Die Zukunft der Tierhaltung: Respekt für das Leben, Wertschätzung für das Lebensmittel

Berliner Veranstaltung von Demeter, SlowFood, ProVieh

Die Zukunft der Tierhaltung: Respekt für das Leben, Wertschätzung für das Lebensmittel

15.11.2013
Die Zukunft der Tierhaltung diskutierten (von links nach rechts) Dr. Alexander Gerber, Vorstand Demeter e.V., Sebastian Gronbach, spiritueller Dienstleister, Stefan Johnigk, ProVieh, Renée Herrnkind (Moderation), Michael Hoffmann (Restaurant Margaux Berlin), Dr. Ursula Hudson (SlowFood Deutschland) und Martin Ott, Demeter-Landwirt
Die Zukunft der Tierhaltung diskutierten (von links nach rechts) Dr. Alexander Gerber, Vorstand Demeter e.V., Sebastian Gronbach, spiritueller Dienstleister, Stefan Johnigk, ProVieh, Renée Herrnkind (Moderation), Michael Hoffmann (Restaurant Margaux Berlin), Dr. Ursula Hudson (SlowFood Deutschland) und Martin Ott, Demeter-Landwirt

"Eine Tierhaltung, wie sie derzeit in der großen Breite der Landwirtschaft betrieben wird, ist einer Wertegesellschaft wie der unseren nicht würdig“, so Demeter-Vorstand Alexander Gerber zum Auftakt der zweiten Berliner Veranstaltung von Demeter und Slowfood Deutschland, diesmal mit ProVieh als weiterem Partner. Eine Welt ohne Kühe, Schweine, Ziegen oder  Hühner wollten und konnten sich die Referenten jedoch nicht vorstellen. Ob die Nutztiere als Lebensmittellieferanten für den Menschen dienen sollen, beurteilten die Redner je nach persönlicher Präferenz ganz unterschiedlich. Dennoch gibt es für den überzeugten Veganer Sebastian Gronbach, für Michael Hoffmann, den gärtnernden Sterne-Koch, und für  Kuhflüsterer und Demeter-Landwirt Martin Ott ein klares gemeinsames Ziel. Sie fordern eine Abkehr von der industriellen Agrarwirtschaft hin zu einer Agrarkultur, in der Menschen dem Tier mit dem ihm gebührenden Respekt begegnen.

”Dazu braucht es Menschen, die eine solche Landwirtschaft mit Hingabe betreiben, Menschen, die deren Produkte wertschätzen und einen entsprechenden ordnungspolitischen Rahmen “, unterstrich Gerber. Seine Slowfood-Mitstreiterin Ursula Hudson  führte aus: “Dafür muss vor allem der Fleischkonsum drastisch reduziert werden und der Fleischpreis so hoch sein, dass er eine artgerechte Tierhaltung ermöglicht und die Umweltkosten der Produktion widerspiegelt.“ Stefan Johnigk von ProVieh forderte, das Wohl des Lebewesens Tier einschließlich der Biene und dem unscheinbaren Fadenwurm im Boden zum Maß aller Aktivitäten in der Landwirtschaft zu machen.

“Braucht der Mensch noch Nutztiere” war die Frage, die nicht nur die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium bewegte, sondern auch eine große Anzahl gerade jüngerer Menschen in die Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz geführt hatte. Demeter, der einzige ökologische Verband, der die Tierhaltung als Herzstück seiner Biodynamischen Wirtschaftsweise verbindlich festlegt, bot so eine Plattform für Austausch zu einem Thema, das die Gesellschaft herausfordert.

Thomas Griese, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, plädierte eindringlich für Haltungsvorschriften, die ein Schweineleben auf weniger als einem Quadratmeter Fläche verhindern. Die Politik sei gefordert, die Nutztierhaltung grundlegend zu verändern: „Das muss jetzt Eingang in die Berliner Koalitionsverhandlungen finden.“ Denn, so Gerber von Demeter: „Unser ökonomisches System kennt keine Tierethik. Nur wenn wir sie durch gesellschaftliche Vereinbarungen in die Tierhaltung einführen, werden wir unserer Verantwortung gerecht. Voraussetzung dafür ist das Bewußtsein dafür, dass wir mit der Natur eine Einheit bilden und das Tier damit ein Teil von uns ist.“

Der Tierärztin und Autorin Anita Idel („Die Kuh ist kein Klimakiller“) gelang es in ihrem Impulsvortrag, die Interaktionen zwischen Lebensräumen zu zeigen. Sie ging auf die Co-Evolution von Gras und Grasfresser ein und rechnete vor, dass nur durch nachhaltige Weidewirtschaft mit Rindern ein Humusaufbau erreichbar ist. „Der Humusverlust, der in Deutschland durch die Förderung von Energiepflanzenanbau bereits entstanden ist, ist klimarelevant“, kritisierte sie.

