Demeter fordert Freiwilligkeit für Blauzungen-Impfung

Demeter fordert Freiwilligkeit für Blauzungen-Impfung

18.07.2008

Nach den ersten Erfahrungen mit der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit regt sich bei den Demeter-Bauern der Widerstand. „Jeder Landwirt soll selbst entscheiden können, ob er seine Tiere gegen die Blauzungenkrankheit impfen lässt oder nicht“, fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi für die rund 1400 bio-dynamisch wirtschaftenden Erzeuger in Deutschland. Den Öko-Pionieren ist die freie Entscheidung aus eigener, bewusster Erkenntnis besonders wichtig. Sie halten die staatlich verordnete Pflicht zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit für fragwürdig und den propagierten flächendeckenden Impfschutz für eine Illusion. Auch Wildtiere litten an der Blauzungenkrankheit, die für Menschen ungefährlich ist und durch Insekten übertragen wird. So gebe es im Wald ein permanentes Virusreservoir, weil Rehe und Hirsche nicht geimpft werden können. Außerdem gelten weitere Ausnahmen, etwa für Tiere von Besamungsstationen wegen der Gefahr der Unfruchtbarkeit durch die Impfung, Damwild in Gehegen, Almtieren oder „wilden“ Mutterkuhherden, die ganzjährig draußen sind.

Darüber hinaus hält Demeter den Impfstoff und seine Wirkung für nicht ausreichend geprüft. Der Verband sieht sich darin bestätigt durch Tierärzte, die Zweifel an der Qualität des Impfschutzes haben. Auf manchen Höfen seien Impfschäden zu beobachten gewesen bis hin zu Aborten. Viele Kühe könnten, vor allem wenn sie mit homöopathischen oder anthroposophischen Heilmitteln unterstützt würden, mit der Blauzungenkrankheit fertig werden. Da sie bei Schafen häufig nicht so leicht verlaufe, müssten die Schäfer abwägen dürfen, welches Risiko sie eingehen wollen. „Wenn jeder Tierhalter sich kundig macht und in der Verantwortung für seine Tiere entscheiden kann, ist der Tiergesundheit letztlich mehr gedient als mit einer umstrittenen Zwangsmaßnahme“, meint Agraringenieur Illi.

Problematisch ist für die Bio-Bauern, dass die Veterinärämter regional sehr unterschiedlich mit Befreiungsanträgen von der Impfpflicht umgingen. Zu befürchten sei zudem, dass der Impfrhythmus immer enger werde und die Spritze nicht alle Erregertypen abdecken könne.

„Eine Impfung bedeutet immer Stress für die Tiere“, weiß Demeter-Bauer Gyso von Bonin aus Nordrhein-Westfalen aus eigener Erfahrung. Er hat starke Zweifel, ob es wirklich richtig ist, seine Herde in diesem Jahr wie vorgeschrieben zwei Mal gegen die Blauzunge impfen zu lassen. „Ich soll offenbar gar nicht drüber

nachdenken, denn wenn ich mich weigern würde, drohen mir gleich Zwangsgelder bis zu 25 000 Euro“, klagt er. „Natürlich nehme ich die Gesundheit meiner Tiere sehr ernst. Gerade deshalb wäge ich jeden medizinischen Eingriff ab. Letztlich trage ich als Bauer die Verantwortung, nicht der Gesetzgeber, nicht der Tierarzt und schon gar nicht der Impfstoffhersteller.“ Gerade zu absurd sei, dass Tiere auf Besamungsstationen von der Impfpflicht entbunden würden, die Demeter-Stierhalter ihre Bullen jedoch impfen lassen müssen. „Unsere bio-dynamische Tierzucht darf offenbar dem Risiko ausgesetzt werden“, kritisiert Gyso von Bonin.

Die höchste Pflicht sei für ihn als bio-dynamisch wirtschaftenden Landwirt, Lebensmittel in bester Qualität zu erzeugen. „Niemand kann uns sagen, ob und wie sich die Impfung auf Dauer zum Beispiel bei Milch- oder Fleischerzeugung niederschlagen könnte.“ Von Bonin hat seine Tiere durch Blutuntersuchungen testen lassen – und Glück gehabt. In allen Proben konnten Antikörper gegen den Erreger der Blauzunge nachgewiesen werden. Das bedeutet, die Bonin-Herde hat die Blauzungenkrankheit durchgemacht und ist jetzt auf natürliche Weise geschützt. So musste seinem Antrag auf Befreiung von der Impfpflicht stattgegeben werden.

