Interview: Wem gehört die Landwirtschaft?

Demeter und SlowFood: Zusammenarbeit dient gemeinsamen Zielen

Interview: Wem gehört die Landwirtschaft?

20.10.2012
Demeter, SlowFood, gemeinsam an der BioFach
Vlnr: Christoph Simpfendörfer (Aufsichtsrat, Demeter e.V.), Dr. Kniepkamp (Vorstand SlowFood in Dtld.), Stephan Illi (Vorstand Demeter), Dr. Ursula Hudson (Vorstand SlowFood in Dtld.). Bildrechte: Katharina Heuberger

Landwirtschaft und Verbraucher verbinden  

Da wächst zusammen was zusammen gehört: Slowfood und biodynamische Demeter-Qualität. So sehen es die beiden Organisationen, die Feinschmecker und Lebensmittel-Retter von Slowfood und die Öko-Pioniere von Demeter. Sie haben sich im Februar 2012 bei der Weltleitmesse für Bio, der BioFach in Nürnberg, zusammen getan und eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Was sind die Motive für die Kooperation, welche Ziele stehen dahinter? Im Gespräch mit SlowFood-Präsidentin Ursula Hudson und Demeter-Vorstand Stephan Illi entwickeln beide Perspektiven für eine genussvolle Zukunft. 

 

Warum ist Demeter assoziertes Mitglied von SlowFood geworden?

Ursula Hudson: Diese Mitgliedschaft sehen wir als Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation. Wer was miteinander zu tun hat, sollte was miteinander tun. Und inhaltlich haben wir viel gemeinsam, ein ganzheitlicher Zugang zu Lebensmitteln und deren Ursprung.

Stephan Illi: Im Geiste waren wir ja schon lange miteinander verbandelt, da wurde es höchste Zeit, das auch formal zu vollziehen. Uns verbindet die Arbeit an der Qualität unserer Nahrung. Wir beide -  Slowfood und Demeter – setzen uns für authentische Lebensmittel ein. Mit Sorgfalt, der nötigen Achtung vor dem Lebendigen, mit echter Handwerkskunst und beharrlicher Zielstrebigkeit erzeugt. Übrigens zeichnet Demeter als einzigen Verband in der Bio-Branche ja gerade auch aus, dass wir wirklich alle Ebenen der Wertschöpfungskette im Verband verbinden, also vom Züchter, Erzeuger, Verarbeiter, Hersteller bis zum Händler und zum Verbraucher. Durch die Netzwerk-Arbeit mit SlowFood werden sich die jeweiligen Kompetenzen gut gegenseitig ergänzen.

 

Nun werden Sie gemeinsam aktiv bei dieser Berliner Veranstaltung mit der Titelfrage „Wem gehört die Landwirtschaft“. Warum gerade dieses Thema?

UH: SlowFood beschäftigt sich ja seit Jahren mit der unmittelbaren Verknüpfung von Verbrauchern und landwirtschaftlich-handwerklicher Produktion. Das bedeutet im Grunde auch: für uns gehört Landwirtschaft allen. Aber ist das heute noch so? Für SlowFood sind die Bäuerinnen und Bauern, die sich für ökologische, nachhaltige Agrarkultur einsetzen, jeden Tag im Stall und auf dem Acker sind zentral wichtige Partner, Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben heute wenig oder keinen Bezug mehr zur bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Für eine Verbesserung des Lebensmittelsystem ist es wichtig, diese Kluft wieder zu überwinden, zu verstehen woher unsere Lebensmittel kommen, wie sie gemacht sind und wer sie für uns produziert hat. Dazu gehört auch als Verbraucher, oder als Ko-Produzent Verantwortung mit zu übernehmen und sich mit denen, die Lebensmittel erzeugen für Ernährungssouveränität zu engagieren, dazu gehören auch Themen wie: wem gehören Boden, Wasser, Luft und das Saatgut.

SI: Uns bei Demeter geht es um einen ganzheitlichen Umgang mit der Natur. Das verbindet uns sicherlich mit den bewussten Genießern die sich bei Slowfood engagieren, denn sie haben ja erkannt, dass nur durch diese Art der Agrarkultur gute, ehrliche Lebensmittel entstehen können. Wir müssen uns klar machen, dass jeder mitentscheidet, welche Art der Landwirtschaft es in Zukunft noch geben wird. Und dabei ist die Frage nach den Besitzverhältnissen natürlich zentral.

 

Also ist die Veranstaltung auch ein Ausdruck des gemeinsamen Bemühens, einen Beitrag zu einer besseren Landwirtschaft zu leisten, für ein besseres, sauberes und faires Lebensmittelsystem?

UH: Genau darum geht es letztlich. Wir müssen ein breiteres Bewusstsein für die Fragestellung erzeugen, da sind wir alle gefragt, jeder von uns und auch  die Politik, da ist die ganze Gesellschaft gefordert.

SI: Für uns zieht sich die Fragestellung als Jahresthema von Demeter durch. Wir waren dafür in Brüssel, hatten schon eine Veranstaltung in in Baden-Württemberg und jetzt in Berlin. Es muss uns gelingen, eine Brücke zu schlagen vom Landwirt zum Verbraucher. Wer darf Land wie bewirtschaften? Was ist da gewollt, von Gesellschaft und Politik. Wer sich damit beschäftigt und entsprechend Weichen stellt, verwandelt die Wertschöpfungskette in eine Wertschätzungskette. Daran arbeiten die 1400 Demeter-Bäuerinnen und –Bauern sowie die rund 300 Verarbeiter im Demeter e. V. – gern gemeinsam mit SlowFood und anderen Verbündeten. Die wollen wir auch im Agrarausschuss, in den Ministerien, beim Fachpublikum finden. Es geht uns darum, ganz konkrete Lösungsansätze im Bezug auf die Problematik der Landeigentumsfragen aufzeigen und dabei voran zu kommen.

