität des Futters und die Rolle der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (z. B. Tannine) hervor, die neben einer möglichen Auswirkung auf die Methanbildung auch die Tiergesundheit und die Lebensmittelqualität positiv beinflussen können.

 

Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ist überzeugt davon, dass die Kuh der Zukunft wieder eine Raufutterverwerterin sein wird. Bei optimaler Gestaltung der Rationen könnten ohne weiteres Leistungen von 6500 kg Milch pro Jahr nur aus dem Grundfutter erzeugt werden. „Diese artgerechte Fütterung verbessert zudem die Milchqualität, weil die Gehalte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren steigen und die Kühe eine höhere Lebensleistung erreichen.“ Niggli sieht in der artgerechten Milchviehfütterung auch ein großes Potential für die Förderung des vielfältigen Grünlands, in der Vermeidung von Überdüngung und in der Reduktion von Klimagasen.

 

Kontakt: Demeter International EU Verbindungsbüro Brüssel;

Tel.: ++32 (0) 2 – 646 21 17,
Demeter [ / dot \ ] eu[ / at \ ]gmail [ / dot \ ] com
>Demeter [ / dot \ ] eu[ / at \ ]gmail [ / dot \ ] com

 

20.10.2011
Die EU hält den Schlüssel zum Klimaschutz in der Tasche“

Demeter International und FUBA (Fördergemeinschaft für Umwelt, Bildung, Arbeit e. V.) veranstalteten mit den Grünen im Europäischen Parlament eine Konferenz zum Thema „Landwirtschaft, Futtermittel und Rinderhaltung – Klimakiller oder Klimaschutz?“ Ein Ergebnis: Die Landwirtschaft in der Europäischen Union könnte einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Damit dieser Wirklichkeit wird, müssen in der anstehenden EU-Agrarreform allerdings entscheidende Weichen richtig gestellt werden. Die Fachkonferenz zur Rinderhaltung, die im Brüsseler Parlament stattfand, bot Experten aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz Raum für Diskussionen über die Wechselwirkungen zwischen Tierhaltung und Klima.

 

Im Mittelpunkt der Debatte stand das derzeitige Eiweißdefizit in der EU. Jedes Jahr importiert die EU mehr als 40 Millionen Tonnen Eiweißfuttermittel. Dabei handelt es sich überwiegend um Soja aus Brasilien und Argentinien. „Dieser Import von Futtermitteln bedeutet eine Fremdflächennutzung für Europas Fleischproduktion und

-konsum, der enorme Treibhausgasemissionen mit sich bringt - sowohl in Europa als auch in den Ländern der südlichen Hemisphäre“ konstatierte Martin Häusling, Agrarexperte der Grünen im Europaparlament. Auch in der EU gäbe es negative Auswirkungen durch Sojaimporte. Sie ermöglichten die Massentierhaltung von Hühnern, Schweinen und zunehmend auch Kühen. Dabei entstehe viel mehr Gülle als benötigt werde, um das Ackerland zu düngen. In der Folge seien in vielen Gebieten die Böden überdüngt und die Gewässer mit Nitrat belastet. "Statt Wiederkäuer in Europa mit einheimischen Leguminosen zu füttern und die Weidehaltung zu fördern, wird Regenwald in Südamerika gerodet und anschließend unter Düngemittel- und Pestizideinsatz Soja für Europas Rinder angebaut", kritisierte Häusling.

 

Georg Häusler, Kabinettschef von EU-Agrarkommissar Cioloş, erläuterte die von der Europäischen Kommission vorgestellte Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013.  Einer der 10 Kernpunkte der Reform ist ein „Ökologisierungszuschlag“ für langfristige Produktivität und die Erhaltung von Ökosystemen. 30 % der Direktzahlungen für Landwirte sollen für Produktionsverfahren bereitgestellt werden, die eine optimale Nutzung der natürlichen Ressourcen ermöglichen. Dadurch soll die ökologische Nachhaltigkeit der Landwirtschaft gestärkt und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

 

Andreas Biesantz, Repräsentant von Demeter International in Brüssel, wies darauf hin, dass biologisch-dynamische Betriebe seit Jahrzehnten eine artgerechte Rinderhaltung mit einem hohen Anteil an eigener Futtererzeugung praktizieren und diese Betriebe ein Vorbild für die EU-Agrarpolitik sein könnten. Unter diesen Voraussetzungen überwiege der Nutzen des Rindes für die Betriebe, das Weideland und die Bodenfruchtbarkeit bei weitem den negativen Faktor seiner Gasemissionen.