18.07.2008
Demeter fordert Freiwilligkeit für Blauzungen-Impfung

Nach den ersten Erfahrungen mit der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit regt sich bei den Demeter-Bauern der Widerstand. „Jeder Landwirt soll selbst entscheiden können, ob er seine Tiere gegen die Blauzungenkrankheit impfen lässt oder nicht“, fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi für die rund 1400 bio-dynamisch wirtschaftenden Erzeuger in Deutschland. Den Öko-Pionieren ist die freie Entscheidung aus eigener, bewusster Erkenntnis besonders wichtig. Sie halten die staatlich verordnete Pflicht zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit für fragwürdig und den propagierten flächendeckenden Impfschutz für eine Illusion. Auch Wildtiere litten an der Blauzungenkrankheit, die für Menschen ungefährlich ist und durch Insekten übertragen wird. So gebe es im Wald ein permanentes Virusreservoir, weil Rehe und Hirsche nicht geimpft werden können. Außerdem gelten weitere Ausnahmen, etwa für Tiere von Besamungsstationen wegen der Gefahr der Unfruchtbarkeit durch die Impfung, Damwild in Gehegen, Almtieren oder „wilden“ Mutterkuhherden, die ganzjährig draußen sind.

Darüber hinaus hält Demeter den Impfstoff und seine Wirkung für nicht ausreichend geprüft. Der Verband sieht sich darin bestätigt durch Tierärzte, die Zweifel an der Qualität des Impfschutzes haben. Auf manchen Höfen seien Impfschäden zu beobachten gewesen bis hin zu Aborten. Viele Kühe könnten, vor allem wenn sie mit homöopathischen oder anthroposophischen Heilmitteln unterstützt würden, mit der Blauzungenkrankheit fertig werden. Da sie bei Schafen häufig nicht so leicht verlaufe, müssten die Schäfer abwägen dürfen, welches Risiko sie eingehen wollen. „Wenn jeder Tierhalter sich kundig macht und in der Verantwortung für seine Tiere entscheiden kann, ist der Tiergesundheit letztlich mehr gedient als mit einer umstrittenen Zwangsmaßnahme“, meint Agraringenieur Illi.

Problematisch ist für die Bio-Bauern, dass die Veterinärämter regional sehr unterschiedlich mit Befreiungsanträgen von der Impfpflicht umgingen. Zu befürchten sei zudem, dass der Impfrhythmus immer enger werde und die Spritze nicht alle Erregertypen abdecken könne.

„Eine Impfung bedeutet immer Stress für die Tiere“, weiß Demeter-Bauer Gyso von Bonin aus Nordrhein-Westfalen aus eigener Erfahrung. Er hat starke Zweifel, ob es wirklich richtig ist, seine Herde in diesem Jahr wie vorgeschrieben zwei Mal gegen die Blauzunge impfen zu lassen. „Ich soll offenbar gar nicht drüber

nachdenken, denn wenn ich mich weigern würde, drohen mir gleich Zwangsgelder bis zu 25 000 Euro“, klagt er. „Natürlich nehme ich die Gesundheit meiner Tiere sehr ernst. Gerade deshalb wäge ich jeden medizinischen Eingriff ab. Letztlich trage ich als Bauer die Verantwortung, nicht der Gesetzgeber, nicht der Tierarzt und schon gar nicht der Impfstoffhersteller.“ Gerade zu absurd sei, dass Tiere auf Besamungsstationen von der Impfpflicht entbunden würden, die Demeter-Stierhalter ihre Bullen jedoch impfen lassen müssen. „Unsere bio-dynamische Tierzucht darf offenbar dem Risiko ausgesetzt werden“, kritisiert Gyso von Bonin.

Die höchste Pflicht sei für ihn als bio-dynamisch wirtschaftenden Landwirt, Lebensmittel in bester Qualität zu erzeugen. „Niemand kann uns sagen, ob und wie sich die Impfung auf Dauer zum Beispiel bei Milch- oder Fleischerzeugung niederschlagen könnte.“ Von Bonin hat seine Tiere durch Blutuntersuchungen testen lassen – und Glück gehabt. In allen Proben konnten Antikörper gegen den Erreger der Blauzunge nachgewiesen werden. Das bedeutet, die Bonin-Herde hat die Blauzungenkrankheit durchgemacht und ist jetzt auf natürliche Weise geschützt. So musste seinem Antrag auf Befreiung von der Impfpflicht stattgegeben werden.