Wie steht Demeter zu CMS-Gemüsesorten?

Fragen und Antworten zu CMS Hybridsorten

Wie steht Demeter zu CMS-Gemüsesorten?

05.08.2013

2005 war Demeter der erste Verband, der CMS-Sorten, die aus Zellfusionstechniken hervorgegangen sind, für den Demeter-Anbau ausgeschlossen hat. Schon vor 30 Jahren fingen Demeter-Gärtner und -Bauern an, sich mit der Herkunft ihres Saatgutes intensiv zu beschäftigen und nach Alternativen zu den industriellen Sorten zu suchen. Demeter hat damit in dieser Frage die Pionierrolle übernommen und die Debatte zwischen den anderen Anbauverbänden angestoßen. Als Folge haben die Mitglieder des Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vor einigen Jahren beschlossen, den Anbau von Sorten auszuschließen, die mit der CMS-Technik hergestellt werden. Die Züchtungsmethode verletzt nach Überzeugung von Demeter und der gesamten Bio-Branche die Integrität der Pflanze und ist mit den Prinzipien der Biodynamischen Wirtschaftsweise nicht vereinbar.

Was sagt Demeter zum aktuellen Fall in der WISO-Berichterstattung?

Nachdem mit einem neuen Analyse-Verfahren in einem Demeter-Blumenkohl-Produkt der Marke Natural Cool nachgewiesen wurde, dass eine CMS-Sorte enthalten ist, hat der Demeter .e V. unverzüglich dafür gesorgt, dass dieser Blumenkohl nicht mehr als Demeter-Ware gehandelt werden kann. Der Demeter e. V. hat dem Inverkehrbringer dafür die Anerkennung als Demeter-Produkt entzogen. Er hat darauf hin die notwendigen Schritte eingeleitet, um den Blumenkohl aus dem Handel zu nehmen. Alle erforderlichen Schritte wurden unverzüglich eingeleitet, um die Fehlerquelle zu ermitteln und abzustellen.

Um als Anbauer CMS-Hybridsorten überhaupt identifizieren zu können, hat der Demeter e.V. für seine Gemüseerzeuger eine Liste erstellt, die alle bekannten CMS-Hybridsorten beinhaltet. Um diese Liste überhaupt führen zu können, waren (und sind) umfangreiche Recherchen notwendig – und Demeter ist dabei auf die entsprechenden Informationen der Züchter und Saatgutfirmen angewiesen.

Erst wenn eine gesetzliche Regelung vorschreibt, dass die Saatgut-Anbieter die Züchtungsmethode ihrer jeweiligen Sorte veröffentlichen müssen, hätten die Verbände hier eine solide Basis und absolute Klarheit.  Diese Transparenz wird von der Bio-Branche gefordert – leider bisher vergeblich.

Was sind CMS-Sorten?

CMS steht für Cytoplasmatische Männliche Sterilität, die in manchen Pflanzen (wie Rettich und  Sonnenblume) auch als natürliche Eigenschaft vorhanden ist. Mit der Zellfusionstechnik wird die Eigenschaft der Cytoplasmatischen Männlichen Sterilität (CMS) zum Beispiel von einem Rettich auf andere Kreuzblütler wie Blumenkohl oder Brokkoli übertragen. Beim Chicorée wird diese Eigenschaft von der Sonnenblume übertragen, einem verwandten Korbblütler. Die natürliche Einkreuzung oder mit technischen Mitteln eingebrachte CMS-Eigenschaft in die Pflanze verhindert die Selbstbefruchtung. Diese Eigenschaft der Pflanzen hat ihren Sitz nicht im Zellkern, sondern im Plasma um den Zellkern herum. Es findet dabei keine Neukombination isolierter DNA statt. Die EU bestimmt in ihrer Freisetzungsrichtlinie des Gentechnikgesetzes, dass die Zellfusion zur Gentechnik gehört. Für CMS-Hbyriden formuliert sie jedoch ausdrücklich eine Ausnahme, weil die Eigenschaft auch auf natürlichem Wege übertragen werden könnte. CMS-Hybriden sind eine weitere Ausprägung der weit verbreiteten Hybrid-Züchtung. Hybrid-Sorten nennt man in der Pflanzenzüchtung die Nachkommen aus der Kreuzung von Inzuchtlinien. Die hieraus gewonnen Produkte zeichnen sich durch eine große Gleichförmigkeit in Wuchs und Aussehen aus und ermöglichen hohe Erträge. Ein Bauer oder Gärtner kann in der Regel von Hybridpflanzen kein verwertbares Saatgut gewinnen, denn diese Sorten sind nicht „samenfest“. Pflanzen, die aus Hybriden entstehen, enthalten oft weniger Trockensubstanz, also mehr wässrige Anteile, und häufig auch ein geringeres Aroma.