Die Fragen stellte Renée Herrnkind,
Journalistinbüro Schwarz auf Weiss

20.10.2012
Interview: Wem gehört die Landwirtschaft?
Demeter und SlowFood: Zusammenarbeit dient gemeinsamen Zielen

Landwirtschaft und Verbraucher verbinden  

Da wächst zusammen was zusammen gehört: Slowfood und biodynamische Demeter-Qualität. So sehen es die beiden Organisationen, die Feinschmecker und Lebensmittel-Retter von Slowfood und die Öko-Pioniere von Demeter. Sie haben sich im Februar 2012 bei der Weltleitmesse für Bio, der BioFach in Nürnberg, zusammen getan und eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Was sind die Motive für die Kooperation, welche Ziele stehen dahinter? Im Gespräch mit SlowFood-Präsidentin Ursula Hudson und Demeter-Vorstand Stephan Illi entwickeln beide Perspektiven für eine genussvolle Zukunft. 

 

Warum ist Demeter assoziertes Mitglied von SlowFood geworden?

Ursula Hudson: Diese Mitgliedschaft sehen wir als Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation. Wer was miteinander zu tun hat, sollte was miteinander tun. Und inhaltlich haben wir viel gemeinsam, ein ganzheitlicher Zugang zu Lebensmitteln und deren Ursprung.

Stephan Illi: Im Geiste waren wir ja schon lange miteinander verbandelt, da wurde es höchste Zeit, das auch formal zu vollziehen. Uns verbindet die Arbeit an der Qualität unserer Nahrung. Wir beide -  Slowfood und Demeter – setzen uns für authentische Lebensmittel ein. Mit Sorgfalt, der nötigen Achtung vor dem Lebendigen, mit echter Handwerkskunst und beharrlicher Zielstrebigkeit erzeugt. Übrigens zeichnet Demeter als einzigen Verband in der Bio-Branche ja gerade auch aus, dass wir wirklich alle Ebenen der Wertschöpfungskette im Verband verbinden, also vom Züchter, Erzeuger, Verarbeiter, Hersteller bis zum Händler und zum Verbraucher. Durch die Netzwerk-Arbeit mit SlowFood werden sich die jeweiligen Kompetenzen gut gegenseitig ergänzen.

 

Nun werden Sie gemeinsam aktiv bei dieser Berliner Veranstaltung mit der Titelfrage „Wem gehört die Landwirtschaft“. Warum gerade dieses Thema?

UH: SlowFood beschäftigt sich ja seit Jahren mit der unmittelbaren Verknüpfung von Verbrauchern und landwirtschaftlich-handwerklicher Produktion. Das bedeutet im Grunde auch: für uns gehört Landwirtschaft allen. Aber ist das heute noch so? Für SlowFood sind die Bäuerinnen und Bauern, die sich für ökologische, nachhaltige Agrarkultur einsetzen, jeden Tag im Stall und auf dem Acker sind zentral wichtige Partner, Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben heute wenig oder keinen Bezug mehr zur bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Für eine Verbesserung des Lebensmittelsystem ist es wichtig, diese Kluft wieder zu überwinden, zu verstehen woher unsere Lebensmittel kommen, wie sie gemacht sind und wer sie für uns produziert hat. Dazu gehört auch als Verbraucher, oder als Ko-Produzent Verantwortung mit zu übernehmen und sich mit denen, die Lebensmittel erzeugen für Ernährungssouveränität zu engagieren, dazu gehören auch Themen wie: wem gehören Boden, Wasser, Luft und das Saatgut.

SI: Uns bei Demeter geht es um einen ganzheitlichen Umgang mit der Natur. Das verbindet uns sicherlich mit den bewussten Genießern die sich bei Slowfood engagieren, denn sie haben ja erkannt, dass nur durch diese Art der Agrarkultur gute, ehrliche Lebensmittel entstehen können. Wir müssen uns klar machen, dass jeder mitentscheidet, welche Art der Landwirtschaft es in Zukunft noch geben wird. Und dabei ist die Frage nach den Besitzverhältnissen natürlich zentral.

 

Also ist die Veranstaltung auch ein Ausdruck des gemeinsamen Bemühens, einen Beitrag zu einer besseren Landwirtschaft zu leisten, für ein besseres, sauberes und faires Lebensmittelsystem?

UH: Genau darum geht es letztlich. Wir müssen ein breiteres Bewusstsein für die Fragestellung erzeugen, da sind wir alle gefragt, jeder von uns und auch  die Politik, da ist die ganze Gesellschaft gefordert.

SI: Für uns zieht sich die Fragestellung als Jahresthema von Demeter durch. Wir waren dafür in Brüssel, hatten schon eine Veranstaltung in in Baden-Württemberg und jetzt in Berlin. Es muss uns gelingen, eine Brücke zu schlagen vom Landwirt zum Verbraucher. Wer darf Land wie bewirtschaften? Was ist da gewollt, von Gesellschaft und Politik. Wer sich damit beschäftigt und entsprechend Weichen stellt, verwandelt die Wertschöpfungskette in eine Wertschätzungskette. Daran arbeiten die 1400 Demeter-Bäuerinnen und –Bauern sowie die rund 300 Verarbeiter im Demeter e. V. – gern gemeinsam mit SlowFood und anderen Verbündeten. Die wollen wir auch im Agrarausschuss, in den Ministerien, beim Fachpublikum finden. Es geht uns darum, ganz konkrete Lösungsansätze im Bezug auf die Problematik der Landeigentumsfragen aufzeigen und dabei voran zu kommen.

Die Fragen stellte Renée Herrnkind,
Journalistinbüro Schwarz auf Weiss