12. Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Ökologische Pflanzenzüchter gewähren Einblick in ihre Arbeit

12. Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft

29.02.2012

Er ist „jung und europäisch“ und muss dringend vom Retro-Look des „Hildegard von Bingen-Marketings“ befreit werden: Dinkel, das einzige Getreide, das ursprünglich in Europa beheimatet ist und aus einer Kreuzung von Emmer und Weizen entstand. „Wenn wir den Dinkel nicht züchterisch bearbeiten, wird er in 50 Jahren nicht mehr da sein“, prognostizierte Catherine Cuendet von der Getreidezüchtung Peter Kunz. Sie gehört zu den wenigen Dinkelzüchter/innen weltweit und berichtete bei der 12. Saatguttagung des Saatgutfonds von ihrer Arbeit.

Um grundlegende und aktuelle Fragen der ökologischen Pflanzenzüchtung ging es bei der Tagung, zu der die Zukunftsstiftung Landwirtschaft am 28. Januar nach Kassel eingeladen hatte. Vom Saatgutfonds geförderte Getreide-, Gemüse und Apfelzüchter/innen gewährten den über 100 Teilnehmern/innen Einblick in Werte und Besonderheiten der ökologischen Pflanzenzüchtung. Im Plenum und in vier Arbeitsgruppen informierten sie über ihre Arbeit.

„Fruchtbarkeit erhalten“ ist ein zentrales Motiv für Barbara Maria Rudolf vom Christiansens Hof im Norden Deutschlands. „Seit sieben Jahren gibt es bei konventionell gezüchteten Brokkoli- und Blumenkohlsorten fast nur noch sterile Hybriden“, sagte die Vorsitzende des Biolandverbandes Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Pommern. „Dagegen treten wir bei „Saat:gut e. V.“ an.“ Kurz nach seiner Gründung erhielt das Projekt 2011 erstmalig finanzielle Unterstützung vom Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

„Ernährungsqualität, Vielfalt und Schönheit und die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes zu einem individuellen Organismus“, nannte Dr. Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof als zentrale Züchtungsaspekte. Vielfalt, ein Grundprinzip der Natur, sichert den Ausgangspunkt jeder Züchtung, die breite genetische Basis (Genetik). Die Zuchtpflanzen wachsen in ihrer natürlichen Umgebung heran, auf dem Feld und im Gemüsebeet, nicht im Labor. Vielfältige Faktoren der Umwelt – natürliche wie soziale – prägen die Sorte im Laufe der Zeit mit (Epigenetik). So gehören regional angepasste Sorten zu den Besonderheiten der ökologischen Züchtung. Daneben gibt es aber auch Sorten, die die Prüfung des Bundessortenamtes auf 14 verschiedenen Standorten bestanden haben.

Horst Ritter, einer von vier Geschäftsführern der Gärtnerei Piluweri, gab mit seinem Bericht ein weiteres Beispiel für on-farm-Züchtung. In der Gärtnerei ist die Züchtung Teil des Betriebsorganismus. Aus dem „Erleben und Erkennen der Pflanze, den Bedürfnissen der Anbauer und den gewünschten Ernährungsqualitäten“ entsteht das Bild der neuen Sorte. „Jeder Betrieb spiegelt seine Qualitäten in seinen Produkten wider“, sagte Ritter.

Auch Niklas Bolliger vom Verein „Poma Culta“ nannte on-farm-Züchtung in „gepflegtem bio-dynamischem Umfeld“ einen wesentlichen Unterschied zur konventionellen Züchtung. Bolliger gehört zu den Pionieren, die sich seit einigen Jahren der ökologischen Apfelzüchtung widmen. Es gelte „züchterische Maßnahmen aus der Begegnung mit der Pflanze abzuleiten“, sagte Bolliger.

Von neuen Wegen, die Qualitäten einer Pflanze schon im Zuchtgarten umfassender wahrzunehmen, berichtete Dr. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung Darzau. Er vermittelte einen ersten Eindruck von Bildekräfteuntersuchungen. Der Züchter müsse lernen, sagte Müller, sich in die Pflanze wie in ein Kunstwerk hineinzuversetzen. Es gelte, mit geschärftem Züchterblick Farben, Formen und Gesten der Pflanze als ihre künstlerische Sprache zu verstehen, um aus Tausenden von Pflanzen genau die richtige für die Entwicklung einer neuen Sorte auszuwählen.