Wie engagiert sich Demeter für biodynamische Alternativen?

Als erster Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Biodynamisch gezüchtete Sorten werden zertifiziert. Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Wenn nun Demeter-Lebensmittel wie Säfte oder frisches Gemüse, Mehl, Brot, Müsli, Babynahrung auf die Herkunft „aus biologisch-dynamischer Züchtung“ verweisen, wird die Art und Weise der Züchtung der verwendeten Sorten auch für Verbraucher nachvollziehbar. Bei der Selektion dieser samenfesten Sorten wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. So entsteht höchste Nahrungsqualität von Anfang an. Biologisch-dynamisch gezüchtetes Saatgut gehört dem gemeinnützigen Verein „Kultursaat“, ist nachbaufähig und damit ein echtes Kulturgut in der Hand der Bauern und Gärtner.

Die Delegiertenversammlung des Demeter e. V. hat 2013 ein wichtiges Signal an die gesamte Biobranche und für die Zukunft der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gesetzt. Ab dem Haushaltsjahr 2014 wird der Verband der Biodynamischen Wirtschaftsweise jährlich mindestens 40 000 Euro zur Förderung der biodynamischen und ökologischen Pflanzen- und Tierzucht bereitstellen. Das Geld soll als Spende an die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und an Kultursaat e.V. gehen.

Wo erfahre ich mehr zum Thema und der biodynamischen Pflanzenzüchtung?

www.demeter.de/verbraucher/aktuell/j%C3%A4hrlich-40-000-euro-f%C3%BCr-%C3%B6kologische-pflanzen-und-tierzucht
www.demeter.de/verbraucher/landwirtschaft/artenvielfalt/biodynamische-pflanzenz%C3%BCchtung
www.demeter.de/presse/rechte-f%C3%BCr-pflanzen-rheinauer-thesen
www.saatgutfonds.de/gemuesezuechtung
www.saatgutfonds.de/getreidezuechtung
www.kultursaat.org
www.bingenheimersaatgut.de

 

 

 

05.08.2013
Wie steht Demeter zu CMS-Gemüsesorten?
Fragen und Antworten zu CMS Hybridsorten

2005 war Demeter der erste Verband, der CMS-Sorten, die aus Zellfusionstechniken hervorgegangen sind, für den Demeter-Anbau ausgeschlossen hat. Schon vor 30 Jahren fingen Demeter-Gärtner und -Bauern an, sich mit der Herkunft ihres Saatgutes intensiv zu beschäftigen und nach Alternativen zu den industriellen Sorten zu suchen. Demeter hat damit in dieser Frage die Pionierrolle übernommen und die Debatte zwischen den anderen Anbauverbänden angestoßen. Als Folge haben die Mitglieder des Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vor einigen Jahren beschlossen, den Anbau von Sorten auszuschließen, die mit der CMS-Technik hergestellt werden. Die Züchtungsmethode verletzt nach Überzeugung von Demeter und der gesamten Bio-Branche die Integrität der Pflanze und ist mit den Prinzipien der Biodynamischen Wirtschaftsweise nicht vereinbar.

Was sagt Demeter zum aktuellen Fall in der WISO-Berichterstattung?

Nachdem mit einem neuen Analyse-Verfahren in einem Demeter-Blumenkohl-Produkt der Marke Natural Cool nachgewiesen wurde, dass eine CMS-Sorte enthalten ist, hat der Demeter .e V. unverzüglich dafür gesorgt, dass dieser Blumenkohl nicht mehr als Demeter-Ware gehandelt werden kann. Der Demeter e. V. hat dem Inverkehrbringer dafür die Anerkennung als Demeter-Produkt entzogen. Er hat darauf hin die notwendigen Schritte eingeleitet, um den Blumenkohl aus dem Handel zu nehmen. Alle erforderlichen Schritte wurden unverzüglich eingeleitet, um die Fehlerquelle zu ermitteln und abzustellen.

Um als Anbauer CMS-Hybridsorten überhaupt identifizieren zu können, hat der Demeter e.V. für seine Gemüseerzeuger eine Liste erstellt, die alle bekannten CMS-Hybridsorten beinhaltet. Um diese Liste überhaupt führen zu können, waren (und sind) umfangreiche Recherchen notwendig – und Demeter ist dabei auf die entsprechenden Informationen der Züchter und Saatgutfirmen angewiesen.

