SWR Dokumentation über Demeter-Landwirt Herbert Fleck, 27.10.

"Vom Power-Bauern zum Bio-Pionier"

SWR Dokumentation über Demeter-Landwirt Herbert Fleck, 27.10.

15.10.2013
Glücklich statt reich - so sieht die SWR Doku den Demeter Bauern Herbert Fleck Foto: Anette Wagner/SWR
Glücklich statt reich - so sieht die SWR Doku den Demeter Bauern Herbert Fleck Foto: Anette Wagner/SWR
Ein Film von Annette Wagner
Sonntag, 27.10. 2013, 10:30 Uhr
SWR Fernsehen, „Menschen unter uns“
 
Angefangen hat DEMETER-Bauer Herbert Fleck ganz anders. Als er 1995 den traditionell geführten elterlichen Hof im Allgäu übernahm, startete er zunächst als ‚Powerbauer’ durch. Seine Devise hieß: "Die Kuhzahl verdoppeln, die Milchleistung steigern, so viel wie möglich aus jedem Tier herausholen“. So hatte er es auf der Landwirtschaftsschule gelernt. Außerdem galt es, seine junge Familie und seine Eltern zu ernähren. Doch die überforderten Kühe waren häufig krank. Und ihm persönlich setzte es immer mehr zu, Tiere wie Maschinen zu behandeln.
 
Vier Jahre später begann Bauer Fleck deshalb damit, seinen Hof auf ökologischen Landbau umzustellen. Er machte Schluss mit chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, ließ seine Kühe im Stall frei herumlaufen oder trieb sie im Sommer tagsüber auf die umliegenden Weiden. Wenig später hörte er auch damit auf, den kleinen Kälbchen die Ansätze ihrer Hörner auszubrennen - wie es immer noch bei weit über der Hälfte des Milchviehs in Deutschland geschieht. Diese grausame Aktion hatte ihn seelisch zu sehr belastet. Sie widerspricht auch seinem christlichen Weltbild: "Der Schöpfer hat sich etwas dabei gedacht, als er die Welt so erschaffen hat wie sie ist. Und der Kuh hat er nun einmal Hörner gegeben.“ 
 
Doch Herbert Flecks Konsequenz hatte ihren Preis. Die Milchleistung seiner Kühe ging von 8000 Liter auf heute 5400 Liter zurück, und in seinem Dorf wurde der Bio-Pionier bald als Spinner abgetan. Sein Vater fragte ihn in diesen schwierigen Zeiten voller Sorge, ob er den elterlichen Hof "vor die Wand fahren" wolle. Nach finanziell klammen Anfangsjahren hat Flecks Weg zurück zur Natur sich allerdings bewährt. Rund 700 Kunden beliefert er mittlerweile direkt mit traditionell-handwerklich pasteurisierter Milch, Schlagsahne und Joghurt. Reich ist er damit nicht geworden, aber vielleicht zufrieden?
 
Privat ist Herbert Flecks Leben nicht ohne Probleme. Im Dorf ist der konsequente Demeter-Bauer ein Außenseiter, der über das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr hinaus wenig Berührungspunkte mit anderen Bauern hat. Seine erste Frau, die in den bäuerlichen Familienbetrieb eingeheiratet und ihn mit ökologischem Gedankengut infiziert hatte, verließ ihn, weil sie sich ein stadtnaheres Leben mit Kinos und Theatern gewünscht hatte. Die mittlerweile sechzehnjährige Tochter lebt deswegen heute teils in der bäuerlichen Großfamilie auf dem Land, teils mit der Mutter in der Stadt - ein nicht einfacher Spagat.
 
Annette Wagner hat Herbert Fleck porträtiert. Sie zeigt einen bodenständigen Allgäuer Bio-Bauern, der seinen Weg gefunden hat und der das lebt, woran er glaubt. Die SWR-Filmemacherin hat aber auch hinter die Kulissen geblickt - und eine sensible Persönlichkeit gefunden, die für ihre Überzeugungen einen hohen Preis zahlen muss. Doch anderswo im Allgäu findet Fleck auch gleichgesinnte Bauern, die Kühe nicht nur als Nutztiere betrachten, sondern als Lebewesen respektieren wollen.
 