 

Tobias Reichert von der deutschen Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch kritisiert die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU: „Leguminosen wurden anders als Fleisch, Milch oder Getreide nie gegen Importe geschützt und weniger oder gar nicht gefördert. Auch Grünland als Futter- und Eiweißquelle für Wiederkäuer wurde lange völlig ignoriert.“ Aus Reicherts Sicht muss die reformierte GAP Anreize für die Landwirte schaffen, Leguminosen als Teil der Fruchtfolge anzubauen und Wiesen und Weiden nachhaltig zu nutzen. "Soja und andere Futtermittel sollen nur noch aus Ländern importiert werden, die Landnutzungsänderungen effektiv kontrollieren.“, fordert der Germanwatch-Sprecher.

 

Im Gegensatz zur industrialisierten Landwirtschaft könne eine extensive Viehhaltung, bei der die Tiere mit betriebseigenem Raufutter versorgt werden, zu einer Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen. Tobias Bandel von der niederländischen Firma Soil & More ging sogar einen Schritt weiter. Er verwies auf eine kürzlich von Soil & More durchgeführte Studie. Sie ergab, dass in landwirtschaftlichen Betrieben mit Grünlandwirtschaft die CO2-Bilanz bis zu 60 Prozent geringer ausfällt als in Betrieben, in denen Kraftfutter zugefüttert wird. Hier wirkt die Fähigkeit des Dauergrünlandes, klimaschädliches CO2 in Form von Bodenkohlenstoff zu speichern. Bodenkohlenstoffanreicherung ist jedoch nicht nur unter dem Klimaaspekt sinnvoll für den landwirtschaftlichen Betrieb, sondern auch die Produktivität der Flächen, die Wasserhaltekapazität und die Mikrobiodiversität wird durch höhere Kohlenstoffwerte im Boden gesteigert. „In Zeiten von zunehmender Wasser- und Bodenfruchtbarkeitsknappheit, Klimasteuern und Umweltzahlungen sind dies Parameter, die die nachhaltige Konkurrenzfähigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben sichern“, so Bandel.

 

Florian Leiber vom Institut für Tierernährung an der ETH Zürich stellte das Wiederkäuer-Methan-Problem aus wissenschaftlicher Sicht dar. Neue Erkenntnisse über die Wiederkäuerverdauung und die daraus resultierende Fütterung könnten von großem Interesse für eine nachhaltige Tierhaltung sein. Er hob besonders die Auswirkungen der Biodiversität des Futters und die Rolle der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (z. B. Tannine) hervor, die neben einer möglichen Auswirkung auf die Methanbildung auch die Tiergesundheit und die Lebensmittelqualität positiv beinflussen können.

 

Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ist überzeugt davon, dass die Kuh der Zukunft wieder eine Raufutterverwerterin sein wird. Bei optimaler Gestaltung der Rationen könnten ohne weiteres Leistungen von 6500 kg Milch pro Jahr nur aus dem Grundfutter erzeugt werden. „Diese artgerechte Fütterung verbessert zudem die Milchqualität, weil die Gehalte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren steigen und die Kühe eine höhere Lebensleistung erreichen.“ Niggli sieht in der artgerechten Milchviehfütterung auch ein großes Potential für die Förderung des vielfältigen Grünlands, in der Vermeidung von Überdüngung und in der Reduktion von Klimagasen.

 

Kontakt: Demeter International EU Verbindungsbüro Brüssel;

Tel.: ++32 (0) 2 – 646 21 17,
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