Eine Zusammenfassung der Tagung kann bei der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Johanna Zellfelder, Christstr. 9, 44789 Bochum, Tel. 0234-5797-5153 oder per E-Mail: bochum[ / at \ ]zs-l [ / dot \ ] de

Oliver Willing, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, willing[ / at \ ]zs-l [ / dot \ ] dewww.zs-l.de www.saatgutfonds.de

 

29.02.2012
12. Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Ökologische Pflanzenzüchter gewähren Einblick in ihre Arbeit

Er ist „jung und europäisch“ und muss dringend vom Retro-Look des „Hildegard von Bingen-Marketings“ befreit werden: Dinkel, das einzige Getreide, das ursprünglich in Europa beheimatet ist und aus einer Kreuzung von Emmer und Weizen entstand. „Wenn wir den Dinkel nicht züchterisch bearbeiten, wird er in 50 Jahren nicht mehr da sein“, prognostizierte Catherine Cuendet von der Getreidezüchtung Peter Kunz. Sie gehört zu den wenigen Dinkelzüchter/innen weltweit und berichtete bei der 12. Saatguttagung des Saatgutfonds von ihrer Arbeit.

Um grundlegende und aktuelle Fragen der ökologischen Pflanzenzüchtung ging es bei der Tagung, zu der die Zukunftsstiftung Landwirtschaft am 28. Januar nach Kassel eingeladen hatte. Vom Saatgutfonds geförderte Getreide-, Gemüse und Apfelzüchter/innen gewährten den über 100 Teilnehmern/innen Einblick in Werte und Besonderheiten der ökologischen Pflanzenzüchtung. Im Plenum und in vier Arbeitsgruppen informierten sie über ihre Arbeit.

„Fruchtbarkeit erhalten“ ist ein zentrales Motiv für Barbara Maria Rudolf vom Christiansens Hof im Norden Deutschlands. „Seit sieben Jahren gibt es bei konventionell gezüchteten Brokkoli- und Blumenkohlsorten fast nur noch sterile Hybriden“, sagte die Vorsitzende des Biolandverbandes Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Pommern. „Dagegen treten wir bei „Saat:gut e. V.“ an.“ Kurz nach seiner Gründung erhielt das Projekt 2011 erstmalig finanzielle Unterstützung vom Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

„Ernährungsqualität, Vielfalt und Schönheit und die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes zu einem individuellen Organismus“, nannte Dr. Hartmut Spieß vom Dottenfelderhof als zentrale Züchtungsaspekte. Vielfalt, ein Grundprinzip der Natur, sichert den Ausgangspunkt jeder Züchtung, die breite genetische Basis (Genetik). Die Zuchtpflanzen wachsen in ihrer natürlichen Umgebung heran, auf dem Feld und im Gemüsebeet, nicht im Labor. Vielfältige Faktoren der Umwelt – natürliche wie soziale – prägen die Sorte im Laufe der Zeit mit (Epigenetik). So gehören regional angepasste Sorten zu den Besonderheiten der ökologischen Züchtung. Daneben gibt es aber auch Sorten, die die Prüfung des Bundessortenamtes auf 14 verschiedenen Standorten bestanden haben.

Horst Ritter, einer von vier Geschäftsführern der Gärtnerei Piluweri, gab mit seinem Bericht ein weiteres Beispiel für on-farm-Züchtung. In der Gärtnerei ist die Züchtung Teil des Betriebsorganismus. Aus dem „Erleben und Erkennen der Pflanze, den Bedürfnissen der Anbauer und den gewünschten Ernährungsqualitäten“ entsteht das Bild der neuen Sorte. „Jeder Betrieb spiegelt seine Qualitäten in seinen Produkten wider“, sagte Ritter.

Auch Niklas Bolliger vom Verein „Poma Culta“ nannte on-farm-Züchtung in „gepflegtem bio-dynamischem Umfeld“ einen wesentlichen Unterschied zur konventionellen Züchtung. Bolliger gehört zu den Pionieren, die sich seit einigen Jahren der ökologischen Apfelzüchtung widmen. Es gelte „züchterische Maßnahmen aus der Begegnung mit der Pflanze abzuleiten“, sagte Bolliger.

Von neuen Wegen, die Qualitäten einer Pflanze schon im Zuchtgarten umfassender wahrzunehmen, berichtete Dr. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung Darzau. Er vermittelte einen ersten Eindruck von Bildekräfteuntersuchungen. Der Züchter müsse lernen, sagte Müller, sich in die Pflanze wie in ein Kunstwerk hineinzuversetzen. Es gelte, mit geschärftem Züchterblick Farben, Formen und Gesten der Pflanze als ihre künstlerische Sprache zu verstehen, um aus Tausenden von Pflanzen genau die richtige für die Entwicklung einer neuen Sorte auszuwählen.

Eine Zusammenfassung der Tagung kann bei der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Johanna Zellfelder, Christstr. 9, 44789 Bochum, Tel. 0234-5797-5153 oder per E-Mail: bochum@zs-l [ / dot \ ] de

Oliver Willing, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, willing@zs-l [ / dot \ ] dewww.zs-l.de www.saatgutfonds.de