„Je mehr man den Dingen die Zeit nimmt, desto mehr leidet die Qualität.“

Interview mit Frau Dr. Gesa Schönberger:

„Je mehr man den Dingen die Zeit nimmt, desto mehr leidet die Qualität.“

25.09.2012
Wirken biodynamische Rhythmen auf die Gesundheit? Dr. Gesa Schönberger von der Dr. Rainer Wild Stiftung spricht mit Demeter über Zeit und Qualität.
Dr. Gesa Schönberger sprach mit Demeter über Zeit und Qualität.

Im Rückblick auf die Tagung „Tempodiät“ in Tutzing, vergangene Woche, spricht Demeter.de mit Dr. Gesa Schönberger, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild-Stiftung über Essen und Zeit. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Ernährungsfachleute, Gesundheitsforscher und Multiplikatoren unsere Zeit- und Esskultur und was in diesen Bereichen für eine gesunde Zukunft getan werden kann.

Demeter.de: Frau Schönberger, die biodynamische Landwirtschaft basiert auf bestimmten Rhythmen, respektiert auch die Rhythmen der Vegetation und der Tiere. Das trägt maßgeblich zu unserer besonderen Qualität bei. Eine solche Form der Produktion kostet entsprechend auch Zeit und die nehmen wir uns. Was sagen Sie zu der Formel „Qualität braucht Zeit?“

Dr. Gesa Schönberger: Ja, da steckt sehr viel drin, natürlich! Und dennoch kommt es auf jeden Einzelfall an: je mehr man den Dingen die Zeit nimmt, desto mehr leidet die Qualität. Wir können es andererseits mit der Zeit natürlich auch übertreiben. Manche Dinge sind „über ihre Zeit“, wenn sie zuviel Zeit hatten.

Demeter.de: Ist Qualität auch gesünder? Gibt es einen Weg zur Gesundheit über den Genuss von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln?

Dr. Gesa Schönberger: Nein, darauf würde ich mich so nicht einlassen. Das wäre schön, aber darauf kommt es nicht an. Wir brauchen das Argument der Gesundheit nicht, um die Forderung nach Qualität zu untermauern. Qualität ist ein Wert an sich, Gesundheit ist ein anderer. Ob man nun in 300 Studien nachschaut, ob Bio gesünder ist oder ob es 1000 sind – im Grunde wird man immer zu dem gleichen Ergebnis kommen: Gesundheit ist so vielschichtig, hat so lange Zeitskalen und hängt von so vielen Dingen ab, dass man sie nicht auf den Lebensmittelkonsum reduzieren kann.

Ich wage zu bezweifeln, dass das jemals gelingt.

Demeter.de: Frau Schönberger, Ihre Stiftung setzt sich ein für eine gesunde Ernährung, Sie bedenken auch kulturelle und soziale Aspekte. Das Ziel ist, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für gutes Essen zu schaffen, unter Einbeziehung aller Akteure der Wertschöpfungskette „Ernährung“. Auch Demeter legt großen Wert auf die Umsetzung und das Weiterreichen der biodynamischen Qualität vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Wir sprechen da auch von „Wertschätzungskette“. Uns interessiert: Wo mangelt es Ihrer Meinung nach in unserer Gesellschaft an Wertschätzung, wo an Bereitschaft Zeit zu investieren?

Dr. Gesa Schönberger: Betrachtet man nur die Zeit, kann man sehen, dass man an allen Punkten der Wertschöpfungskette wieder Zeit zugeben könnte. Es gibt aber viel mehr, wie man Wertschätzung ausdrücken kann. Sie drückt sich z.B. auch darin aus, dass wir ganz bestimmte Lebensmittel für Festtage auswählen. Sie können natürlich sagen, die Landwirtschaft muss mit mehr Zeit arbeiten dürfen und damit natürlich auch mehr Geld erhalten, das ist ja immer miteinander verbunden. Und dann haben Sie nachher ein Biofertigprodukt, das Sie nur noch in der Mikrowelle aufwärmen müssen. Das birgt Widersprüche. Überall da, wo auf dem Weg vom Erzeugen bis zum Verzehr Zeit, z.B. auf Kosten von Qualität gespart wird, da könnte wieder mehr Zeit investiert werden. Wobei das ja nicht heißt, dass man zurück zu ganz alten Strukturen muss. Mit Sicherheit gibt es auch moderne Ideen, neue Wege, die man ausprobieren könnte.

