Praxis-Forschung im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick

Zehn Jahre Hörner tragende Milchkühe im Laufstall

Praxis-Forschung im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick

03.05.2012

Manches Jubiläum wird eher im Stillen gefeiert. Für die biodynamische Gemeinschaft von Demeter sind zehn Jahre forschende Beobachtung einer Milchkuh-Herde mit prächtigen Hörnern in ihrem Laufstall von Haus Riswick im Landwirtschaftszentrum der Landwirtschaftskammer in Kleve Anlass für eine herzliche Gratulation. Und natürlich Grund zu Freude und Bestätigung, zeigen die Erfahrungen der Riswicker doch, dass es gelingt, dem weit verbreiteten Trend zur Hornlosigkeit sinnvoll entgegen zu wirken.

Charakteristisch für die Demeter-Landwirtschaft sind nämlich die Hörner tragenden Kühe, denen ihr Kopfschmuck nicht schmerzhaft amputiert, weggeätzt oder fortgezüchtet wird. Haus Riswick ist einer der wenigen Versuchsstandorte, die das Thema Hörner fundiert bearbeiten. Gemeinsam mit dem Projekt Leitbetriebe Ökologischer Landbau in Nordrhein-Westfalen blickten die Riswicker jetzt auf ihre Versuchsergebnisse zurück. Sie können aus ihrem Erfahrungsschatz all den Bäuerinnen und Bauern, die ihre Tiere artgerecht halten möchten, praxisnahe Tipps geben.

„Gerade in Zeiten, in denen die züchterische Selektion auf Hornlosigkeit vorherrscht, sind die Ergebnisse von Riswick besonders wertvoll“, betont Demeter-Vorstand Stephan Illi. „Die Sicherung eines gesunden Genpools an Hörner tragenden Bullen darf nicht allein Demeter überlassen bleiben“, fordert der Agraringenieur im Namen der biodynamischen Gemeinschaft von rund 1400 Landwirten. Er sieht in der Arbeit von Riswick genau den richtigen Ansatz, Politik und Gesellschaft für die Demeter-Forderung nach Kühen mit Hörnern zu gewinnen. „In der Reihe der Versuchsbetriebe ist es ja eher ungewöhnlich, dass am Hörner-Thema geforscht wird. Umso wichtiger ist es nun, die Ergebnisse von Riswick breit darzustellen.“

Nachdem in Riswick vor zehn Jahren begonnen worden war, auf die Enthornung der Kälber zu verzichtet, tragen inzwischen über 90 Prozent der 40 Milchkühe in diesem staatlich geförderten Versuchsbetrieb ihre Hörner mit Stolz. Entscheidend für Ruhe und Gelassenheit in der Herde – und damit für ein geringes Verletzungsrisiko – ist der ausreichend große Platz im Laufstall, in allen Durchgängen, an den Futterstellen und vor dem Melkstand, wird in den Veröffentlichungen und bei Betriebsbesuchen vom verantwortlichem Frauenteam in Riswick immer wieder betont. Es weiß auch, dass das Management einer Hörner tragenden Kuhherde deutlich mehr Aufmerksamkeit und eine intensivere Betreuung erfordert.     Aber gerade die intensivere Beziehung zu den Tieren und der regelmäßige Kontakt seien überaus befriedigend, betonen Demeter-Landwirte.  NRW-Geschäftsführerin Ute Rönnebeck von der biodynamischen Arbeitsgemeinschaft sieht in der Arbeit von Riswick ein Signal in Richtung Tierwohl. Mit Demeter-Vorstand Stephan Illi (Darmstadt) ist sich die Agraringenieurin einig: „Wer eine artgerechte Tierhaltung will, kann das Enthornen nicht gut heißen.“ Bei Demeter wird intensiv am Thema Hörner tragende Kühe gearbeitet, zumal es Hinweise darauf gibt, dass die Milch dieser Tiere besonders verträglich und wertvoll ist.

Die Diskussion um Behornung und Enthornung ist schon länger aktuell. Um den Austausch dazu zu versachlichen wurden im Rahmen des Projektes „Öko-Leitbetriebe in NRW“ Betriebe mit behornten und unbehornten Kühen verglichen. Zur Verfügung standen die Fütterungs- und Leistungsdaten der letzten sieben Jahre von 90 Betrieben mit unbehornten und 23 Betrieben mit behornten Kühen. Dabei zeigte sich, dass Hörner tragende Kühe eine längere Nutzungsdauer und höhere Lebensleistung erreichen.

Behornte Kühe haben im Mittel zwar eine niedrigere Jahresmilchleistung, infolge längerer Nutzungsdauer aber eine höhere Lebensleistung, so die Veröffentlichung von Dr. Edmund Leisen, Öko-Team der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Das deckt sich mit den Erfahrungen bei Demeter. Gerade vor dem Hintergrund eines ethisch korrekten Umgangs mit Lebewesen verbiete sich, so der älteste ökologische Anbauverband, das Enthornen der Rinder ebenso wie eine einseitige Zucht auf Hornlosigkeit, deren Folgen überhaupt nicht überschaubar seien. Im Gegenteil müsse die Zucht von vitalen, charakterlich einwandfreien und an den Öko-Landbau angepassten Hörner tragenden Bullen vorangetrieben werden. „Verbraucher wünschen sich Wiesen mit Kühen und es wäre ein Verlust, wenn die nächste Generation gar keine wie von der Natur gedachten Kühe mit ihren prächtigen Hörnern erleben könnte“, meint Stephan Illi von Demeter.

