Biodynamische Forschung

Eine kurze Einführung

Biodynamische Forschung

13.12.2011

Biodynamische Forschung ist Forschung über die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Aus dem Impuls, biologisch-dynamische Landwirtschaft zu verbessern und das Verständnis über sie zu vertiefen, entstanden schon vor Jahrzehnten unabhängige Forschungseinrichtungen, z.B. das Institut für biologisch-dynamische Forschung. Sie waren damit zugleich die ersten Forschungsinstitute des Ökologischen Landbaus.

Ansprechpartner für biologisch-dynamische Fragestellungen in der deutschen Demeter-Bewegung ist der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V. Er kümmert sich um die Koordination biologisch-dynamischer Forschung und um Wissenstransfer.
 

Die Internetseite zum Forschungsring e.V. finden Sie hier:

 

Biologisch-dynamische Forschung erstreckt sich auf alle wesentlichen Bereiche der Agrarwissenschaften, wobei die Schwerpunkte auf Themen liegen, die nicht nur für die biologisch-dynamische Landwirtschaft, sondern für den ökologischen Landbau allgemein von hoher Bedeutung sind, wie Bodenfruchtbarkeit, Lebensmittelqualität, Pflanzenzüchtung und biologisch-dynamische Präparate. Dabei wird überwiegend mit den klassischen, naturwissenschaftlichen Methoden gearbeitet.

Biologisch-dynamischer Landwirtschaft liegt jedoch ein erweitertes Verständnis von Mensch, Pflanze, Tier, Erde und Kosmos zugrunde. Sie ist deshalb auch eng mit der Entwicklung von Forschungsmethoden verbunden, die anstreben, Mensch und Natur umfassender zu verstehen.

Ein Kennzeichen dieser Forschungsansätze ist, den Menschen in seiner Ganzheit ernst zu nehmen, so wie er sich dem eigenen Bewußtsein erschließt. Damit verbunden ist die Wertschätzung der eigenen Sinneswahrnehmungen. Erkenntnisse sollen sich nicht aus einer (vor)schnellen Einordnung in bestehende Denkmodelle (wie den Materialismus) ergeben. Durch ein unbefangenes, d.h. modellfreies Zusammenschauen von Phänomenen wird die Möglichkeit geschaffen, Neues und auch Unerwartetes über das jeweilige Forschungsobjekt zu erfahren.

Goethe begründete in seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten diese Methode. Rudolf Steiner entwickelte diesen Ansatz weiter fort und nannte ihn entsprechend Goetheanismus. Eine der daraus entstandenen Anwendungen ist die Morphodynamik, die Pflanzen in ihrer Zeitgestalt exakt erfasst und Aussagen über Pflanzen erlaubt beispielsweise über die Harmonie ihres Wuchses.

Die phänomenologische Beobachtung des Lebendigen führt zu einer Wertschätzung der Lebensäußerungen von Pflanzen, Tieren usw. wie ihren Rhythmen, Metamorphosen und Zusammenhängen mit Natur und Kosmos. Sie geben Orientierung für ein erweitertes Verständnis von Lebewesen und ihren Kontext.

Für die biologisch-dynamische Qualitätsforschung bedeutet dies, dass Reife, Alterung, Organbildung (z.B. von Same, Frucht, Blatt) oder Licht- und Schattenwirkung für die Beurteilung von Lebensmitteln ebenso ernst genommen werden, wie deren Inhaltsstoffe.

Mittel um solche Wirkungen in Lebensmitteln indirekt wahrzunehmen, sind die sogenannten bildschaffenden Methoden wie Kupferchloridkristallisation und Steigbild. Es handelt sich dabei um bildgebende Verfahren, die die Empfindlichkeit bestimmter Metallsalzen nutzen, auf die Zugabe geringer Mengen organischer Substanz in Lösung mit spezifischen Formen und Farben zu reagieren. Die beiden Methoden wurden in den letzten Jahren an der Uni Kassel wissenschaftlich validiert. Eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten über sie liegen vor. Kupferchloridkristallisation und Steigbild werden u.a. am Forschungsring e. V. für die Qualitätsentwicklung biodynamischer Produkte eingesetzt.
Das ganzheitliche Verständnis des Menschen führt auch dazu, Beobachtungen ernst zu nehmen, die sich nicht als sinnlich einordnen lassen, sondern seelisch-geistiger Art sind. Aus der geschulten Selbst- und Naturbeobachtung ist daraus eine Methode entstanden, Kräfte zu erfassen, die das Lebendige und ihre sinnlichen Erscheinungen konstituieren. Diese sogenannte Bildekräfteforschung nach D. Schmidt ist seit wenigen Jahren Element der biologisch-dynamischen Qualitätsforschung. Mit ihr können u.a. Lebensmittel in ihrer Wirkung auf den menschlichen Kräfte- bzw. Lebensleib genau beobachtet und charakterisiert werden.