Demeter.de: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Passen in Ihre persönliche Esskultur auch Demeterprodukte?

Dr. Gesa Schönberger: Ja, das tun sie.

Demeter.de: Das freut uns, Frau Schönberger. Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview!“

„Je mehr man den Dingen die Zeit nimmt, desto mehr leidet die Qualität.“
Interview mit Frau Dr. Gesa Schönberger:

Im Rückblick auf die Tagung „Tempodiät“ in Tutzing, vergangene Woche, spricht Demeter.de mit Dr. Gesa Schönberger, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild-Stiftung über Essen und Zeit. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Ernährungsfachleute, Gesundheitsforscher und Multiplikatoren unsere Zeit- und Esskultur und was in diesen Bereichen für eine gesunde Zukunft getan werden kann.

Demeter.de: Frau Schönberger, die biodynamische Landwirtschaft basiert auf bestimmten Rhythmen, respektiert auch die Rhythmen der Vegetation und der Tiere. Das trägt maßgeblich zu unserer besonderen Qualität bei. Eine solche Form der Produktion kostet entsprechend auch Zeit und die nehmen wir uns. Was sagen Sie zu der Formel „Qualität braucht Zeit?“

Dr. Gesa Schönberger: Ja, da steckt sehr viel drin, natürlich! Und dennoch kommt es auf jeden Einzelfall an: je mehr man den Dingen die Zeit nimmt, desto mehr leidet die Qualität. Wir können es andererseits mit der Zeit natürlich auch übertreiben. Manche Dinge sind „über ihre Zeit“, wenn sie zuviel Zeit hatten.

Demeter.de: Ist Qualität auch gesünder? Gibt es einen Weg zur Gesundheit über den Genuss von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln?

Dr. Gesa Schönberger: Nein, darauf würde ich mich so nicht einlassen. Das wäre schön, aber darauf kommt es nicht an. Wir brauchen das Argument der Gesundheit nicht, um die Forderung nach Qualität zu untermauern. Qualität ist ein Wert an sich, Gesundheit ist ein anderer. Ob man nun in 300 Studien nachschaut, ob Bio gesünder ist oder ob es 1000 sind – im Grunde wird man immer zu dem gleichen Ergebnis kommen: Gesundheit ist so vielschichtig, hat so lange Zeitskalen und hängt von so vielen Dingen ab, dass man sie nicht auf den Lebensmittelkonsum reduzieren kann.

Ich wage zu bezweifeln, dass das jemals gelingt.

Demeter.de: Frau Schönberger, Ihre Stiftung setzt sich ein für eine gesunde Ernährung, Sie bedenken auch kulturelle und soziale Aspekte. Das Ziel ist, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für gutes Essen zu schaffen, unter Einbeziehung aller Akteure der Wertschöpfungskette „Ernährung“. Auch Demeter legt großen Wert auf die Umsetzung und das Weiterreichen der biodynamischen Qualität vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Wir sprechen da auch von „Wertschätzungskette“. Uns interessiert: Wo mangelt es Ihrer Meinung nach in unserer Gesellschaft an Wertschätzung, wo an Bereitschaft Zeit zu investieren?

Dr. Gesa Schönberger: Betrachtet man nur die Zeit, kann man sehen, dass man an allen Punkten der Wertschöpfungskette wieder Zeit zugeben könnte. Es gibt aber viel mehr, wie man Wertschätzung ausdrücken kann. Sie drückt sich z.B. auch darin aus, dass wir ganz bestimmte Lebensmittel für Festtage auswählen. Sie können natürlich sagen, die Landwirtschaft muss mit mehr Zeit arbeiten dürfen und damit natürlich auch mehr Geld erhalten, das ist ja immer miteinander verbunden. Und dann haben Sie nachher ein Biofertigprodukt, das Sie nur noch in der Mikrowelle aufwärmen müssen. Das birgt Widersprüche. Überall da, wo auf dem Weg vom Erzeugen bis zum Verzehr Zeit, z.B. auf Kosten von Qualität gespart wird, da könnte wieder mehr Zeit investiert werden. Wobei das ja nicht heißt, dass man zurück zu ganz alten Strukturen muss. Mit Sicherheit gibt es auch moderne Ideen, neue Wege, die man ausprobieren könnte.

Demeter.de: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Passen in Ihre persönliche Esskultur auch Demeterprodukte?

Dr. Gesa Schönberger: Ja, das tun sie.

Demeter.de: Das freut uns, Frau Schönberger. Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview!“