In der SWR Mediathek sind die aktuellen Beiträge der Reihe Menschen unter uns hier zu finden.
15.10.2013
SWR Dokumentation über Demeter-Landwirt Herbert Fleck, 27.10.
"Vom Power-Bauern zum Bio-Pionier"
Ein Film von Annette Wagner
Sonntag, 27.10. 2013, 10:30 Uhr
SWR Fernsehen, „Menschen unter uns“
 
Angefangen hat DEMETER-Bauer Herbert Fleck ganz anders. Als er 1995 den traditionell geführten elterlichen Hof im Allgäu übernahm, startete er zunächst als ‚Powerbauer’ durch. Seine Devise hieß: "Die Kuhzahl verdoppeln, die Milchleistung steigern, so viel wie möglich aus jedem Tier herausholen“. So hatte er es auf der Landwirtschaftsschule gelernt. Außerdem galt es, seine junge Familie und seine Eltern zu ernähren. Doch die überforderten Kühe waren häufig krank. Und ihm persönlich setzte es immer mehr zu, Tiere wie Maschinen zu behandeln.
 
Vier Jahre später begann Bauer Fleck deshalb damit, seinen Hof auf ökologischen Landbau umzustellen. Er machte Schluss mit chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, ließ seine Kühe im Stall frei herumlaufen oder trieb sie im Sommer tagsüber auf die umliegenden Weiden. Wenig später hörte er auch damit auf, den kleinen Kälbchen die Ansätze ihrer Hörner auszubrennen - wie es immer noch bei weit über der Hälfte des Milchviehs in Deutschland geschieht. Diese grausame Aktion hatte ihn seelisch zu sehr belastet. Sie widerspricht auch seinem christlichen Weltbild: "Der Schöpfer hat sich etwas dabei gedacht, als er die Welt so erschaffen hat wie sie ist. Und der Kuh hat er nun einmal Hörner gegeben.“ 
 
Doch Herbert Flecks Konsequenz hatte ihren Preis. Die Milchleistung seiner Kühe ging von 8000 Liter auf heute 5400 Liter zurück, und in seinem Dorf wurde der Bio-Pionier bald als Spinner abgetan. Sein Vater fragte ihn in diesen schwierigen Zeiten voller Sorge, ob er den elterlichen Hof "vor die Wand fahren" wolle. Nach finanziell klammen Anfangsjahren hat Flecks Weg zurück zur Natur sich allerdings bewährt. Rund 700 Kunden beliefert er mittlerweile direkt mit traditionell-handwerklich pasteurisierter Milch, Schlagsahne und Joghurt. Reich ist er damit nicht geworden, aber vielleicht zufrieden?
 
Privat ist Herbert Flecks Leben nicht ohne Probleme. Im Dorf ist der konsequente Demeter-Bauer ein Außenseiter, der über das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr hinaus wenig Berührungspunkte mit anderen Bauern hat. Seine erste Frau, die in den bäuerlichen Familienbetrieb eingeheiratet und ihn mit ökologischem Gedankengut infiziert hatte, verließ ihn, weil sie sich ein stadtnaheres Leben mit Kinos und Theatern gewünscht hatte. Die mittlerweile sechzehnjährige Tochter lebt deswegen heute teils in der bäuerlichen Großfamilie auf dem Land, teils mit der Mutter in der Stadt - ein nicht einfacher Spagat.
 
Annette Wagner hat Herbert Fleck porträtiert. Sie zeigt einen bodenständigen Allgäuer Bio-Bauern, der seinen Weg gefunden hat und der das lebt, woran er glaubt. Die SWR-Filmemacherin hat aber auch hinter die Kulissen geblickt - und eine sensible Persönlichkeit gefunden, die für ihre Überzeugungen einen hohen Preis zahlen muss. Doch anderswo im Allgäu findet Fleck auch gleichgesinnte Bauern, die Kühe nicht nur als Nutztiere betrachten, sondern als Lebewesen respektieren wollen.
 
In der SWR Mediathek sind die aktuellen Beiträge der Reihe Menschen unter uns hier zu finden.