Martin Ott, biodynamischer Landwirt aus der Schweiz, brachte dem Publikum das Wesen Kuh auf mitreißend lebendige Weise nahe. „Die Kuh ist das einzige Tier, das uns ermöglicht, Landwirtschaft am Ort zu betreiben“, schilderte er das Organismus-Prinzip von Demeter. Dabei werden genau so viele Tiere gehalten, wie die Fläche ernähren kann, wodurch wiederum genau die passende Menge an Mist gewonnen wird, der als wertvoller Dünger den wichtigen Humusaufbau ermöglicht. Er plädierte für eine partnerschaftliche Landwirtschaft und stellte seine kreativen Lösungsansätze für eine wesensgemäße Kuhhaltung pointiert vor. Dank entsprechendem Herdenmanagement, geklärter Beziehung zwischen Mensch und Tier und baulichen Voraussetzungen kann Ott  muttergestützte Kälberaufzucht betreiben und seinen Stier beim Melken zuschauen lassen.

Michael Hoffmann, Sterne-Koch aus dem Berliner Restaurant „Margaux“, forderte einerseits seine Kollegen auf, Verantwortung zu übernehmen für die Lebensmittelerzeugung und andererseits das Fach Ernährung als Pflichtaufgabe für alle Schulen. Seitdem er einen großen Gemüsegarten pflegt, in dem  170 Gemüsesorten wachsen, „ist eine Welt an Vielfalt, Textur, Geschmack und Farbe aufgegangen und habe ich Demut gelernt.“ Konsequenter Weise wurden seitdem bei ihm viele Fleischgerichte von der Speisekarte gestrichen und das Tierische zur Beilage gemacht.

Sebastian Gronbach, spiritueller Dienstleister und Autor, gab Einblicke in seinen Weg zum veganen Lebensstil. Ihm geht es darum,  die seelischen Qualitäten der Tiere aufzunehmen ohne sie zu essen.

Er ermutigte wie alle anderen Referenten dazu, mit dem ersten Schritt zu einer Veränderung bei sich selbst zu beginnen und auszuprobieren, was gut tut und verantwortungsvoll für das Ganze wirkt. „Der Griff zum richtigen Angebot in Lebensmittel-Regal gibt dem Bauern die Freiheit, das Richtige zu tun“, schlug Martin Ott die Brücke zwischen Erzeuger und Konsument, die in einer Wertschätzungskette verbunden sein müssen.

Auch auf der Website von Slow Food finden Sie einen interessanten Rückblick über die Ergebnisse der Veranstaltung.

Ein Handout zur Veranstaltung mit Fakten und Demeter-Position rund um das Thema Nutztiere finden Sie hier.

Begrüßung und Einstieg

  • Als erstes spricht Dr. Alexander Gerber.
  • Ab Minute 4:47 spricht Dr. Thomas Griese (Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz)
  • Ab Minute 22:28 spricht Dr. Alexander Gerber (Vorstand Demeter e.V.)

Impulsvorträge

  • Als erstes spricht Dr. Anita Idel (Tierärztin und Autorin „Die Kuh ist kein Klimakiller!“)
  • Ab Minute 21:22 spricht Martin Ott (Demeter-Landwirt und Autor „Kühe verstehen“)
  • Ab Minute 42:13 spricht Michael Hoffmann (Restaurant Margaux Berlin)

Podium

Statements und Atmo

15.11.2013
Die Zukunft der Tierhaltung: Respekt für das Leben, Wertschätzung für das Lebensmittel
Berliner Veranstaltung von Demeter, SlowFood, ProVieh

"Eine Tierhaltung, wie sie derzeit in der großen Breite der Landwirtschaft betrieben wird, ist einer Wertegesellschaft wie der unseren nicht würdig“, so Demeter-Vorstand Alexander Gerber zum Auftakt der zweiten Berliner Veranstaltung von Demeter und Slowfood Deutschland, diesmal mit ProVieh als weiterem Partner. Eine Welt ohne Kühe, Schweine, Ziegen oder  Hühner wollten und konnten sich die Referenten jedoch nicht vorstellen. Ob die Nutztiere als Lebensmittellieferanten für den Menschen dienen sollen, beurteilten die Redner je nach persönlicher Präferenz ganz unterschiedlich. Dennoch gibt es für den überzeugten Veganer Sebastian Gronbach, für Michael Hoffmann, den gärtnernden Sterne-Koch, und für  Kuhflüsterer und Demeter-Landwirt Martin Ott ein klares gemeinsames Ziel. Sie fordern eine Abkehr von der industriellen Agrarwirtschaft hin zu einer Agrarkultur, in der Menschen dem Tier mit dem ihm gebührenden Respekt begegnen.

”Dazu braucht es Menschen, die eine solche Landwirtschaft mit Hingabe betreiben, Menschen, die deren Produkte wertschätzen und einen entsprechenden ordnungspolitischen Rahmen “, unterstrich Gerber. Seine Slowfood-Mitstreiterin Ursula Hudson  führte aus: “Dafür muss vor allem der Fleischkonsum drastisch reduziert werden und der Fleischpreis so hoch sein, dass er eine artgerechte Tierhaltung ermöglicht und die Umweltkosten der Produktion widerspiegelt.“ Stefan Johnigk von ProVieh forderte, das Wohl des Lebewesens Tier einschließlich der Biene und dem unscheinbaren Fadenwurm im Boden zum Maß aller Aktivitäten in der Landwirtschaft zu machen.