Erst wenn eine gesetzliche Regelung vorschreibt, dass die Saatgut-Anbieter die Züchtungsmethode ihrer jeweiligen Sorte veröffentlichen müssen, hätten die Verbände hier eine solide Basis und absolute Klarheit.  Diese Transparenz wird von der Bio-Branche gefordert – leider bisher vergeblich.

Was sind CMS-Sorten?

CMS steht für Cytoplasmatische Männliche Sterilität, die in manchen Pflanzen (wie Rettich und  Sonnenblume) auch als natürliche Eigenschaft vorhanden ist. Mit der Zellfusionstechnik wird die Eigenschaft der Cytoplasmatischen Männlichen Sterilität (CMS) zum Beispiel von einem Rettich auf andere Kreuzblütler wie Blumenkohl oder Brokkoli übertragen. Beim Chicorée wird diese Eigenschaft von der Sonnenblume übertragen, einem verwandten Korbblütler. Die natürliche Einkreuzung oder mit technischen Mitteln eingebrachte CMS-Eigenschaft in die Pflanze verhindert die Selbstbefruchtung. Diese Eigenschaft der Pflanzen hat ihren Sitz nicht im Zellkern, sondern im Plasma um den Zellkern herum. Es findet dabei keine Neukombination isolierter DNA statt. Die EU bestimmt in ihrer Freisetzungsrichtlinie des Gentechnikgesetzes, dass die Zellfusion zur Gentechnik gehört. Für CMS-Hbyriden formuliert sie jedoch ausdrücklich eine Ausnahme, weil die Eigenschaft auch auf natürlichem Wege übertragen werden könnte. CMS-Hybriden sind eine weitere Ausprägung der weit verbreiteten Hybrid-Züchtung. Hybrid-Sorten nennt man in der Pflanzenzüchtung die Nachkommen aus der Kreuzung von Inzuchtlinien. Die hieraus gewonnen Produkte zeichnen sich durch eine große Gleichförmigkeit in Wuchs und Aussehen aus und ermöglichen hohe Erträge. Ein Bauer oder Gärtner kann in der Regel von Hybridpflanzen kein verwertbares Saatgut gewinnen, denn diese Sorten sind nicht „samenfest“. Pflanzen, die aus Hybriden entstehen, enthalten oft weniger Trockensubstanz, also mehr wässrige Anteile, und häufig auch ein geringeres Aroma.

Wie engagiert sich Demeter für biodynamische Alternativen?

Als erster Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Biodynamisch gezüchtete Sorten werden zertifiziert. Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Wenn nun Demeter-Lebensmittel wie Säfte oder frisches Gemüse, Mehl, Brot, Müsli, Babynahrung auf die Herkunft „aus biologisch-dynamischer Züchtung“ verweisen, wird die Art und Weise der Züchtung der verwendeten Sorten auch für Verbraucher nachvollziehbar. Bei der Selektion dieser samenfesten Sorten wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. So entsteht höchste Nahrungsqualität von Anfang an. Biologisch-dynamisch gezüchtetes Saatgut gehört dem gemeinnützigen Verein „Kultursaat“, ist nachbaufähig und damit ein echtes Kulturgut in der Hand der Bauern und Gärtner.

Die Delegiertenversammlung des Demeter e. V. hat 2013 ein wichtiges Signal an die gesamte Biobranche und für die Zukunft der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gesetzt. Ab dem Haushaltsjahr 2014 wird der Verband der Biodynamischen Wirtschaftsweise jährlich mindestens 40 000 Euro zur Förderung der biodynamischen und ökologischen Pflanzen- und Tierzucht bereitstellen. Das Geld soll als Spende an die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und an Kultursaat e.V. gehen.

Wo erfahre ich mehr zum Thema und der biodynamischen Pflanzenzüchtung?

www.demeter.de/verbraucher/aktuell/j%C3%A4hrlich-40-000-euro-f%C3%BCr-%C3%B6kologische-pflanzen-und-tierzucht
www.demeter.de/verbraucher/landwirtschaft/artenvielfalt/biodynamische-pflanzenz%C3%BCchtung
www.demeter.de/presse/rechte-f%C3%BCr-pflanzen-rheinauer-thesen
www.saatgutfonds.de/gemuesezuechtung
www.saatgutfonds.de/getreidezuechtung
www.kultursaat.org
www.bingenheimersaatgut.de