03.05.2012
Praxis-Forschung im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick
Zehn Jahre Hörner tragende Milchkühe im Laufstall

Manches Jubiläum wird eher im Stillen gefeiert. Für die biodynamische Gemeinschaft von Demeter sind zehn Jahre forschende Beobachtung einer Milchkuh-Herde mit prächtigen Hörnern in ihrem Laufstall von Haus Riswick im Landwirtschaftszentrum der Landwirtschaftskammer in Kleve Anlass für eine herzliche Gratulation. Und natürlich Grund zu Freude und Bestätigung, zeigen die Erfahrungen der Riswicker doch, dass es gelingt, dem weit verbreiteten Trend zur Hornlosigkeit sinnvoll entgegen zu wirken.

Charakteristisch für die Demeter-Landwirtschaft sind nämlich die Hörner tragenden Kühe, denen ihr Kopfschmuck nicht schmerzhaft amputiert, weggeätzt oder fortgezüchtet wird. Haus Riswick ist einer der wenigen Versuchsstandorte, die das Thema Hörner fundiert bearbeiten. Gemeinsam mit dem Projekt Leitbetriebe Ökologischer Landbau in Nordrhein-Westfalen blickten die Riswicker jetzt auf ihre Versuchsergebnisse zurück. Sie können aus ihrem Erfahrungsschatz all den Bäuerinnen und Bauern, die ihre Tiere artgerecht halten möchten, praxisnahe Tipps geben.

„Gerade in Zeiten, in denen die züchterische Selektion auf Hornlosigkeit vorherrscht, sind die Ergebnisse von Riswick besonders wertvoll“, betont Demeter-Vorstand Stephan Illi. „Die Sicherung eines gesunden Genpools an Hörner tragenden Bullen darf nicht allein Demeter überlassen bleiben“, fordert der Agraringenieur im Namen der biodynamischen Gemeinschaft von rund 1400 Landwirten. Er sieht in der Arbeit von Riswick genau den richtigen Ansatz, Politik und Gesellschaft für die Demeter-Forderung nach Kühen mit Hörnern zu gewinnen. „In der Reihe der Versuchsbetriebe ist es ja eher ungewöhnlich, dass am Hörner-Thema geforscht wird. Umso wichtiger ist es nun, die Ergebnisse von Riswick breit darzustellen.“

Nachdem in Riswick vor zehn Jahren begonnen worden war, auf die Enthornung der Kälber zu verzichtet, tragen inzwischen über 90 Prozent der 40 Milchkühe in diesem staatlich geförderten Versuchsbetrieb ihre Hörner mit Stolz. Entscheidend für Ruhe und Gelassenheit in der Herde – und damit für ein geringes Verletzungsrisiko – ist der ausreichend große Platz im Laufstall, in allen Durchgängen, an den Futterstellen und vor dem Melkstand, wird in den Veröffentlichungen und bei Betriebsbesuchen vom verantwortlichem Frauenteam in Riswick immer wieder betont. Es weiß auch, dass das Management einer Hörner tragenden Kuhherde deutlich mehr Aufmerksamkeit und eine intensivere Betreuung erfordert.     Aber gerade die intensivere Beziehung zu den Tieren und der regelmäßige Kontakt seien überaus befriedigend, betonen Demeter-Landwirte.  NRW-Geschäftsführerin Ute Rönnebeck von der biodynamischen Arbeitsgemeinschaft sieht in der Arbeit von Riswick ein Signal in Richtung Tierwohl. Mit Demeter-Vorstand Stephan Illi (Darmstadt) ist sich die Agraringenieurin einig: „Wer eine artgerechte Tierhaltung will, kann das Enthornen nicht gut heißen.“ Bei Demeter wird intensiv am Thema Hörner tragende Kühe gearbeitet, zumal es Hinweise darauf gibt, dass die Milch dieser Tiere besonders verträglich und wertvoll ist.

Die Diskussion um Behornung und Enthornung ist schon länger aktuell. Um den Austausch dazu zu versachlichen wurden im Rahmen des Projektes „Öko-Leitbetriebe in NRW“ Betriebe mit behornten und unbehornten Kühen verglichen. Zur Verfügung standen die Fütterungs- und Leistungsdaten der letzten sieben Jahre von 90 Betrieben mit unbehornten und 23 Betrieben mit behornten Kühen. Dabei zeigte sich, dass Hörner tragende Kühe eine längere Nutzungsdauer und höhere Lebensleistung erreichen.

Behornte Kühe haben im Mittel zwar eine niedrigere Jahresmilchleistung, infolge längerer Nutzungsdauer aber eine höhere Lebensleistung, so die Veröffentlichung von Dr. Edmund Leisen, Öko-Team der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Das deckt sich mit den Erfahrungen bei Demeter. Gerade vor dem Hintergrund eines ethisch korrekten Umgangs mit Lebewesen verbiete sich, so der älteste ökologische Anbauverband, das Enthornen der Rinder ebenso wie eine einseitige Zucht auf Hornlosigkeit, deren Folgen überhaupt nicht überschaubar seien. Im Gegenteil müsse die Zucht von vitalen, charakterlich einwandfreien und an den Öko-Landbau angepassten Hörner tragenden Bullen vorangetrieben werden. „Verbraucher wünschen sich Wiesen mit Kühen und es wäre ein Verlust, wenn die nächste Generation gar keine wie von der Natur gedachten Kühe mit ihren prächtigen Hörnern erleben könnte“, meint Stephan Illi von Demeter.