“Braucht der Mensch noch Nutztiere” war die Frage, die nicht nur die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium bewegte, sondern auch eine große Anzahl gerade jüngerer Menschen in die Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz geführt hatte. Demeter, der einzige ökologische Verband, der die Tierhaltung als Herzstück seiner Biodynamischen Wirtschaftsweise verbindlich festlegt, bot so eine Plattform für Austausch zu einem Thema, das die Gesellschaft herausfordert.

Thomas Griese, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, plädierte eindringlich für Haltungsvorschriften, die ein Schweineleben auf weniger als einem Quadratmeter Fläche verhindern. Die Politik sei gefordert, die Nutztierhaltung grundlegend zu verändern: „Das muss jetzt Eingang in die Berliner Koalitionsverhandlungen finden.“ Denn, so Gerber von Demeter: „Unser ökonomisches System kennt keine Tierethik. Nur wenn wir sie durch gesellschaftliche Vereinbarungen in die Tierhaltung einführen, werden wir unserer Verantwortung gerecht. Voraussetzung dafür ist das Bewußtsein dafür, dass wir mit der Natur eine Einheit bilden und das Tier damit ein Teil von uns ist.“

Der Tierärztin und Autorin Anita Idel („Die Kuh ist kein Klimakiller“) gelang es in ihrem Impulsvortrag, die Interaktionen zwischen Lebensräumen zu zeigen. Sie ging auf die Co-Evolution von Gras und Grasfresser ein und rechnete vor, dass nur durch nachhaltige Weidewirtschaft mit Rindern ein Humusaufbau erreichbar ist. „Der Humusverlust, der in Deutschland durch die Förderung von Energiepflanzenanbau bereits entstanden ist, ist klimarelevant“, kritisierte sie.

Martin Ott, biodynamischer Landwirt aus der Schweiz, brachte dem Publikum das Wesen Kuh auf mitreißend lebendige Weise nahe. „Die Kuh ist das einzige Tier, das uns ermöglicht, Landwirtschaft am Ort zu betreiben“, schilderte er das Organismus-Prinzip von Demeter. Dabei werden genau so viele Tiere gehalten, wie die Fläche ernähren kann, wodurch wiederum genau die passende Menge an Mist gewonnen wird, der als wertvoller Dünger den wichtigen Humusaufbau ermöglicht. Er plädierte für eine partnerschaftliche Landwirtschaft und stellte seine kreativen Lösungsansätze für eine wesensgemäße Kuhhaltung pointiert vor. Dank entsprechendem Herdenmanagement, geklärter Beziehung zwischen Mensch und Tier und baulichen Voraussetzungen kann Ott  muttergestützte Kälberaufzucht betreiben und seinen Stier beim Melken zuschauen lassen.

Michael Hoffmann, Sterne-Koch aus dem Berliner Restaurant „Margaux“, forderte einerseits seine Kollegen auf, Verantwortung zu übernehmen für die Lebensmittelerzeugung und andererseits das Fach Ernährung als Pflichtaufgabe für alle Schulen. Seitdem er einen großen Gemüsegarten pflegt, in dem  170 Gemüsesorten wachsen, „ist eine Welt an Vielfalt, Textur, Geschmack und Farbe aufgegangen und habe ich Demut gelernt.“ Konsequenter Weise wurden seitdem bei ihm viele Fleischgerichte von der Speisekarte gestrichen und das Tierische zur Beilage gemacht.

Sebastian Gronbach, spiritueller Dienstleister und Autor, gab Einblicke in seinen Weg zum veganen Lebensstil. Ihm geht es darum,  die seelischen Qualitäten der Tiere aufzunehmen ohne sie zu essen.

Er ermutigte wie alle anderen Referenten dazu, mit dem ersten Schritt zu einer Veränderung bei sich selbst zu beginnen und auszuprobieren, was gut tut und verantwortungsvoll für das Ganze wirkt. „Der Griff zum richtigen Angebot in Lebensmittel-Regal gibt dem Bauern die Freiheit, das Richtige zu tun“, schlug Martin Ott die Brücke zwischen Erzeuger und Konsument, die in einer Wertschätzungskette verbunden sein müssen.

Auch auf der Website von Slow Food finden Sie einen interessanten Rückblick über die Ergebnisse der Veranstaltung.

Ein Handout zur Veranstaltung mit Fakten und Demeter-Position rund um das Thema Nutztiere finden Sie hier.

Begrüßung und Einstieg

  • Als erstes spricht Dr. Alexander Gerber.
  • Ab Minute 4:47 spricht Dr. Thomas Griese (Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz)
  • Ab Minute 22:28 spricht Dr. Alexander Gerber (Vorstand Demeter e.V.)

Impulsvorträge

  • Als erstes spricht Dr. Anita Idel (Tierärztin und Autorin „Die Kuh ist kein Klimakiller!“)
  • Ab Minute 21:22 spricht Martin Ott (Demeter-Landwirt und Autor „Kühe verstehen“)
  • Ab Minute 42:13 spricht Michael Hoffmann (Restaurant Margaux Berlin)

Podium

Statements und Atmo